Ambient Music: Warum ist Ambient die perfekte Fahrstuhlmusik?

Schindler FahrstuhlmusikAmbient Music ist unscheinbar. Genau das macht sie zur perfekten Fahrstuhlmusik. Foto: Schindler

Musik, die so unauffällig ist, dass sie leicht ignoriert werden kann – bei der wir ungestört unseren Gedanken nachgehen können, die konzentriertes Arbeiten ermöglicht und auch bei Gesprächen nicht stört. Das alles und noch viel mehr charakterisiert Ambient Music. Klingt langweilig? Das ist es ganz und gar nicht. Wir tauchen ein in die Sphären dieses spannenden Genres elektronischer Musik.

Definition: Was ist Ambient Music?

Unter den Begriff Ambient Music fallen verschiedene Spielarten elektronischer Musik, geprägt von langen, leisen sowie ausbalancierten Tönen. Neben elektronisch generierten Klängen finden vielfach auch Field Recordings, also Aufnahmen von Umgebungsgeräuschen, ihren Weg in die Stücke der Ambient Music. Diese stammen unter anderem aus der Natur, zum Beispiel Geräusche von Tieren, Wind oder Wellen, aber auch aus anderen Quellen.

Stimme – sei es als melodischer Gesang oder Sprechgesang – ist bei Ambient Music eher eine Seltenheit und wird, wenn überhaupt, sehr behutsam eingesetzt. Ebenso spärlich setzen die Künstler Beats und Rhythmen ein. Viel zu sehr würden diese Elemente Ambient Music in den Vordergrund rücken und ihrer originären Funktion als Hintergrundmusik entgegenstehen. Stattdessen wabert Ambient Music in Wellen durch den Raum – so allumspannend und schwer fassbar, dass für die Beschreibung der Musik gern sprachliche Bilder wie Klangteppich, Klangtapete oder Klanglandschaft herangezogen werden.

Wer hat Ambient erfunden?

Ein musikalisches Genre erfinden – geht das überhaupt? Bei Ambient Music scheint es so zu sein. In allen Publikationen und Abhandlungen zu Ambient Music fällt stets ein Name: Brian Eno. Mit keinem anderen Namen ist Ambient wohl stärker verknüpft. Der britische Musiker und Musikproduzent Eno hat sich zunächst als Musiker der Band Roxy Music bekannt gemacht, die er aber schon nach dem zweiten Album verließ. Von Beginn an experimentierte Brian Eno mit Keyboards und Synthesizer. Ausgehend vom opulenten Glam Rock fand er allmählich zu Minimal Music und dem heute sogenannten Ambient.

Offiziell aus der Taufe gehoben wurde das Musikgenre 1978 mit seinem Album „Ambient 1: Music for Airports“. Im Klappentext des Albums fügte er auch gleich eine Definition des Genres an. Ambient Music sei etwas, das sich ihrer Umgebung einfügt und Teil von ihr wird, sodass die Musik nicht isoliert von der Umgebung betrachtet werden könne. Gleichzeitig wird die Umgebung intensiver wahrgenommen. Sie erscheint angenehmer und spannender.

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Obwohl Brian Eno mit „Ambient 1: Music for Airports“ als Erfinder von Ambient Music in die Musikgeschichte eingegangen ist, gab es auch schon vorher Musikalben, die heute als Ambientplatten gelten. Die wohl allererste Ambientplatte stammt demnach nicht von Brian Eno, sondern von Wendy Carlos. Auf „Sonic Seasonings“, erschienen 1972, mischte sie instrumentale und elektronische Klänge mit Field Recordings und schuf ein musikalisches Abbild der vier Jahreszeiten.

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Welche Wirkung hat Ambient auf die Hörer?

Abgeschliffen, ohne Seele und Charakter ist Ambient Music ganz und gar nicht. Bei gut gemachter Ambient Music werden die zurückgenommenen, minimalistischen Klänge so eingesetzt, dass sie den Hörer in bestimmte Stimmungen versetzt. Das kann eine erholsame oder wohlige Stimmung sein, erzeugt durch warme, ausbalancierte Klänge. Dann ist Ambient Music die perfekte Entspannungsmusik. Musik an, Augen zu und Seele baumeln lassen. So lautet hier die Devise. Wer sich fallen und von den Klangwellen treiben lässt, findet sich wieder auf imaginären Reisen und in ausgeschmückten Traumlandschaften.

Ambient Music kann aber auch ganz anders: Dank frischer, moderner und lebendiger Klänge wirken manche Spielarten von Ambient Music stimulierend. Unbehagen, Schaudern und Frösteln kann Ambient Music ebenso hervorrufen wie Glück und Seligkeit. Auf vielen Pfaden menschlicher Empfindungen sind Ambient-Music-Künstler heute unterwegs – doch immer auf leisen Sohlen. Nur zu extremen Gefühlausbrüche motivieren sie nicht. So erzeugt Ambient Music zwar Stille – doch eine Stille, in die man gern hineinhorcht.

Wirkung von Ambient Music in öffentlichen Räumen

Brian Eno hatte Ambient Music als Hintergrundmusik im Sinn, die positiv auf die Menschen an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden wirkt. An Bahnhöfen und Flughäfen sollten sich die Passanten dank der Musik entspannen und ausruhen können. Ein akustisches Gegengewicht zu Schnelllebigkeit, Hektik und Stress.

Gleichzeitig soll Ambient Music die Eigenheiten der Umgebung betonen – und sie möglicherweise sogar beeinflussen. Ambient Music kann der Umgebung eine leichte Tönung geben; eine kaum wahrnehmbare Schattierung verleihen. Ähnlich wie die Duftpartikel eines Parfüms legen sich die wabernden Klänge von Ambient über den Raum und nehmen Einfluss auf die dort aufhaltenden Personen. Betreiber von öffentlichen Plätzen, Bürogebäuden und Kaufhäusern können sich diese Wirkung von Ambient Music durchaus zunutze machen, um die Aufenthaltsqualität an bestimmten Orten zu erhöhen, beispielsweise in Fahrstühlen, Wartehallen oder Einkaufscentern. Ob Musik ihre Zuhörer zu bestimmten Handlungen motivieren kann, ist jedoch umstritten.

Das sind die wichtigsten Ambient Künstler

Über die Jahrzehnte hinweg haben sich einige namhafte Künstler und Musiker mit Ambient beschäftigt. Wie bei so vielen Genres kann es keine vollständige Liste nicht geben. Ebenso kommt es unter Musik-Nerds bei der ein oder anderen Person immer wieder zu lebhaften Debatten, ob diese nun Ambient macht/machte oder nicht. Elf wichtige Namen seien dennoch hier stellvertretend genannt – quer durch die Geschichte des Genres:

  1. Brian Eno
  2. Jon Hassell
  3. Warren Sampson
  4. Sun Ra and his Solar Arkestra
  5. Lucette Bourdin
  6. Mixmaster Morris
  7. Michael Turtle
  8. Laraaji
  9. Biosphere
  10. Thomas Köner
  11. Max Richter

Ebenfalls eng mit den Anfängen von Ambient Music verknüpft ist der Name Erik Satie. Satie war ein französischer Komponist (gestorben 1925), dessen Arrangements die Neue Musik, Populärmusik sowie Sounddesign bis heute prägt. Aus seiner Feder stammt unter anderem Musique d’ameublement (übersetzt: Möbelmusik), mehrere Stücke aus dem frühen 20. Jahrhundert, die vor allem minimalistische elektronische Musik beeinflusste.

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Ambient – verwandte Stile und Abgrenzung

Es gibt sehr viele Arten elektronischer Musik sowie verschiedene kreative und gestalterische Arbeitsweisen mit Klängen und Geräuschen, die Ambient sehr nahekommen. Die Fülle an Genres und Subgenres auseinanderzuhalten und eindeutig voneinander abzugrenzen fallen selbst den größten Musikliebhabern schwer. Deshalb werden die Genre- und Subgenre-Bezeichnungen häufig synonym oder mit schwammiger Bedeutung verwendet.

Nah an Ambient Music, aber nicht mit ihr zu verwechseln, sind beispielsweise Sound Art und Sound Design sowie Environmental, Deep Listening, Electronica, Chill Out, Lounge Music, New Age, Brainwave Music und Space Music. Darüber hinaus existieren verschiedene Subgenres wie Ambient Club, Ambient Dub, Dark Ambient, Post-Industrial Ambient und Ambient Jungle.

Warum ist Ambient die perfekte Fahrstuhlmusik?

Ambient Music gehört zu denjenigen Musikgenres, die wir häufig in Fahrstühlen hören. Wirklich überraschend ist es nicht. Schließlich ist sie in vielen Fällen für den Zweck komponiert worden, um öffentlich zugängliche Räume für Personen, die sich in ihnen aufhalten, angenehm zu gestalten. Ihre zurückhaltenden, sanften Klänge fügen sich gut ein in die Atmosphäre in einem Fahrstuhl.

Als Fahrstuhlmusik behindert Ambient Music keine Gespräche unter Kollegen oder Telefonate. Auf dem Weg zum nächsten Meeting lenkt sie nicht ab und ist man allein unterwegs, kann man sich mit Lauschen der Musik die Zeit vertreiben. Kurzum: Ambient Music ist unscheinbar genug, dass sie nicht stört, gleichzeitig kein nerviges Hintergrundgedudel, sondern spannende und entspannende Musik.

Ambient Music und Muzak: Was ist Fahrstuhlmusik?

Häufig ist das, was wir typischerweise als Hintergrundmusik oder Fahrstuhlmusik bezeichnen, kein Ambient Music, sondern Muzak. Muzak war ursprünglich ein Markenname, unter dem die US-amerikanischen Firma Muzak Holding Gebrauchsmusik in der Mitte des 20 Jahrhunderts auf den Markt brachte.

Die Musik wurde und wird beispielsweise zur Beschallung von Ladengeschäften designt. Oft handelt es sich um Instrumentalmusik mit Elementen aus dem Smooth Jazz oder Lounge Music – und gilt als eher anspruchslose und gefällige Musik. Viele Eigenschaften von Muzak trifft ebenfalls auf Ambient Music zu, doch sind ihre Intention, Wirkung und Charakter von dem Genre zu unterscheiden.

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