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Pritzker-Preis für Architektur 2021 geht an Lacaton und Vassal

Die beiden französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal sind die diesjährigen Preisträger des Pritzker-Preises für Architektur. Das gab die Jury der renommierten Auszeichnung am gestrigen 16. März 2021 in Chicago bekannt. In der Architektur gilt der Preis als höchste Ehrung.

Die Jury lobte die beiden Architekten besonders für die Nachhaltigkeit ihrer Werke, die gleichzeitig einen sozialen Anspruch erfüllen. „In diesem Jahr haben wir mehr denn je gespürt, dass wir Teil der Menschheit als Ganzes sind. Aus gesundheitlichen, politischen oder sozialen Gründen besteht die Notwendigkeit, ein Gefühl der Kollektivität aufzubauen. Wie in jedem zusammenhängenden System ist ein fairer Umgang mit der Umwelt und mit Menschen auch ein fairer Umgang mit der nächsten Generation“, sagte Alejandro Aravena, Vorsitzender der Jury des Pritzker-Architekturpreises. „Lacaton und Vassal sind radikal in ihrer Raffinität und kühn durch ihre Subtilität. Sie bringen einen respektvollen und doch geradlinigen Ansatz für die gebaute Umwelt in ein Gleichgewicht.“

Lacaton und Vassal lehnen Gebäudeabrisse ab

Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, Jahrgang 1955 und 1954, lernten sich in den 1970er Jahren im Studium in Bordeaux kennen. 1988 gründeten sie ihr gemeinsames Architekturbüro Lacaton & Vassal. Eine der Grundlagen ihrer Tätigkeit ist, dass sie den Abriss von Gebäuden ablehnen. Große bestehende Wohnblöcke wollten sie umbauen, um beispielsweise erschwingliche Sozialwohnungen zu erhalten.

Meisterwerk des Umbaus: Den Wohnturm La Tour Bois le Prêtre in Paris stammt aus den 1960er Jahren. © Pritzker/ Philippe Ruault

So verwandelten Lacaton und Vassal zusammen mit Frédéric Druot den Wohnturm La Tour Bois le Prêtre in Paris. Der 17-Stöcker wurde in den frühen 1960er Jahren gebaut. Die Architekten vergrößerten die Innenfläche der 96 Einheiten, indem sie die Betonfassade entfernten. Dann erweiterten sie die Grundflächen um wintergartenähnliche Balkone.

Ähnlich veränderten sie 530 Wohnungen in drei Gebäuden in Bordeaux. Umbau, Modernisierung von Aufzügen und Sanitäranlagen sowie die großzügige Erweiterung aller Einheiten sorgten dafür, dass die Sozialwohnungen erhalten werden konnten – zu einem Drittel der Kosten für Abriss und Neubau.

Gelungener Erhalt: In Bordeaux konnten 530 Wohneinheiten als erschwinglicher Wohnraum erhalten bleiben. © Pritzker/ Philippe Ruault

Es ist nicht der erste Preis für Lacaton und Vassal

„Gute Architektur ist offen – offen für das Leben, offen, um die Freiheit eines jeden zu fördern, wo jeder tun kann, was er tun muss“, sagt Lacaton. „Sie sollte nicht demonstrativ oder imposant sein, sondern sie muss etwas Vertrautes, Nützliches und Schönes sein, mit der Fähigkeit, das Leben, das in ihr stattfindet, ruhig zu unterstützen.“

Das ausserhalb Frankreichs wohl bekannteste Projekt der beiden Architekten: Der Palais de Tokyo in Paris. © Pritzker/ Philippe Ruault

Zu den bekanntesten Bauten der Architekten gehört das 2002 neu eröffnete Ausstellungsgebäude Palais de Tokyo in Paris. 2008 wurden sie für ihr Werk mit Frankreichs wichtigsten Preis Grand Prix National de l’Architecture ausgezeichnet.

Pritzker-Preis geht immer häufiger an Frauen

Lacaton und Vassal sind die 49., bzw. 50. Pritzker-Preisträger. Mit der Nominierung von Anne Lacaton scheint die Jury des Preises in einem ganz bestimmten Bereich nachholen zu wollen. Denn in der mehr als 40-jährigen Geschichte des Preises haben bisher nur vier Frauen den Preis erhalten: Yvonne Farrell und Shelley McNamara im vergangenen Jahr sowie Zaha Hadid und Kazuyo Sejima. Längst studieren heute mehr Frauen als Männer an den Hochschulen für Architektur.