Tyros im Libanon: Ein Schiff ist gekommen

Schiffsähnliche Gestalt: Der neue Sitz der LSB in Tyros. Quelle: v2comSchiffsähnliche Gestalt: Der neue Sitz der LSB in Tyros. Quelle: v2com

Die Hafenstadt Tyros im Libanon ist eine der ältesten besiedelten Städte der Welt. Dort haben Domaine Public Architects aus Paris den Sitz der Lebanon Swiss Bank LSD errichtet. Herausgekommen ist ein Gebäude, das auf ganz besondere Art und Weise das Schicksal des Landes widerspiegelt. 

Wie ein gestrandetes Schiff ruht das Gebäude in Tyros, irgendwo auf einer vormals landwirtschaftlich genutzten Fläche. Im Januar vergangenen Jahres ist das Gebäude eröffnet worden. Wunderbar, wenn mit dem Bau auch etwas Entspannung und Ruhe in der Hafenstadt gelandet wäre.

Die Architekten standen vor einer großen Herausforderung. Es galt, lokale und überregionale Verhältnisse zu berücksichtigen, um den Auftritt der Lebanon Swiss Bank repräsentativ, sicher und nachhaltig zu gestalten. „Wie vermitteln wir zwischen der maximalen Sichtbarkeit und der Betonung räumlicher Gestaltung, die als Präzedenzfall für die bevorstehende Entwicklung dienen könnten?“, sagt Karim Fakhry von Domaine Public Architects.

Der gewölbte Rumpf sorgt für Schatten. Quelle: v2com
Der gewölbte Rumpf sorgt für Schatten. Quelle: v2com

Unsichere Situation im Libanon

Keine einfache Aufgabe in einem Land, das zwischen Religionen, Völkern und krassen sozialen Konflikten zerrissen bleibt. Der Libanon durchlebt die schwerste Wirtschafts-, Finanz- und Währungskrise seit dem Ende des Bürgerkriegs 1991. Die Wirtschaft ist im freien Fall. Corona und die Explosion im Hafen von Beirut im August 2020 haben die Krise verschärft. Das politische Machtvakuum im Land vergrößert die Probleme. Hinzu kommt: Dank der jüngsten Finanzkrise haben Banken ein echtes Reputationsproblem.

Blick in den Innenhof der LSB in Tyros. Quelle: v2com
Blick in den Innenhof der LSB in Tyros. Quelle: v2com

Hinzu kommt: Tyros hat nach dem Bürgerkrieg ein mehr oder weniger unkontrolliertes Wachstum bestehender Siedlungen erlebt. Um öffentlichen Raum zu schaffen, der in der Stadt fehlt, haben die Architekten den Bau bewusst für die Öffentlichkeit geplant: Zum Beispiel ersetzen sie geplanten Balkonraum im Erdgeschoss durch einen offenen Innenhof. 

Ausrichtung des Gebäudes bewusst gewählt

Struktur und Ausrichtung des Gebäudes zielen auf lokale Gegebenheiten ab, um vor massiver Sonneneinstrahlung zu schützen und Sicherheit zu vermitteln. Die geschwungene Hauptfassade weist nach Norden und beschattet viel Fläche. Die Fenster der Ost- und Westfassade lassen wenig Sonnenlicht durch. Der trapezförmige Innenhof schafft eine visuelle Verbindung zwischen den mehrstöckigen Büros und dem zentralen Verkehrsraum. Gleichzeitig ermöglicht er passive Kühlung und Querlüftung. Außerdem dringt viel Tageslicht aus dem Hof in die innenliegenden Räume. Der Stahlschirm nach Süden wiederum schützt vor der Sonne und dient gleichzeitig als Sicherheitstor.

Schwieriges Bauen im Libanon

Bauen ist im Libanon immer noch ein Wagnis, nicht nur wegen der komplizierten Bauvorschriften. Doch dass auch in diesem Land herausragende Architektur gelingt, zeigen viele Projekte. The Cube vom niederländischen Büros Orange Architects wurde 2016 sogar zum „Best Tall Building Middle East & Africa 2016“ gekürt.

Wie schwierig das Bauen im Libanon ist, zeigt das Interview mit Roula Moharram und Thomas Thalhofer von MET Architects. Anschaulich berichten die beiden Architekten über die Wirren der Praxis im Libanon:

https://www.espazium.ch/de/aktuelles/was-unsere-arbeit-im-libanon-wirklich-revolutionierte-ist-whatsapp

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