Architekturfotografie: Die Grenzen zwischen Stadt und Land

Wachstum und Chaos: Stadtrand in Mumbai. Quelle: Hoffmann/architekturbild 2021

Alle zwei Jahre schreibt der Architekturbild-Verein einen Europäischen Architekturfotografie-Preis aus. Nun stehen die Sieger fest. Ihre Bilder werden im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main gezeigt.

„Das Urbane im Peripheren“ war das Motto des diesjährigen Awards. Thema sind Stadt und Land, die Wanderbewegungen zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gegenden. Warum entscheiden sich die Menschen freiwillig oder gezwungenermaßen für eines dieser Lebensumfelder oder pendeln zwischen beiden Welten? Die prämierten Fotos zeigen: Die Abgrenzung zwischen Stadt und Land wird schwieriger. 

Lichtverschmutzung: Abschied von der Nacht 

Dem Himmel so nah: Lichtverschmutzung in den Bildern von Oliver Heinl. Quelle: Oliver Heinl/architekturbild 2021

Gewinner des Architekturfotografie-Preises ist der Fotograf Oliver Heinl aus dem bayerischen Rednitzhembach. Seine Bildserie thematisiert die Lichtverschmutzung. Die Fotografien wirken malerisch in ihrer scheinbaren Harmlosigkeit. Eine ländliche Idylle vor warm erleuchtetem Himmel in der Ferne. Erst beim erneuten Hinsehen erkennt der Betrachter, was zu sehen ist: Solitär stehende Gebäude im Kontrast zur nächtlichen, unruhigen, leuchtenden Stadt. 

Zwei weitere gleichwertige Preise gingen an den Fotografen Torsten Andreas Hoffmann aus Goslar für die Serie „Peripherie für die Armen“ und den Fotografen und Architekten Wolfram Janzer aus Stuttgart für die Serie „Kulturmeteorit“.

Mumbai: Wildwuchernde Elendsviertel

Wild wuchern provisorische Bauten am Rand der urbanen Infrastruktur. Quelle: Hoffmann/architekturbild 2021

Hoffmanns Serie zeigt Ausschnitte von Elendsvierteln indischer Millionenstädte, willkürlich entstandene Siedlungsstrukturen an städtischen Peripherien. Wildwuchernde provisorische Behausungen und Infrastrukturen entlang von Schnellstraßen und Bahntrassen. Beim näheren Hinschauen wird deutlich: Die Serie dokumentiert nicht nur Armutsquartiere, sondern auch Facetten des Urbanen mit Funktionsmischung, Dichte, Tempo, expansiver Bewegtheit . So lösen diese Strukturen die Grenzen zum Umland auf.

Blaibach: Eine Ortsbegehung

Janzers Kulturmeteorit zeigt das spektakuläre Konzerthaus von Peter Haimerl, das 2014 mitten im alten Dorfkern von Blaibach entstanden ist. Die Schwarzweißfotos suchen die unpathetische, integrierende Annäherung an den schräg stehenden Kubus, der mit rauer Granitoberfläche aus der historisch gewachsenen Umgebung herauswächst. „Die Serie lädt zu einer Ortsbegehung auf Augenhöhe ein, ist narrativ, aber die Architektur darf für sich selbst sprechen“, sagt Jurymitglied Katja Leiskau, die Leiterin des Archivs im DAM.

Wie ein vom Himmel gefallener Meteorit: Das Konzerthaus in Blaibach. Quelle: Janzer/architekturbild 2021

Der Europäische Architekturfotografie-Preis architekturbild wird seit 1995 alle zwei Jahre ausgeschrieben und ist mit 6000 Euro dotiert. 2003 übernahm der architekturbild e.v. die Betreuung, seit 2008 unterstützt ihn das Deutsche Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main, 2016 kam die Bundesstiftung Baukultur als dritter Kooperationspartner hinzu. Die Auslobung zielt auf die gebaute Umwelt und die fotografisch-künstlerische Auseinandersetzung mit ihr und steht jeweils unter einem vorgegebenen Motto.

Noch eine Woche ist die Ausstellung im DAM zu sehen. Quelle: MoritzBernoully / DAM

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. September im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main, zu sehen. 

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