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Aufzug mit Facebook-Seite: Ein Medienstar im Interview

Er ist der neue Stern am Fahrstuhlhimmel: Der Aufzug im RTL-Sendezentrum hat seit Juli eine eigene Facebook-Seite und schon über 300 Fans. Nun bekam er auch noch einen Auftritt in der Sendung Punkt 12. Für uns Grund genug, dem prominenten Lift mal ein paar Fragen zu stellen. Weiterlesen

Die Treppe bitte: Promi-Interviews im Aufzug

Eigentlich gehört das wohl in die Rubrik „Prominent ignoriert“: Tokio Hotel sind nach sechs Jahren mit einem neuen Album zurück und Sänger Bill Kaulitz gibt ein Interview. Dort erfahren wir so weltbewegende Dinge wie, dass er ein „Control-Freak“ ist und überall noch mal drüber schauen muss (In welchem Hesse-Schrader er das wohl gelesen hat?) und weil es ja ein Interview mit dem Fashion-Magazin Très Click ist, müssen wir auch noch zur Kenntnis nehmen, dass Bill gern eine eigene Mode-Linie herausbringen würde. Gut zu wissen.

Was dieses Interview aber aus der Masse heraushebt, so dass es seinen Weg – wenn auch unter vorgehaltener Hand – in unseren Blog gefunden hat, ist der Ort, an dem es stattfand: ein Aufzug. Dieser Umstand allein mag vielleicht noch nicht ausreichen, um viele Worte darüber zu verlieren. Aber es verdichten sich die Hinweise, dass wir es hier nicht mit einem Einzelfall, sondern mit einem eigenen Genre zu tun haben: dem Fahrstuhl-Interview. Es ist fast verwunderlich, dass noch keine Promi-News-Seite dieses Format unter der Rubrik „Geliftet“ etabliert hat.

Dass wir es hier nicht mit einem singulären Phänomen zu tun haben, lässt sich anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichen. So konnte der HSV in der vergangenen Saison zwar nicht gerade durch sportliche Lestungen überzeugen, war aber ganz vorn mit dabei, wenn es darum ging, dass Interview-im-Aufzug-Genre zu bereichern. Ob allerdings eine tiefere Bedeutung dahintersteckt, das Interview in einem abwärts (sic!) fahrenden Aufzug zu drehen, und ob die Assoziation „Fahrstuhlmannschaft“ intendiert oder nur in Kauf genommen wurde, sei dahingestellt.

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Etwas mehr Expertise im Bereich des Aufzugsinterviews haben die Redakteure vom Musikexpress. Als besonderer Dreh in ihrem Format fährt der Interviewer allerdings nicht mit, sondern in jeder Etage, in welcher der Aufzug hält, wartet ein Redakteur mit einer Frage auf die Musiker.  Diese haben dann Zeit bis zum nächsten Halt, um die Frage zu beantworten. Leider hat der Musikexpress das Format bereits nach wenigen Folgen wieder aufgegeben, was wohl mit den niedrigen Abrufzahlen bei YouTube zu tun haben könnte. Vielleicht ist die Redaktion aber auch einfach in ein Gebäude ohne Aufzug gezogen.

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Das Faszinierende am Aufzugs-Interview ist aber zugleich sein größtes Manko: die Beschränkheit. Nicht der Inhalte, sondern des Raumes. Schließlich ist der zu Interviewende dem Frager auf wenigen Quadratmetern mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. In die Ecke gedrängt wird der Befragte nicht erst durch gezieltes Nachhaken – er ist es von Beginn an. Fluchtmöglichkeiten a lá Ohoven stehen ihm nicht zur Verfügung:

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Die Beschränktheit des Raumes bedingt zudem eine Beschränktheit der filmischen Mittel. Wo kaum Platz für die Protagonisten ist, wird es auch für Kameras und Mikrofone eng. Wem das noch nicht ausreicht, kann natürlich die Situation noch deutlich verschärfen, indem er weitere Fahrgäste zusteigen lässt – möglichst mit großen Gepäckstücken oder sonstigen raumfüllenden und nervtötenden Requisiten. Circus Halligalli hat das Ganze in einem Interview mit Zac Efron und Seth Rogen mal durchexerziert.

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Lassen wir aber mal die Beschränktheit des Raumes, der Mittel und der Inhalte beiseite, bleibt nicht viel noch die Beschränktheit der Zeit. Das ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal des Aufzugsinterview sondern jeder medialen Fragestunde inhärent. Aber unabhängig vom Ort lebt auch das Interview im Fahrstuhl von der Beschränktheit seiner Protagonisten und da gibt es ja bekanntlich nach unten keine Grenzen. Daher nehmen wir das nächste Mal auch lieber wieder die Treppe.