Vertikale Mobilität in den Future Cities

Der Omniturm (rechts) in Frankfurt am Main: Immer dichter, immer höher werden unsere Städte. Quelle: Schindler

Wenn wir von Future Cities, von der Stadt der Zukunft reden, dann müssen wir über Mobilität reden. Das klingt wie eine Binsenweisheit, aber gerade an der Frage der urbanen Mobilität wird sich entscheiden, wie lebenswert und umweltverträglich unsere Städte in Zukunft sein werden.

Die „Stadt der kurzen Wege“ ist das Leitbild – weg vom motorisierten Individualverkehr hin zum öffentlichen Nahverkehr, zum Fußgänger, zum Radfahrer. Wir benötigen neue Mobilitätsformen und ganz viel davon auf der letzten Meile. Aber die letzte Meile endet nicht an der Haustür. Gerade wenn wir es mit hohen, mit komplexen Gebäuden zu tun haben, ist der Weg mit dem Eintritt in das Gebäude nicht zu Ende. Wir möchten nicht nur dieses Gebäude betreten, wir möchten auch schnell und sicher unser Ziel erreichen. Wenn wir also über die Future Cities reden, dann müssen wir auch über Mobilität in Gebäuden sprechen.

Unsere Städte werden dichter und höher

Was sind die Herausforderungen?

  1. Wir werden es mit verdichteten urbanen Räumen zu tun haben. Die Städte werden höher.
  2. Die Stadt der kurzen Wege kann keine Stadt sein, in der Arbeiten, Wohnen und Freizeit getrennt sind. Gebäude mit Mischnutzung werden in der Stadt der kurzen Wege eine große Rolle spielen.
  3. Die Nutzergruppen werden heterogen sein. Wir benötigen barrierefreie Teilhabe ebenso wie abgegrenzte, geschützte Nutzungsräume.
Besucher, Bewohner und Angestellte haben unterschiedliche Ansprüche an die vertikale Mobilität. Quelle: Schindler

Welche entscheidende Rolle die Mobilität in Gebäuden bei der Stadt der Zukunft spielt, zeigt das Beispiel des Frankfurter Omniturms, des Frankfurter Hochhauses mit dem spektakulären Hüftschwung. Entworfen von der Bjarke Ingels Group und entwickelt von Tishman Speyer zählt das 190 Meter hohe Highrise-Gebäude inzwischen zu den meistfotografierten Hochhäusern der Stadt. Doch nicht nur das Design und die Architektur faszinieren. Auch hinsichtlich seines Anspruchs, echte Mischnutzung zu bieten und Arbeiten, Wohnen und öffentlicher Nutzung unter einem Dach zu vereinen, ist der Omniturm in Deutschland einzigartig.

Besucher, Bewohner und Angestellte haben verschiedene Ansprüche

Das bedeutet aber auch, dass die 2200 Menschen, die den Omniturm täglich besuchen, dort leben und arbeiten, unterschiedliche Ansprüche und Nutzungsweisen haben. Die Bewohner möchten sicher nicht, dass die Nutzer der Büroetagen bei ihnen klingeln oder mittags die Aufzüge verstopfen. Die Unternehmen im Gebäude möchten nicht, dass Unbefugte Zutritt in ihre Bereiche erhalten. Auf der anderen Seite soll sichergestellt sein, dass die Bewohner Besucher und Freunde empfangen können und die Büroarbeiter Geschäftspartner und Kunden. Das ist eine echte Herausforderung. 

An dieser Stelle kommt das Schindler PORT System ins Spiel. PORT steht für Schindlers intelligentes Transit Management System. Mit ihm lassen sich Laufwege, Nutzergruppen und die insgesamt neun Aufzüge im Gebäude präzise steuern. Das sorgt dafür, dass die Aufzüge immer optimal ausgelastet sind und Fahrgäste mit individuellen Berechtigungen Zugang zu ihren jeweiligen Bereichen erhalten. 

Mehr als eine Zielrufsteuerung

Dahinter steckt erst einmal eine einfache und schon 40 Jahre alte Idee: die Zielrufsteuerung. Anstatt in den Aufzug zu steigen und dort auf dem Kabinentableau die Etage auszuwählen, in die gefahren werden soll, wird der Fahrtwunsch schon vor dem Betreten der Kabine angegeben. Auf diese Weise kann Personen, die in dieselbe Etage fahren wollen, derselbe Aufzug zugewiesen werden. Bei hohen Gebäuden mit Aufzuggruppen kann diese Steuerung alle Nutzer wesentlich schneller ohne Zwischenstopps an ihr Ziel bringen.

Wenn man nun noch in der Lage ist, die Fahrgäste zu identifizieren – etwa anhand von Zutrittskarten, einer App oder einem QR-Code – dann kann man Nutzern auch bestimmte Rechte und Zutritt gewähren. Wie gesagt, in Gebäuden mit Mischnutzung ist das eine wesentliche Anforderung.

Mit dem Schindler PORT System verhält es sich ein wenig wie mit dem iPhone – man kann mit ihm auch telefonieren, es hat aber längst andere Funktionalitäten, die wir intensiver nutzen. Auch das PORT-System ist im Kern noch eine Zielrufsteuerung, allerdings schon weit darüber hinaus.

Nahtlose Mobilität dank myPORT 

Für Besucher erschließt sich die erweiterte Funktionsweise der Anwendung myPORT schon beim Eintritt ins Gebäude oder in die Tiefgarage. Dank der vollintegrierten Kennzeichenerkennung gibt das System einem registrierten Fahrzeug den Weg frei. Bereits beim Zutritt an den Eingängen oder an den Vereinzelungsanlagen erkennt das System, wohin die Reise gehen soll, schickt den am günstigsten positionierten Aufzug in die Eingangshalle, weist den Passagieren die für sie bereitgestellte Kabine zu und bringt sie mit flotten sieben Metern pro Sekunde an ihr Ziel. 

Zutrittskarten, Apps oder ein QR-Code räumen Nutzern bestimmte Rechte ein und gewährt Zutritt. Quelle: Schindler

myPORT ermöglicht die nahtlose Mobilität und maximale Effizienz aber auch für andere Nutzergruppen. So können beispielsweise Bewohner auf dem PORT-Terminal im Apartment mit ihren Besuchern per Videochat sprechen, ihnen die Tür zum Gebäude öffnen und einen Aufzug schicken, der direkt bis zur Zieletage fährt. Auch wenn die Bewohner ihre Wohnung verlassen, können sie mit Hilfe des PORT-Terminals bereits im Apartment einen Aufzug rufen, der dann umgehend bereitsteht. Weitere digitale Dienste stehen den verschiedenen Nutzergruppen zur Verfügung und werden kontinuierlich weiterentwickelt. 

Diesen Vortrag hat Jan Steeger im Juni 2021 auf dem Detail-Kongress gehalten. Wir dokumentieren den Text.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.