DAM-Preis 2021 an MVRDV und N-V-O Nuyken von Oefele

Werk 12 unweit des Münchner Ostbahnhofs. Credit: Ossip van Duivenbode

Gewinner des prestigeträchtigen DAM-Preises 2021 sind die Büros MVRDV und N-V-O Nuyken von Oefele Architekten. Sie haben in München das Werk 12 realisiert. Damit zeichnete die Jury des Deutschen Architektur-Museums in Frankfurt am Main ein hochkarätiges Projekt aus. Es steht vor allem für eines: Experimentierfreude.

Schon im November 2020 hatte die Jury unter einhundert Vorschlägen 22 Kandidaten auf eine Shortlist gesetzt. Unter ihnen wählte sie fünf Finalisten aus. Am 31. Januar entschied sich die Jury unter dem Vorsitz von Alexander Schwarz von David Chipperfield Architects – dem Preisträger aus dem vergangenen Jahrfür Werk 12. „Es ist so angenehm, wenn ein Konzept einen Ort erwischt, wie er ist und ihn gleichzeitig verwandelt. Und angenehm ist es zu sehen, wie ein Haus zu sich findet, wenn es so nahe bei seinem Konzept bleibt“, so Schwarz.

Werk 12 in München: Am richtigen Ort lautstark

MVRDV (Rotterdam) und N-V-O Nuyken Von Oefele (München) haben das Gebäude errichtet. Es steht auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände unweit des Münchner Ostbahnhofs. Hier entwickelt sich seit einigen Jahren ein experimentierfreudiges Stadtviertel. So zeigt auch Werk 12 einen ungewöhnlichen Auftritt, den riesige Buchstaben mit Comics entlehnten Lautmalereien an der Fassade unterstützen. Zugleich ist Werk 12 als Hybrid mit Mischnutzungen aller Art konzipiert: Büros, Fitness und Gastronomie beispielsweise. „Das Haus ist ein modern ornamentierter Bau der Möglichkeiten, der am richtigen Ort lautstark ist. Es geht ja um ein Industrieareal“, schreibt Architekturkritiker Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung.

Drei Berliner Architekturbüros auf der Shortlist

Außerdem standen drei weitere Projekte auf der Shortlist für den DAM-Award 2021. Kurioserweise kamen ihre Entwürfe alle von Berliner Architekturbüros: FAR Frohn&Rojas, Kühn Malvezzi und O&O Baukunst.

Wohnregal in Berlin. Credit: David von Becker

Das „Wohnregal“ von FAR Frohn&Rojas liegt an der Kreuzung zweier Wohnstraßen im Berliner Stadtteil Moabit. Das Gebäude ordnet sich gekonnt in die gewachsene Struktur aus Zeilen- und Blockrandbebauung ein. Auffällig ist jedoch die Schmalseite des Hauses zur Waldenserstraße hin. Sie besteht aus einem offenen Treppenhaus, das links und rechts von Loggien gerahmt ist. Es entsteht eine kleine Stadtbühne; lediglich ein feines Stahlnetz schützt die Hinauf- und Hinabsteigenden. In den sechs Etagen sind so Wohnungen zwischen 37 und 110 Quadratmetern entstanden. 

Verwaltungsgebäude mit integriertem Gewächshaus in Oberhausen. Credit: heiler, brunier

Das Verwaltungsgebäude mit integriertem Dachgewächshaus von Kühn Malvezzi liegt an einem prominenten Grundstück an der westlichen Ecke von Marktstraße und Altmarkt in Oberhausen. Die Fassade wird aus im Stapelverbund gesetzten, dunklen Klinkern gebildet, die portalartig raumhohe Fenster rahmen. Die Materialität und Umsetzung hat unverkennbar Ahnen in der Industriearchitektur. Das gilt auch für die Gestaltung im Inneren. Nutzer des Gebäudes ist das Jobcenter Oberhausen. Das Dachgewächshaus bildet eine fließende, 1.000 Quadratmeter umfassende Raumfolge. Ein Ziel ist die praktische Erprobung der technischen Integration der Anlage in die übrige Haustechnik des Gebäudes. 

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Credit: Schnepp Renou

Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch fasst die zuvor über Berlin verstreuten Dependancen zusammen: Die Architekten von O&O Baukunst haben dafür die ehemaligen Opern-Werkstätten aus den Fünfzigerjahren um einen Bühnenturm und eine Cafeteria erweitert. Im Bühnenturm befinden sich akustisch abgekoppelte Probensäle. Werkstätten, eine Bibliothek und kleinere Probenräume verteilen sich über die Etagen des Altbaus. Bis zur Höhe von 2,30 Meter wurde saniert, alles darüber roh belassen.

Der DAM-Preis: Ein Award für herausragende Gebäude

Mit dem DAM-Preis des Deutschen Architekturmuseums werden seit 2007 jedes Jahr herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. Für den DAM-Preis nominiert das Museum 100 bemerkenswerte Gebäude oder Ensembles. Seit fünf Jahren berücksichtigt das Museum dabei auch Vorschläge der Architektenkammern. Bauwerke, die für den DAM-Preis 2021 nominiert worden,  mussten zwischen Ende 2018 und Frühjahr 2020 fertiggestellt sein.

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