Schlagwort: Charta Städtebau

Die ganze Stadt – Leitsätze für eine neue Charta

1933 auf dem Internationalen Kongress für neues Bauen verabschiedet und 1943 durch Le Corbusier veröffentlicht, stellte die Charta von Athen die Grundlage eines ideologischen Städtebaus dar. Dieses Manifest wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau zerstörter Städte berücksichtigt. In erster Linie fokussierte es eine funktionale, autogerechte Stadt. Heute, knapp neunzig Jahre später, lassen sich diese Forderungen nicht mehr anwenden – die Städte drohen zu zerfallen.

Der Bauwelt Kongress nahm dies zum Anlass, unter dem Titel „Die ganze Stadt“ zu diskutieren, wie zeitgemäße Strukturen gedacht und geplant werden müssen, um als Einheit zu funktionieren und Anwohnern einen lebenswerten Raum zu bieten. Auf Basis der Vorträge namhafter Architekten, Stadtplaner und Politiker aus den entsprechenden Bereichen lassen sich neue Leitsätze formulieren.

Interessiertes Fachpublikum: Der Bauwelt Kongress 2019 erfreute sich eines regen Zulaufs.

Die Stadt muss allen ein sicheres Zuhause bieten.

Damit sich alle Anwohner wohlfühlen, müssen Städte sicher sein und jedem ein angemessener Wohnraum zur Verfügung stehen. Dies funktioniert nur, wenn gesellschaftliche Gruppierungen vermieden und Ghettos reduziert werden.

Die Stadt muss als Ganzes gedacht und geplant werden.

Es reicht nicht, kleine pittoreske Orte zu schaffen, die sich im Idealfall wie ein Puzzle zusammenfügen. Stattdessen muss eine Stadt zu einem geschlossenen Kreislauf werden, der alle Orte und Stadtteile einbindet.

Die Stadt muss Raum für Nachbarschaften und Orte für Gleichgesinnte bieten.

Städte brauchen Raum für Nachbarschaften und Orte zum Versammeln. Bisher weitgehend ungenutzte Potenziale bieten unter anderem Hinterhöfe. Werden diese von Anwohnern beispielsweise für einen Gemeinschaftsgarten genutzt, können Nachbarschaften entstehen.

Zwischen den Vorträgen, Symposien und Diskussionsrunden fanden die Teilnehmer auch wieder Zeit zum persönlichen Netzwerken.

Die Stadt muss auf den Klimawandel reagieren.

Um eine Klimakatastrophe zu vermeiden, müssen von 2020 bis 2030 7,6 % der CO2-Emissionen eingespart werden. Im Städtebau zählt Zement zu den größten Verursachern. Derzeit wird erforscht, welche Baumaterialien sich als klimafreundliche Alternative eignen, um diese für zukünftige Bauten einzusetzen.

Die Stadt muss für Menschen und nicht für Autos geplant sein.

Mobilität muss neu gedacht werden. Hierbei sollte der Mensch und nicht das Auto im Vordergrund stehen. Die Peripherie muss stärker in die gesamte Infrastruktur eingebunden und Radwege sowie das Netz des öffentlichen Nahverkehrs stärker ausgebaut werden.

Text: Julia Hückinghaus, Fotos: Jasmin Schuller