Schlagwort: OMA

Global Trade Center Shenzhen: Eine Stadt entsteht

Global Trade Center Shenzhen: Das Hochhaus als guter Nachbar. Illustration: OMA

World oder Global Trade Center gibt es rund um den Erdball. Und in der Regel handelt es sich dabei um sehr klassische Bürotürme, die vor allem Macht und Wohlstand ausstrahlen sollen. Nicht so in der chinesischen Millionenmetropole Shenzhen. Denn dort baut das niederländische Architekturbüro OMA nun ein Handelszentrum, das sich mit den Nachbarschaften vernetzen soll.

Zwei Hauptstraßen, drei Metrolinien und ein Busterminal – und obendrauf ein Gebäudekomplex von den Dimensionen einer kleinen Stadt. Im chinesischen Finanzzentrum Shenzhen, das direkt an die Sonderverwaltungszone Hongkong angrenzt, denkt man gerne groß. Aber bei dem neuen Global Trade Center hat sich die Stadt nun selbst übertroffen. Dabei sind die beiden mit 51 bzw. 54 Stockwerken geplanten Türme nicht einmal besonders hoch. Dafür verwischt der Entwurf die Grenzen zwischen Architektur und Stadtplanung, wie einige Kritiker bereits angemerkt haben. Denn in den Sockelgeschossen des Gebäudes laufen nicht nur wichtige Transitverbindungen der Stadt zusammen. Hier entsteht ein richtiges Stadtviertel mit Einkaufsmöglichkeiten, Hotels, Büros Kinos, Galerien und Restaurants.

Globe Trade Center Shenzhen im Zeichen der neuen Zeit

Vielfalt an einem Ort: Farbschema der unterschiedlichen Nutzungen. Illustration: OMA

Das spannende Konzept stammt vom niederländischen Office for Metropolitan Architecture, kurz OMA. Das Büro ist für seine Leuchtturmarchitektur bekannt, und vor allem auch in China sehr aktiv. Doch mit diesem Projekt, bei dem kürzlich die Grundsteinlegung erfolgte, läuten die Planer ein neues Zeitalter ein und greifen den Trend zur Integration von Hochhäusern in die umgebende Nachbarschaft auf. Wie das geht, hat zum Beispiel Henning Larsen bei seinem Entwurf für den Hafen von Sydney kürzlich gezeigt. OMAs Beitrag, der bereits aus dem Jahre 2016 stammt, geht jedoch noch einen Schritt weiter. Besonders deutlich wird das am Farbschema der unterschiedlichen Nutzungen des Gebäudes. Einzelhandel (rot), Kultur (lila und grün) Hotels (ocker und gelb) öffentliche Flächen (blau) und Büroräume (grau) gehen dort ein so verstricktes Geflecht ein, dass der Gebäudekomplex wie ein Regenbogen erstrahlt. Hinzu kommen die öffentliche Wege und Transportmittel (Pfeile), die ihn mit seiner Nachbarschaft vernetzen.

Wirtschaft und Handel auf menschlichem Maß

Vom Sockel aus wächst der Komplex mit insgesamt 360.000 Quadratmetern Fläche zudem quasi topografisch in die Höhe. Auf verschiedenen Ebenen verjüngt sich das Volumen der Türme, sodass der Eindruck eines ansteigenden Hügels entstehet. Damit verabschieden sich die Architekten auch von der monolithischen Präsenz, die Hochhäusern sonst anhaftet und sie, nun ja, phallisch aussehen lässt. Planskizzen zeigen, wie sich die Höhenlinien harmonisch in die Nachbarschaft integrieren, anstatt sie zu dominieren. Das wirkt äußerst zeitgemäß und lässt sich als architektonischer Hinweis darauf werten, dass im Global Trade Center Shenzhen künftig Wirtschaft und Handel auf menschlichem Maß betrieben werden sollen.

Integrieren statt dominieren: abgestufte Höhenlinie des Gebäudekomplexes. Illustration: OMA

Dass das Ganze von Weitem dennoch einen sehr aufgeräumten und modernen Eindruck macht, ist dem eleganten Entwurf der Architekten zu verdanken. Der rückt vor allem die Skybridge im 35. bis 37. Stockwerk in den Fokus, welche die Gebäudeteile symbolisch wie real verbindet. Während die eine Hälfte ein Aussichtsturm, Cafés und kulturelle Einrichtungen für die Öffentlichkeit beheimatet, wird die andere Hälfte von einem Hotel als Skylobby, Bar und Restaurant genutzt.

Menschliche Dimension: Das neue Global Trade Center setzt auf den Trend zu guter Nachbarschaft in dichten Städten. Illustration: OMA

Es wird spannend sein zu sehen, in welcher Welt das Global Trade Center Shenzhen einmal fertiggestellt werden wird. Denn bis zu diesem Termin im Jahr 2024 kann ja noch so einiges geschehen.

OMA in Eindhoven: Die Zukunft in Würfeln

Rosige Zukunft: Die Glaskuben von OMA über Eindhoven. Quelle: OMA/Proloog

Eindhoven ist eine gar nicht so beschauliche Stadt in den Niederlanden. Hier fertigt der Elektronikkonzern Philips und auch der Lkw-Hersteller DAF ist hier ansässig. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fand Eindhoven architektonisch Anschluss an die Moderne. Und nun läuten die Architekten von OMA die Zukunft der Stadt jenseits der industriellen Fertigung ein. 

Weiterlesen

Rückkehr der Platte? Norra Tornen in Stockholm

So elegant kann Platte sein: Erker, zurückgesetzte Terrassen und viel Sichtbeton. Quelle: Ossip van Duivenbode

Der Plattenbau ist out? Seit dem Fall der Berliner Mauer schien sich das fast dreißig Jahre lang bewahrheitet zu haben. Doch nun erlebt die Platte eine neue Konjunktur. Zum Beispiel in Stockholm, im Norra Tornen Projekt. Der Grund ist einfach: Vorgefertigte Betonbauteile bieten einfach ein paar gewaltige Vorteile.

Weiterlesen

Von Antennen und Scheinriesen

Wer entscheidet eigentlich, welches Gebäude das höchste ist und welches nur ein Scheinriese? Seit 1969 gilt das Council on Tall Buildings and Urban Habitats (CTBUH) als letzte Instanz für alle Fragen rund um hohe und sehr hohe Gebäude. Im Gespräch mit Senkrechtstarter erklärt der Hochhausexperte und CTBUH-Redakteur Dan Safarik die Faszination von Höhenrekorden und wie sie ermittelt werden.

Weiterlesen