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Antwerpen: Für mehr Demokratie am Bau

Neubau Provinzregierung Antwerpen Neubau. Foto: XDGA/ Matthias Van Rossen

Die Zeiten ändern sich, die Architektur bleibt bestehen. Meistens jedenfalls. In Antwerpen ist das Architekturbüro XDGA nun angetreten, das bestehende Gebäude der Provinzverwaltung den veränderten Zeiten anzupassen. Mit einem ganz besonderen Twist.

Verwaltungsgebäude sind Funktionsgebäude. Und so werden sie meist auch gebaut. Höchst funktional und nicht besonders hübsch. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliches Desinteresse reihenweise zu Zweckbauten, die das Stadtbild empfindlich stören. So auch in Antwerpen. Die Provinzverwaltung der Stadt wurde in einem schmucklosen Bürohochhaus untergebracht. Die hochaufragende Struktur blockierte geradezu die Sichtachse zu dem dahinterliegenden Park. Und es fügte sich insgesamt schlecht in seine Nachbarschaft.

Ein neues Wahrzeichen für Antwerpen

Bereits 2011 schrieb die Provinzverwaltung einen Wettbewerb aus. Das Ziel: ein Neubau, der sich besser in das Stadtbild fügt. Die Ausschreibung gewann schließlich das Brüsseler Architekturbüro Xaveer De Geyter Architects, kurz XDGA. Und zwar deshalb, weil es sich für den Neubau einen besonderen Twist überlegt hat. Von dem alten Gebäude blieb nur ein horizontaler Pavillon, der nun als Querriegel im neuen Turm integriert ist. Darüber schraubt sich die neue Struktur leicht versetzt in den Antwerpener Himmel. Auf diese Weise entsteht nicht nur ein spannungsvoller Dialog zwischen den alten und neuen Gebäudeteilen. Es entstehen auch neue Sichtbezüge zum umgebenden öffentlichen Raum, dessen Parkanlagen nun nicht mehr einzelne Inseln, sondern ein großes Ganzes bilden. Dennoch ist der Neubau mit rund 58 Metern Höhe und 14 Etagen ein weithin sichtbares Wahrzeichen, das seine Bedeutung für die Stadt nicht versteckt.

Alles andere als provinziell: Die Gliederung der Fassade in Dreiecken schafft auch im Inneren eine moderne Atmosphäre. Foto: XDGA/ Matthias Van Rossen

Damit erreichen die Architekten, was ihren Vorgängern verwehrt blieb. Sie schaffen eine Architektur, die sich in die Nachbarschaft fügt und sie gleichzeitig städtebaulich ergänzt. Das gläserne Volumen des Pavillons in Kombination mit der modernen, weißen Fassade des Neubaus übersetzt so die demokratischen Werte Transparenz und Teilhabe in eine schlüssige architektonische Formensprache. Das wirkt alles andere als provinziell. Und steht dazu noch einer Verwaltung, die mit der Zeit geht, gut zu Gesicht.