Siemensstadt 2.0: Der Turmbau beginnt

Entwurf für die Siemensstadt 2.0: Alt und Neu bilden ein neues Ganzes. Visualisierung: ROBERTNEUN™/ Philipp ObkircherEntwurf für die Siemensstadt 2.0: Alt und Neu bilden ein neues Ganzes. Visualisierung: ROBERTNEUN™/ Philipp Obkircher

Auf dem alten Industrieareal soll Neues entstehen: Die Siemensstadt 2.0 ist eines der prestigeträchtigsten Zukunftsprojekte der Hauptstadt. Und das Berliner Architekturbüro Robertneun hat nun den ersten Wettbewerb für die Erschließung des sogenannten Innovationscampus gewonnen.

60 Meter hoch soll er aufragen, der neue Turm an der künftigen S-Bahn Haltestelle Siemensstadt. Man kann ihn also mit Fug und Recht die Visitenkarte des Innovationscampus Siemensstadt 2.0 nennen. Was hier entsteht, besitzt Strahlkraft für den gesamten Rest des Areals. Also lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, was da eigentlich geplant ist. Denn das Bauprojekt gehört derzeit zu den spannendsten in der an Entwicklungsgebieten nicht armen Stadt.

Während das Center (li.) mit doppelstöckigen Etagen und zentralem Atrium zur Kollaboration und Begegnung einlädt, bietet die fein gerasterte Fassade des Turms hochgradig flexiblen Büroraum über 16 Etagen. Visualisierung: ROBERTNEUN™/ Philipp Obkircher


Bekannt war bislang, dass auf dem rund 70 Hektar großen Gelände der Dreisatz aus Forschen, Arbeiten und Wohnen in Einklang gebracht werden soll. Bis zu 600 Millionen Euro will der Konzern in die Nachnutzung der Betriebseigenen Industriebrache im Berliner Bezirk Spandau investieren. Und der Senat hat signalisiert, dass er eine ähnliche Summe in den Ausbau der Infrastruktur investieren will. Vor allem Schulen und Kitas sollen neu entstehen, aber auch der Ausbau der ohnehin schon guten verkehrlichen Anbindung steht zur Diskussion. Mit anderen Worten: Zwischen 2022 und 2030 entsteht hier ein neuer Berliner Kiez, der das Profil der Hauptstadt als Innovationszentrum schärfen soll.

Siemensstadt 2.0 mit viel Platz für neue Ideen

Auch auf gesellschaftlicher Ebene. Denn 30 Prozent der 200.000-Quadrameter-Wohnfläche, die hier entstehen sollen, sind als sozialer Wohnraum geplant. Auch wenn der Großteil wahrscheinlich aus einem Mix aus Wissenschaftlern, Hochschullehrern sowie Managern und Entrepreneuren bezogen werden wird. Schließlich bilden sie das Klientel, das hier künftig in Laboratorien sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen zu Werke geht.

Mit dem Siegerentwurf von Robertneun Architekten nimmt dieser neue Kiez nun endlich Gestalt an. Gewonnen hat das Berliner Büro den Auftrag für drei Bauten: für das Campus Center, den Siemens Turm sowie einen temporären Infopavillion samt Café. Das Trio übernimmt unterschiedliche funktionale und städtebauliche Aufgaben. Während das sechsgeschossige Center bereits eine Ahnung von der Vielfalt und Tiefe des Areals vermittelt, ist der 16-stöckige Turm als Kontrapunkt zum ikonischen Verwaltungsgebäude von Hans Hertlein gedacht. Alt und Neu, so der Wille der Planer, sollen hier ein neues Ganzes bilden. Dabei orientieren sie sich vor allem in der zurückgenommenen Farbgebung an den Bestandsbauten. Materialien, Grundrisse und Funktionen sind dagegen entschieden modern.

Zeitgemäß nachhaltig: Die Holzkonstruktion des Centers wirkt licht und modern. Und lässt sich gegebenenfalls auch ganz einfach wieder recyceln. Visualisierung: ROBERTNEUN™/ Philipp Obkircher

Dazu gehört zum Beispiel, dass sämtliche Bauten im Sockelgeschoss und auf den begrünten Dächern öffentlich zugänglich sein sollen. Im Center soll auf Erdgeschossebene aktivierende Nutzungen wie Cafés, Restaurants, Kioske, Buchläden oder Delikatessshops einziehen. Die Büro- und Arbeitswelten in den oberen Etagen sind  Galerien, Brücken und Wendeltreppen vernetzt und erschlossen. Die Ausführung als Holzkunstruktion sei nicht nur nachhaltig, sondern auch für die Anpassung an künftige Anforderungen äußerst flexibel, so die Planer.

Nachhaltigkeit zieht in die Büronutzung ein

Beim Turm kommt hingegen Stahl und Recycling-Beton zum Einsatz. Eine engere Rasterung der Fassade erlaubt hier einen flexiblen Wandanschluss. Auf diese Weise lassen sich auch hier variable Raumgrößen unkompliziert gestalten. Ein anpassungsfähiges Konstrukt, das auch die spätere Umnutzung erlaubt.

Ein besonderes Lob erhielten die Planer für ihr Nachhaltigkeits- und Energiekonzept. Smarte Technik wie  Beleuchtungs- und Sonnenschutzsteuerung sowie Präsenzmelder gehören ebenso dazu, wie Photovoltaikanlagen, Grauwasserecycling und thermisch aktivierte Decken. Letztere dienen als thermische Puffer und minimieren so Heizverluste während der Lüftung.

Für die weitere Entwicklung der Siemensstadt 2.0 kann man nur hoffen, dass dieses Beispiel von Robertneun Architekten Schule macht!

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