Das Biblio-Theater in Shanghai: Ein Walfisch voller Dramen

Außenansicht des Bibliotheaters in ShanghaisWie ein großer Walfisch ragt das Bibliotheater in Shanghais Himmel. Credit: v2com/Jonathan Leijonhufvud

Schule einmal anders: Shanghais rasanter Aufstieg der letzten Jahrzehnte wird begleitet vom Aufbau einer sozialen Infrastruktur. Mit dem Biblio-Theater hat Open Architecture einen besonderen Bau geschaffen. Wie ein biblischer Walfisch vereint das Gebäude Theater, Bibliothek und Lesesäle in seinem Bauch. 

Das Projekt ist Teil des Neubaus der Qingpu Pinghe International School in Schanghai (SPS). Die Schule ist im vergangenen Jahr eröffnet worden und liegt in der Jin Qiao Green International Community. Im Bezirk Pudong ist sie umgeben von Straßen, einer Stadtautobahn und einem Kanal. Lesern des Senkrechtstarter-Blogs ist der Bezirk bekannt, weil hier die spektakulärsten Hochhäuser Shanghais‘ Skyline stehen. Doch der Bezirk ist so groß wie eine Stadt: Knapp 45 Autominuten sind es von hier ins Zentrum von Shanghai. 

Ein Unternehmen für Bildung

Rund 2.000 Schüler im Alter von 3 bis 18 Jahren besuchen die Schule. Allein der Kindergarten besteht aus 24 Klassen. In der Grundschule wird in 30 Klassen unterrichtet, in der Junior High School in 24 Klassen. Hinter der 1996 gegründeten Einrichtung steckt der Bildungskonzern Shanghai Jinqiao Group, der Schulen wie ein Unternehmen führt. 

Im unteren Bereich des Bibliotheaters befindet sich ein großzügiger Saal. Credit: v2com/CHEN Hao

Das ist in China nicht unüblich. Denn der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahrzehnte erfordert immer mehr Bildung. In Shanghai hat sich die Einwohnerzahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf 24 Millionen Menschen vervierfacht. Deshalb mussten immer neue und immer größere Schulen für die Primar- und Sekundarstufe gebaut werden, oft in rekordverdächtiger Geschwindigkeit. Meist werden diese gigantischen Strukturen wie Büroparks gebaut. Sie nehmen wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der heranwachsenden Kinder, heißt es bei den Planern der SPS, bei Open Architects.

Eine dorfähnliche Struktur 

Daher haben die Architekten versucht, für die Schule eine dorfähnliche Struktur mit vielen kleinere, eigenständigen Gebäuden zu schaffen. Quer über den Campus verstreut sind Bauten mit jeweils unterschiedlichen Funktionen entstanden: Lernhäuser (sogenannte Learning Cubes), ein Kunsthaus, Kindergärten, Schlafräume für den Internatsbetrieb sowie ein Verwaltungsbau. Und natürlich das Bibliotheater.

Ein zentraler Ort des Wissens: Die Bibliothek an der SPS in Shanghai. Credit: v2com/Jonathan Leijonhufvud

Allein dessen schräges Dach mit schiffsartigen Rundfenstern und die auffällige blaue Farbe hinterlassen optisch einen starken Eindruck. Im unteren Bereich des Gebäudes liegen Theaterräume, den oberen Teil nimmt die Bibliothek ein. Über dem Theater befinden sich terrassenartig gestaffelte Lesesäle. Den Höhepunkt bildet ein zentraler, lichtdurchfluteter Lesebereich.

Das Biblio-Theater in Shanghai wird zur öffentliche Ressourcen

Die dorfähnliche Struktur mit kleineren Gebäuden bietet nicht nur gestalterische Vorteile. Weil die kleineren Module schneller zu errichten sind, sind sie auch flexibler, wenn es um künftige Erweiterungen geht. Außerdem soll die Schule ein Ort für soziale Interaktion sein. Öffentliche Einrichtungen werden deshalb außerhalb der Schulzeit für Jedermann zugänglich sein.

In den oberen Etagen des Bibliotheaters befinden sich terrassenförmig abgestufte Lesesäle. Credit: v2com/WU Qingshan

Hinter dem Entwurf stehen die Planer der chinesischen Niederlassung von Open. Das Architekturbüro wurde ursprünglich in New York gegründet. Die Gründer von LI Hu und HUANG Wenjing bauen seit vielen Jahren in China, Museen, ganze Stadtteile und auch Schulen.

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