Schlagwort: Städtebau

Interview zur Ausstellung: Berlin 2050 – Konkrete Dichte

Berlin wächst. Das ist Segen und Fluch zugleich. Denn bei immer noch angespannter Kassenlage ist die Hauptstadt nun gefordert, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Ein Zusammenschluss von drei Hochschulen zeigt mit der Ausstellungstrilogie „Berlin 2050“ nun, wie das funktionieren kann. Senkrechtstarter sprach mit  dem Berliner Architekten Bernd Albers, einem der Initiatoren der Ausstellung darüber, warum eine neue Debatte heute wichtiger denn je ist.

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Der Schindler Global Award geht in die zweite Runde

Zum zweiten Mal findet der Schindler Global Award (SGA) weltweit statt. 2015 stand das chinesische Shenzen im Fokus. Nun sind  Studierende weltweit dazu aufgerufen, Vorschläge zu Mobilitätskonzepten für die brasilianische Metropole São Paulo einzureichen. Kees Christiaanse, Professor für Architektur und Städtebau an der ETH Zürich, ist wissenschaftlicher Partner des Wettbewerbs. Im Interview mit Jessica Bridger erklärt er, welche Chancen die Teilnahme am SGA jungen Talenten bietet.

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Drei vor zehn: Neues aus der vertikalen Welt

Wettbewerb zum vertikalen Wachstum von Städten, Beispiele für urbanes und grünes Bauen und in Japan wächst der Aufzugsmarkt: Wir halten Sie auf dem Laufenden über technische Innovationen, Neues aus der Branche und alles, was mit vertikaler Mobilität zu tun hat – mit den News der Woche.

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Der Bauwelt Kongress in sieben Sätzen

Vor sieben Tagen, am 6. November, begann der Bauwelt Kongress in Berlin. Zeit genug, um eine angemessene Würdigung in sieben Thesen zu formulieren.

1. Wir wohnen in Deutschland auf großem Fuß.

Das ist nicht neu, aber dass der Fuß so groß ist und noch wächst, sorgte schon für Aufsehen. Bauwelt-Chefredakteur Boris Schade-Bünsow wies in seinem Eröffnungsbeitrag daraufhin, dass in Deutschland die Wohnfläche pro Kopf schon heute bei mehr als 40 Quadratmetern liegt und bis 2030 nochmals um 20 Prozent zulegt, so dass wir uns dann im Schnitt auf 55 Quadratmetern ausbreiten können. Das mag absurd erscheinen in Anbetracht der knapper werdenden Ressourcen und Flächen, aber genau in diesem Punkt legte auch der Sozialpsychologe Harald Welzer seinen Finger in die Wunde: Wenn wir Wohlstandskinder nicht sofort unseren Ressourcenverbrauch um 80 Prozent senken, bräuchten wir gar nicht erst von Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit sprechen. Damit auch ja keine gute Laune im Auditorium aufkam, legt Welzer gleich noch einen drauf mit der These, dass der Kapitalismus zwar das 21. Jahrhundert überleben werde, aber das 21. Jahrhundert nicht den Kapitalismus.

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Boris Schade-Bünsow wirft große Zahlen auf die große Leinwand. © Jan Steeger

 

2. Weniger ist mehr.

Weniger – weniger Effizienz – täte uns gut, gab Harald Welzer den Zuhörern noch mit auf den Weg. Effizienzreduktion führe zu Nachhaltigkeit, nicht Effizienzsteigerung. Mehr – mehr Heterogenität – täte uns ebenfalls gut. Um das einzusehen reiche schon ein Blick in deutsche Innenstädte, die sich mehr und mehr angleichen. Ein Plädoyer für eigensinnige Städte.

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Harald Welzer hält Claudé Levi-Strauss in der Hand. © Erik-Jan Ouwerkerk

 

3. Unsere Städte vertragen mehr Höhe.

Bleiben wir bei den Städten. Schließlich war das doch das Thema des Kongresses. Außer dass unsere Städte homogener werden, sind sie auch noch ziemlich flach. Zumindest ist die Architektin Regine Leibinger der Meinung, dass unsere Städte etwas mehr Höhe gut vertragen könnten. Und auch wenn sie ihren Unmut darüber, dass Frank Gehry das Wohnhochhaus am Berliner Alexanderplatz bauen wird, gar nicht erst zu verbergen suchte, darf sie jetzt den höchsten Neubau Berlins errichten. Außer Thesen, nichts gewesen – wird man ihr nicht vorwerfen können. Nach dem Tour Total ist der Estrel Tower nun schon das zweite Gebäude in kurzer Zeit, mit dem sie Berlin in die Höhe bringt. Das dürfte Hamburgs Oberbürgermeister Olaf Scholz freuen. Gab er doch freundlicherweise zu Protokoll, Hochhäuser zu mögen. Zudem findet er, dass Dichte zur Stadt gehört. Nun gut, Hamburg hat ja auch noch deutlich Luft nach oben. Den Höhenflügen seinen Mitreferenten verpasste der Architekt und Stadtplaner André Poitiers einen Dämpfer: Hochhäuser seien in deutschen Städten kaum zu realisieren. Poitiers, der insbesondere auf seine Erfahrungen mit der Europacity Berlin und Mitte Altona Hamburg rekurrierte, machte deutlich, dass Hochhausprojekte meistens am Widerstand der Bevölkerung scheiterten. Man muss in diesem Zusammenhang nicht einmal von einem flachen Horizont sprechen…

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Regine Leibinger will hoch hinaus. © Erik-Jan Ouwerkerk

 

4. Das Erdgeschoss ist eine Kampfzone.

Doch gehen wir noch tiefer. Ins Erdgeschoss. Dem Sorgenkind der Stadtplanung, das sowohl Markus Penell von Ortner & Ortner in seinem Vortrag  zur „Killesberg Höhe“ als auch die Berliner Baudirektorin Regula Lüscher ins Visier nahmen. Der militärische Duktus ist hier nicht unangemessen, sprach doch Lüscher selbst von der „Kampfzone Erdgeschoss“. Aber warum ist das Parterre denn nur so unter Beschuss? Ganz einfach: weil kaum einer dort wohnen will. Wenn man also neue Wohngebäude plant, muss man nach anderen Nutzungen für das unbeliebte Geschoss suchen. Gewerbe geht aber nur, wenn es überlebensfähig ist und die Bewohner nicht vertreibt. Leerstand geht gar nicht. Was tun? Eine Frage, die uns nach dem Kongress bleibt, auch wenn es dort einige Anregungen gab. Das Wiener „Bike&Swim“ etwa, in dem das Erdgeschoss als Fahrradgarage dient.

Regula Lüscher lässt sich vom „Erdgeschoss“ die Laune nicht verderben. © Erik-Jan Ouwerkerk

 

5. Architektur ist zu wichtig, um sie den Architekten zu überlassen.

Alfredo Brillembourg von der ETH Zürich warf die 68’er-These wieder in den Ring. Zu Recht. In seinem Vortrag „Beyond Torre David“ machte Brillembourg deutlich, was es bedeutet, wenn wir in Metropolen mit großen Armenvierteln keine kreativen Antworten auf die Wohnkrisen des Prekariats finden, wenn die Menschen, die dort leben, dort nicht leben können: Armut, die keinen Ausweg kennt, emigriert. Beim vertikalen „Slum“ Torre David in Caracas, den Brillembourgs Urban Think Tank erforschte – ein Projekt, das ihm vor zwei Jahren den goldenen Löwen einbrachte -, scheint das Experiment gescheitert. Umso dringlicher Brillembourgs Plädoyer, die Stadt als Versuchsraum zu begreifen und neue Wege zu gehen. Einer davon ist: Wir müssen keine neuen Häuser bauen.

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Alfredo Brillembourg macht die Stadt zum Versuchsraum. © Erik-Jan Ouwerkerk

 

6. Wir müssen keine neuen Häuser bauen.

In Anlehnung an die 11. Feuerbachthese von Marx, könnte man auch sagen: Architekten haben nur verschiedene Häuser gebaut, jetzt kommt es darauf an, diese zu verändern. Alfredo Brillembourg verwies auf den Leerstand, den es in zahlreichen Städten gibt: alte Parkhäuser, ungenutze Bürogebäude und geschlossene Shoppingcenter. Hier könnte dringend benötigter neuer Wohnraum entstehen. Es müssen nur Wege zur kreativen, kostengünstigen und komfortablen Umutzung gefunden werden. Das klingt schon stark nach Politikersprech, also sagen wir es doch gleich mit der Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: Es geht um die „Transformation der gefühlten Peripherie“. Wie können wenig begehrte Wohnlagen wie Siedlungen aus den 60er und 70er Jahren etwa so umgestaltet werden, dass sie als Wohnraum wieder attraktiv werden? Das so etwas möglich ist, zeigte Markus Neppl von ASTOC am Beispiel der Wohnbebauung „Grüner Weg“ in Köln-Ehrenfeld. Doch selbst wenn dieses Potential voll ausgeschöpft wird: Vom Bau neuer Häuser wird uns das nicht entbinden. Allein Berlin wird in den kommenden zehn Jahren um 240.000 Menschen wachsen, prognostizierte Lüscher.

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Geplant: Mardreiter, Höing, Lüscher und Bauwelt-Vize Geipel im Gespräch © Erik-Jan Ouwerkerk

 

7.  Des war scho immer so!

In Wien zumindest nicht. Was den geförderten Wohnungsbau angeht, hat sich die österreichische Hauptstadt zum Vorzeigeobjekt gemausert. Es lohnt sich mindestens einmal im Jahr nach Wien zu fahren, musste der Kölner Baudezernent Franz-Josef Höing daher auch neidvoll anerkennen. Sein Wiener Kollege Thomas Madreiter zeigte mit Projekten wie dem schon erwähnten „Bike&Swim“ oder der Seestadt Aspern, eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte der vergangenen Jahre, was möglich ist. In zehn oder fünfzehn Jahren wird ein Besuch dieser ambitionierten Projekte zeigen, ob heute alle zu Recht nach Wien schauen. Einen Grund dies zu tun, ist aber sicher auch Herwig Spiegl. Der Wiener Architekt von AllesWirdGut lieferte auf dem Bauwelt Kongress sicher nicht nur einen der kurzweiligsten Vorträge ab. Auch seine Forderungen unsere Wohnarchitektur neu zu denken und „Erfahrung als Ideentöter“ zu begreifen, sollten wir getrost mit auf den Weg nehmen. Beruhigend auch, dass Spiegl zugibt, in seine Utopien des Wohnen niemals selbst einziehen zu wollen. Dazu passt auch gut Regine Leibinger, die gesteht: „Vielleicht bin ich spießig, aber ich glaube an Wände und Türen.“ In diesem Sinne: Des war schon immer so!

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Aber hier leben, nein danke, meint Herwig Spiegl. © Erik-Jan Ouwerkerk

 

Fünf vor zehn: Neues aus der vertikalen Welt

Hamburg plant vertikale Stadt, leuchtende Rolltreppen in Frankfurt und der „Express-Modus“ bei Aufzügen: Wir halten Sie auf dem Laufenden über technische Innovationen, Neues aus der Branche und alles, was mit vertikaler Mobilität zu tun hat. Jeden Freitag die News der Woche.

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