Kategorie: Architektur

Architektur & Städtebau: Hier finden Sie alles, was das Bauen in die Höhe betrifft

Ewiges Werden: Der Stream-Tower in Berlin

Blick nach Westen auf den Fernsehturm vom Stream-Tower in Berlin. Quelle: Signa

Berlin – eine Stadt im ewigen Werden? Das schrieb 1910 der Kunstkritiker Karl Scheffler. Im Viertel Mediaspree scheint sich das zu bewahrheiten: Dort war gerade Grundsteinlegung für den Stream-Tower. In dem Bürohochhaus soll unter anderem der Modehändler Zalando Unterkunft finden.

Das Viertel Mediaspree zwischen Warschauer Straße und dem alten Postbahnhof ist mittlerweile ein gefragter Bürostandort in Berlin. Heute finden sich dort Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen. Universal Music ist dort ansässig. Und Zalando hat tausende Arbeitsplätze zu einem Campus zusammengeballt.

Hochgefaltete Stadtraumskulptur

2017 hatte das österreichische Immobilien- und Handelsunternehmen Signa eines der letzten Grundstücke in dem Quartier erworben: Hier an der Ecke Tamara-Danz-Straße/ Wanda-Kallenbach-Straße soll nun eine Büroimmobilie mit etwa 50.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche für 2.500 Menschen entstehen. Die Planung hat das Architekturbüro Gewers Pudewill übernommen.

Verschobene Klötzchen sind Trend: So soll der Stream-Tower aussehen. Quelle: Signa
Verschobene Klötzchen sind Trend: So soll der Stream-Tower aussehen. Quelle: Signa

Das Gebäude mit seinen 24 Geschossen wird über den Mercedes-Benz-Platz zugänglich sein. Ab dem siebten Obergeschoss staffelt sich der Baukörper in die Tiefe – eine Reaktion auf die Bebbauung in der Nachbarschaft „Hochfalten zu einer interessanten stadträumlichen Skulptur“, nennen es die Architekten. Bis Ende 2021 soll der Stream genannte Tower in 90 Meter Höhe wachsen.

Der Turm liegt mitten in einer Art Vergnügungsviertel: Am Mercedes-Platz befinden sich die Mercedes-Benz Arena und die Verti Music Hall, beide betreibt die Anschutz Entertainment Group. In Spitzenzeiten flanieren hier mehrere tausend Menschen: In der nach dem Autobauer benannten Multifunktionsarena finden bis zu 17.000 Zuschauer Platz. Die Verti-Music-Hall fasst bis zu 4.500 Zuschauer.

Der East Side Tower steht noch aus

Damit hat die Bautätigkeit in diesem Teil Berlins noch lange kein Ende. An der Warschauer Brücke, unweit des Stream-Towers, soll in Bälde ein ausgewachsener Wolkenkratzer aus dem Boden sprießen. Das East Side Tower genannte Hochhaus wird mit 36 Stockwerken rund 140 Meter in den Himmel ragen. 50.000 Quadratmeter Bürofläche für 5.000 Arbeitsplätze sind vorgesehen.

Bauherr ist die Edge Technologies, ein Tochterunternehmen der OVG Real Estate. Die Bjarne Ingels Group zeichnet für die Planung verantwortlich. Zuletzt sorgt sie mit ihrem Entwurf für das Tirana-Theater-Projekt für Aufsehen.

Kompletter Wandel

So verändert sich das Antlitz Berlins auch in diesem Teil rapide. Ob das Viertel jedoch jemals zu dem lebendigen Standort wird, den sich die Planer heute wünschen? Wir wissen es doch längst: Was heute nicht wird, das kann ja Morgen noch werden. Zumindest im stetig werdenden Berlin.

Das Buch „Berlin – ein Stadtschicksal“ ist auch heute noch lesenswert. Suhrkamp hat es 2015 neu aufgelegt.

Wie „kool“ wird Kiel?

Hotel- und Büroturm im Entwurf von MVRDV. Quelle: MVRDV

Lange Zeit wirkte es so, als habe Kiels Ruf als coole Hafenstadt den Zenit überschritten. Doch die Kieler können auch anders. Das zeigt ihre Begeisterung für das KoolKiel-Projekt der niederländischen Architekten MVRDV.

Die Projektgesellschaft Kap Horn planen die Bebauung eines 4600 Quadratmeter großen Industriegebiets, das sich an der Südspitze der Kieler Förde befindet. Teil des Vorhabens im Stadtteil Gaarden ist auch eine Lösung für das Kreativ- und Medienzentrum W8: Hier wurden in den 1990er-Jahren die legendären Werner-Comics für den „Semmel Verlach“ gedruckt. Heute befinden sich eine ganze Reihe von Unternehmen in den flachen Gebäuden. 

Das bestehende Medienzentrum W8 soll durch ein Wohngebäude überbaut werden. Quelle: MVRDV
Das bestehende Medienzentrum W8 soll durch ein Wohngebäude überbaut werden. Quelle: MVRDV

Sehr dichte Mischnutzung

Die Architekten von MVRDV haben sich nun bei einem Wettbewerb unter fünf Architekturbüros mit ihrem Entwurf durchgesetzt. Der sieht auf einer Brutto-Grundfläche von 65.000 Quadratmeter eine sehr dichte Mischnutzung vor. Neben einem 250 Zimmer-Hotel und  Büros sind Wohnungen, Läden und ein Veranstaltungszentrum vorgesehen. Die Gebäudeblöcke wirken wie auf- und nebeneinandergestapelt.

Das W8-Medienzentrum wird mit Wohnungen im Zickzack-Grundriss überbaut. Daneben entstehen fünf große Neubauten: Drei vier- bis fünfgeschossige Würfel sowie zwei Türme für Büros und ein Hotel. Eine Art Klötzchenbauweise verleiht ihnen ein besonders markantes Gepräge. Das ähnelt dem Projekt in Taipeh, das wir an dieser Stelle kürzlich vorgestellt haben. Der Büroturm erhält 12 Geschosse. Für das Hotel sind 17 Etagen geplant.

Prägendes Element: Die Kieler Fassade mit Piktogrammen aus Faserbeton. Quelle: MVRDV
Prägendes Element: Die Kieler Fassade mit Piktogrammen aus Faserbeton. Quelle: MVRDV

Merkmal Kieler Fassade

Ein wichtiges Gestaltungselement ist die so genannte Kieler Fassade an den Türmen. Vorgehängte Piktogramme aus Faserbeton nehmen Bezug auf die maritime Geschichte der Stadt: Anker, Wellen, Schiffe, das Stadtwappen oder der Schriftzug „Kiel“. 

Die Kieler sind begeistert. Noch allerdings fehlt der Bebauungsplan, bevor die Bauerarbeiter frühestens 2020 loslegen können. Die Stadt bleibt also noch ein Weilchen ohne „KoolKiel“.

Ausstellung: Architektur im Untergrund

U-Bahnhof Schloßstraße, Bahnsteig 1974 © Berlinische Galerie

Zwischen Weltkrieg und Wende ist viele geschehen in Berlin – auch im Untergrund. Die Berlinische Galerie zeigt nun, wie sich anhand der U-Bahnhöfe die wichtigsten Stationen der Stadtgeschichte nachvollziehen lassen. Und wie die horizontalen und vertikalen Ebenen der Metropole miteinander verwoben sind…

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