Wie verändert Corona den Hochhaus-Bau?

Eines der höchsten Gebäude, die 2020 fertiggestellt wurden: Das One Vanderbilt in New York. Quelle: Schindler

Die Corona-Pandemie verändert Wirtschaft und Gesellschaft weltweit. Aber wie wirken sich das Virus und die sozialen Einschränkungen auf den Bau von Hochhäusern aus? Auf diese Frage gibt es nun eine Antwort.

2020 wurden ein Fünftel weniger Gebäude mit einer Höhe von 200 Metern oder mehr gebaut. Die Autoren des Beitrags „Rückblick: Tall Trends 2020“ im CTBUH-Magazin erklären diesen Rückgang zum Teil mit Arbeitsniederlegungen und anderen Auswirkungen der Pandemie. Denn mit der globalen Pandemie standen Anfang 2020 zahlreiche Projekte auf der ganzen Welt in verschiedenen Stadien still. Ein Grund dafür waren Beschränkungen für Bau und Montage. Mit 106 Gebäuden über 200 Metern – im Jahr zuvor waren es 133 – erreichten die Fertigstellungszahlen das verhältnismäßig niedrige Niveau von 2014, als 105 solcher Gebäude gebaut wurden.

Nicht nur Corona beschränkt den Hochhausbau

Noch eine Besonderheit 2020: Erstmals seit sechs Jahren wurde kein Gebäude über 500 Metern Höhe beendet. Auch wurden 2020 zum zweiten Mal in Folge weniger Bauten als im Vorjahr fertiggestellt. Das lag 2019 vor allem an Chinas Sparbemühungen. Gleichzeitig wurde immer häufiger diskutiert, ob sehr hohe Gebäude überhaupt nachhaltig und sinnvoll sind. Mit den Auswirkungen von COVID-19 hat das nicht unbedingt etwas zu tun. 

Skyscrapers sind Spätindikatoren

Denn die Auswirkungen der Pandemie auf die Bauzeitpläne von Hochhäusern hängen von den regionalen Vorschriften ab. Aber auch das Vermögen des Bauunternehmers, ausreichend Arbeiter vor Ort zu halten, spielt eine Rolle. In Malaysia, Indien und Brasilien wurde die Fertigstellung von Projekten um ein Jahr auf 2021 verschoben. Anders in New York und San Francisco: Hier gab es kaum Verzögerungen. 

Die zehn höchsten Gebäude, die 2020 fertig gestellt wurden. Quelle: CTBUH

Weil Hochhäuser sogenannte nachlaufende Wirtschaftsindikatoren sind, spiegeln sie vor allem die in der Vergangenheit liegende Wirtschaftsentwicklung wider. Deshalb bleibt abzuwarten, wie sich die aktuellen Bedingungen auf neue Projekte auswirken. Die Wirtschaftskrise 2008 beispielsweise führte erst zwei bis drei Jahre später dazu, dass weniger in die Höhe gebaut wurde.

Nirgends so viele neue Wolkenkratzer wie in Dubai

Mit 56 abgeschlossenen Bauprojekte von 200 Metern und mehr steht mehr als die Hälfte der sehr hohen Gebäude in China. Zweitwichtigstes Land für solche Vorhaben waren 2020 die Vereinigten Arabischen Emirate, die zwölf Gebäude mit einer Höhe über 200 Metern fertigstellten. Dann folgten die USA mit zehn und Großbritannien mit fünf Gebäuden.

Die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern 2020 war Dubai mit zwölf Fertigstellungen. Die höchsten Gebäude sind mit 472 Metern der Central Park Tower in New York City – hier befindet sich auch das One Vanderbilt mit 427 Metern.

Skyscraper als Symbol der Widerstandsfähigkeit

Die Corona-Pandemie wird Investitionen und Bauarbeiten noch einige Zeit beeinflussen, sind sich die Autoren der Studie sicher. Auf Basis aktueller Zählungen prognostiziert das CTBUH für 2021 die Fertigstellung von 125 bis 150 Gebäuden mit einer Höhe von 200 Metern oder mehr. Zwischen 14 und 30 werden wahrscheinlich „Super Talls“ sein.

Insgesamt sind die Autoren optimistisch: Sie betrachten Hochhäuser als ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit von Metropolen und der Bauindustrie. Als Beispiel nehmen sie die beiden Städte, die besonders stark von der Krise betroffen wurden: Wuhan in China und New York in den USA. Hier befinden sich auch die beiden höchsten Gebäude, die 2021 stehen sollen: das Riverview Plaza A1 mit 436 Metern in Wuhan und der 435 Meter hohe Turm in der 111 West 57th Street in New York City.

Der gesamte Beitrag ist mit vielen interaktiven Grafiken auf englisch hier erhältlich: https://www.skyscrapercenter.com/year-in-review/2020

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