Hochhaus-Debatte spaltet München

Darüber könnten viele Städte nur milde lächeln: Der Plan, einen 75 Meter hohen Turm neben dem Hauptbahnhof zu errichten, sorgt in der bayerischen Landeshauptstadt für erhitzte Gemüter und böses Blut.

In der vergangenen Woche entschied die sogenannte Stadtgestaltungskommisssion, die den Münchner Stadtrat als Expertengremium berät, bei drei Gegenstimmen: Der Turm wird gebaut. Doch die Gegner des Neubaus sind laut – und es gibt nicht eben wenige von ihnen. Der bayerische Generalkonservator Mathias Pfeil, seines Zeichens oberster Denkmalpfleger, sowie Stadtheimatpfleger Gert Goergens und Kultusminister Ludwig Spaenle sind drei der mächtigsten Stimmen gegen den Turm. Letzteren macht laut Münchner Abendzeitung die Selbstvergessenheit der Stadt geradezu „rasend“.

Doch worum geht es überhaupt? Der neue Büro- und Hotelturm soll 30.000 Quadratmeter Gewerbefläche beherbergen und Teil des umgebauten Flügelbahnhofs werden. Und wie gesagt: Er soll 75 Meter in die Höhe ragen. In München gleichen solche Pläne einem Umsturzversuch, denn der Neubau läge direkt in der Innenstadt, nur rund einen Kilometer von der Frauenkirche entfernt.

Frauenkirche als (vertikales) Maß aller Dinge

Der geplante Büroturm © Auer Weber Architekten

Der geplante Büroturm © Auer Weber Architekten

Zur Erklärung: Im Stadtzentrum Münchens, innerhalb des Mittleren Rings, sind keine Gebäude mit einer Höhe von mehr als 100 Metern erlaubt. Die Frauenkirche mit ihren beiden gut 98 Meter hohen Türmen soll als Wahrzeichen München nicht überragt werden. Dass nun selbst ein deutlich niedrigeres Gebäude für Streit sorgt, beweist die Brisanz des Themas.

Der Entwurf für den futuristischen Turm stammt vom Architekturbüro Auer Weber, und bereits aus dem Jahr 2007. Kollegen aus der Kommission sprachen sich für die Pläne aus, unter ihnen der renommierte Architekt Matthias Sauerbruch.

Ob die Angst um die Altstadt-Silhouette nun berechtigt oder kleingeistig ist, und ob gar ein Präzedenzfall droht, darüber wird eifrig debattiert, auch in der Presse. Die Süddeutsche Zeitung etwa ließ zwei ihrer Autoren Argumente austauschen, der eine positionierte sich Pro Hochhaus, der andere Kontra Hochhaus.

Mehr dazu unter sueddeutsche.de, merkur.de, tz.de und abendzeitung-muenchen.de.

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