Modernisierung der Niemeyer-Bibliothek in Haifa

Der Niemeyer-Turm der Uni-Haifa: Er ist von vielen Orten rund um die Hafenstadt aus zu sehen. Quelle: v2com/Amit Geron

Wer an Ikonen rüttelt, muss sich auf Sturm gefasst machen – oder mit Umsicht handeln. Kein Wunder also, dass der israelische Architekt A. Lerman viel Zeit brauchte, um eine Ikone in Haifa zu modernisieren. Das Universitätsgebäude in der israelischen Hafenstadt beruht auf Planungen von Oscar Niemeyer, einem der wichtigsten Architekten der Moderne.

Niemeyer steht nicht nur für die spektakulären Gebäude für Brasiliens neue Hauptstadt Brasilia. Sondern mehr als 500 Werke hat der Architekt hinterlassen, bevor er 2012 starb. In Deutschland steht eines davon im Hansaviertel. In Paris realisierte er die wunderbare Zentrale der Kommunistischen Partei Frankreichs. Die baute Niemeyer, ohne Honorar zu verlangen. Aber auch im Mittelmeerraum war der Architekt aktiv: Im Libanon hinterließ er das Messegebäude in Tripolis. In Israel die Universität von Haifa.

Alt und neu: Das brutalistische Verwaltungsgebäude der Uni ist etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch funktional und aufregend im Entwurf. Quelle: v2com/Amit Geron

Der Niemeyer-Turm in Haifa ist eine Landmarke in der Region

Die Universität wurde 1963 gegründet. Heute besuchen sie etwa 13.000 Studierende. Sie liegt an einem der höchsten Punkte der Stadt am südlichen Rand der Hafenstadt. Das zentrale Universitätshochhaus ist der 30-stöckige „Eschkol-Tower“, der von vielen Punkten Nordisraels aus zu sehen ist.

Schon vor Jahren sollte das Gebäude der Younes und Soraya NazarianUni-Bibliothek modernisiert werden, ohne die Grundidee Niemeyers zu zerstören. Dass Israel ein sehr kleiner Staat mit begrenzter Fläche ist und die Bevölkerung kontinuierlich wächst, macht das Ganze jedoch schwierig. 

Licht und Platz in der modernisierten Universitätsbibliothek in Haifa. Quelle: v2com/Amit Geron

Ein israelischer Architekt für öffentliche Bauten

2002 gewann Architekt Asaf Lerman einen entsprechenden Wettbewerb, der ihn mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nahm. A. Lerman Architects wurde 2006 gegründet und hat ihren Sitz in Tel Aviv. Heute betreuen die Planer ausschließlich öffentliche Projekte, darunter einige der architektonisch bedeutsamsten des Landes.

„Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Intervention an einem der ikonischsten Orte der israelischen Architektur der Moderne“, schreibt der Architekt. Denn neben dem Umbau bestehender Räume und einem Anbau sollte auch die ursprüngliche Idee eines Campus stärker hervortreten. Ein neuer Flügel ergänzt die brutalistische Beton- und Glaskonstruktion und schafft Platz für Studierende, Leseräume und Verwaltung.

Hommage an den Meister: Eine freie gewundene Betontreppe windet sich zwischen den Stockwerken. Quelle: v2com/Amit Geron

Der Neubau schafft Platz

Dafür setzen die Planer das neue Gebäude unter einen bestehenden Parkplatz. So schufen sie mit dem rund 5.000 Quadratmeter großen Neubau neuen Freiraum und eine neue begrünte Verbindung zur Bibliothek. Die vorsichtige Proportionierung macht die Linearität des ursprünglichen Entwurfs sichtbarer. Auch beim Material legten die Planer Wert darauf, die Qualitäten des Originals zu verstärken. Denn moderne Betonverfahren und Elemente wie runde Betontreppen sind als Hommage an Niemeyer gedacht. 

Sechs Monate blieb Niemeyer 1964 eher unfreiwillig in Israel. Denn der Militärputsch in Brasilien schloss seine Heimkehr aus. In dieser Zeit entwarf er viele weitere Gebäude und Siedlungen für Israel mit teils visionärem Charakter. Um diesen Plan des Alt-Meisters neues Leben einzuhauchen, nahm sich Architekt Lerman nun viel Zeit – mehr als zehn Jahre.

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