Turmbau – wo in Deutschland Wohnhochhäuser entstehen

Deutschland Wohnhochhäuser: Turmbau in Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und Köln

Die deutschen Metropolen wachsen. Doch in Zeiten knappen Baulands bleibt den Städten oft nur die Möglichkeit vertikal zu wachsen. Von Wolkenkratzerlandschaften wie in manchen asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Großstädten ist Deutschland noch weit entfernt. Dennoch entstehen auch in Deutschland Wohnhochhäuser. Der Senkrechtstarter blickt auf ein paar Wohnturm-Projekte.

Berliner Höhenluft

In der Hauptstadt fehlt vor allem bezahlbarer Wohnraum, da die Mieten in den vergangenen Jahren rasant gestiegen sind. Vor allem die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind gefordert, Sozialwohnungen zu bauen. Und sie haben sich Gedanken gemacht, wie dabei auch Hochhäuser eine Rolle spielen können. Der Vorschlag eines Typen-Hochhauses, mit dem sich Baukosten sparen lassen, wurde bislang aber noch nicht umgesetzt.

Wohnturm am Einkaufszentrum: das Grandaire in Berlin.

Wohnturm am Einkaufszentrum: das Grandaire in Berlin. Visualisierung: Giorgio Gullotta Architekten

Anders bei Investoren-Projekten, die auf das hochpreisige Segment setzen. So entsteht unweit des Alexanderplatzes, am Einkaufszentrum „Alexa“, ein Wohnhochhaus. Der Entwurf zum Grandaire stammt von Giorgio Gullotta Architekten aus Hamburg. Das Gebäude besteht aus zwei Teilen, von denen der höhere bis 65 Meter hoch reicht und aus 20 Geschossen besteht. Das kleinere geht über zwölf Geschossen. Lediglich im Erdgeschoss ist Gewerbe vorgesehen. Darüber entstehen Appartements mit einer Größe zwischen 50 und 150 Quadratmetern. Bereits nächstes Jahr können die Bewohner der 269 Wohneinheiten voraussichtlich einziehen.

Münchener Einstieg

Auch in Deutschlands teuerster Stadt entstehen Hochhäuser. Höhenbegrenzungen erschweren zwar die Entstehung von hohen Türmen in München, doch in Zeiten des Wohnungsmangels ändert sich die Bewertung manchmal. Zumal wenn das Konzept schlüssig ist. So entstand zum Beispiel unweit des Hauptbahnhofs ein Projekt, das auf Gemeinschaft setzt. Weitere Hochhausprojekte sind in der Bauphase.

Boardinghouse in München-Neuperlach mit runden Fenstern. Visualisierung: DMAA

Boardinghouse in München-Neuperlach mit runden Fenstern. Visualisierung: DMAA

Immerhin auf 50 Meter bringt es „386 Studiomuc Neuperlach“. In diesem Wohnturm bietet ein Boardinghouse künftig einen hohen Wohnstandard auf Zeit. Auf der von der Straße abgewandten Seite öffnen sich die Balkons zu einem Innenhof. Dieser ist von weiteren sechsgeschossigen Gebäudetrakten umschlossen. Außerdem gehört ein Parkhaus zum Ensemble. Die Fenster stechen in der Fassade besonders hervor: Sie sind rund und werden mit Klappläden verdunkelt. Delugan Meissl Associated Architects gewannen dieses Jahr den Wettbewerb für das Projekt. Bis zur Fertigstellung dauert es daher noch.

Kölner Edelstein

In Köln gehört der Streit um die Höhe von Hochhaus-Projekten traditionell dazu (wobei in der Domstadt schnell etwas Tradition wird) – vor allem in der Nähe des Doms. Nachdem die Unesco angedroht hatte, Köln den Welterbestatus abzuerkennen, hatte die Stadt Pläne für den Stadtteil Deutz gegenüber des bedeutenden Sakralbaus auf Eis gelegt und sich ein Höhenkonzept gegeben. In der Innenstadt sind Häuser nun auf eine Höhe von 22,50 Metern beschränkt. Die Kranhäuser im Rheinauhafen waren 2009 die bislang letzten fertiggestellten hohen Gebäude. Eines davon ist ein Wohnturm.

Die Gebäudeplanung stammt vom Architekturbüro Michael Peter Schlesinger, die anthrazitfarbene Klinkerfassade entwarfen KSG-Architekten. Foto: ksg-Finest Images

Die Gebäudeplanung stammt vom Architekturbüro Michael Peter Schlesinger, die anthrazitfarbene Klinkerfassade entwarfen KSG-Architekten. Foto: ksg-Finest Images

Der „Opal“ beendet die Baupause. Der Wohnturm entsteht am Rhein – nördlich der Mülheimer Brücke und damit weit genug weg vom Dom. Mit einer Höhe von 67 Metern ist er nicht einmal halb so groß wie das höchste Kölner Wohnhaus, das Colonia-Haus. Projektentwickler Kondor Wessels lässt den 20-stöckigen Edeltstein derzeit entstehen. 78 Eigentumswohnungen und fünf Gewerbeeinheiten finden im Hochhaus ihren Platz. Da Baurecht bereits bestand, bevor Köln eine Quote für Sozialwohnungen festschrieb, sind Mieteinheiten nicht vorgesehen. Eine soziale Durchmischung will der Investor dennoch erreichen. Sie ergebe sich durch unterschiedliche Wohnungsgrößen und –preise, hieß es gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Frankfurter Wohnungskranz

Ein Artikel über Hochhäuser in Deutschland kommt nicht ohne Frankfurt am Main aus. Fast 20 Wohnhochhäuser sind hier kürzlich entstanden, im Bau oder kurz vor Baustart. Über einzelne Projekte wie den Grand Tower hat der Senkrechtstarter bereits berichtet. Die Hinwendung zum Wohnen führt sogar dazu, dass Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden, so beim Riverpark Tower am Main.

Wie ein Gürtel liegen die Balkons und Terrassen um den Omniturm. Visualisierung: Tishman Speyer / BIG

Wie ein Gürtel liegen die Balkons und Terrassen um den Omniturm. Visualisierung: Tishman Speyer / BIG

Der Omniturm geht hingegen einen weltweiten Hochhaustrend mit: die Mischnutzung. Bjarke Ingels Group (BIG) zeichnen für den Entwurf verantwortlich. Das große Konzept sieht einen 45-Geschosser auf 182,9 Metern vor. Da der Turm im Bankenviertel entsteht, ist der Großteil der Flächen für Büros vorgesehen. Doch 8.175 Quadratmeter stehen für Wohnungen zur Verfügung. Hinzu kommen 1.579 Quadratmeter öffentlich zugängliche Flächen. Fahrradstellplätze und Ladestationen für Elektroautos sehen die Pläne ebenfalls vor. 150 Appartements auf acht Etagen sollen es werden. Und sie bestimmen maßgeblich die Form des Baukörpers. Denn die Balkons und Terrassen ragen aus der Fassade heraus. Der Turm bekommt so einen Wohnungskranz in der Mitte. Anfang 2019 soll der Turm für Alles stehen.

Wohnen bei Maklern

Eine Mischnutzung erlaubt auch die künftige Zentrale des Immobilienmaklers Engel & Völkers in Hamburg. In der Hafen City entsteht derzeit ein dreiteiliges Gebäude im Stile eines Atriumhauses, dessen 16-stöckiges Hochhaus herausragt. Neben Büroflächen sind auch Ladenzeilen vorgesehen sowie 66 Eigentumswohnungen. Für 17.500 Euro pro Quadratmeter bekommen die künftigen Bewohner einen Blick auf die Elbe samt Elbphilharmonie aus bodentiefen Fenstern. Außerdem zählen die für diese Preisklasse üblichen Annehmlichkeiten dazu, etwa ein Concierge-Service, Zugang zum Fitnessraum in der obersten Etage sowie eine Dackeldusche im Keller. Die Pläne von Richard Meier Architekten sollen bis Anfang nächsten Jahres umgesetzt sein.

Wohnen bei Engel & Völkers in der Hamburger Hafencity. Visualisierung: bloomimages

Wohnen bei Engel & Völkers in der Hamburger Hafencity. Visualisierung: bloomimages

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