Coworking Spaces für Paris aufstrebendes Viertel

Transparente Fassade: Projekt Shift von Arte Charpentier Architects. Foto: Boegly GrazTransparente Fassade: Projekt Shift von Arte Charpentier Architects. Foto: Boegly Graz

Was vor 20 Jahren noch den Bedürfnissen des Marktes genügte, ist heute oft schon ein alter Hut. Das gilt besonders für den stark veränderlichen Markt für Büroimmobilien. In Paris haben Arte Charpentier Architects nun die Gelegenheit genutzt, eines ihrer älteren Projekte mit Coworking Spaces fit für den modernen Arbeitsmarkt zu machen.

Wie sehr die Menschen bei ihrer Arbeit auf die Anwesenheit anderer angewiesen sind, lernen wir alle dieser Tage noch einmal neu. Denn, wer hat sich in den vergangenen Homeoffice-Monaten nicht schon einmal ein kleines Schwätzchen in der Kaffeeküche gewünscht? Eben. Genau so geht es aber allen Projektarbeitern, Freelancern und Unternehmensgründern schon seit langer Zeit. Als Einzelkämpfer fehlt Ihnen oft der Austausch mit anderen.

Bereits in den frühen Zweitausendern kamen daher findige Immobilienentwickler auf die Idee, Büroräume nicht mehr länger und am Stück, sondern einzeln und temporär an diese Klientel zu vermieten. Coworking Spaces (mietbare Einzelarbeitsplätze mit Büroinfrastruktur in Großraumbüro ähnlichen Situationen) erwiesen sich als sinnvolle Ergänzung zum Portfolio. Schließlich nahm die Zahl der Projektarbeiter beständig zu. Und die digitale Arbeitswelt ermöglichte und verlangte gleichermaßen flexible Arbeitseinsätze. Oft nur auf Zeit und in Städten fern der Unternehmenszentrale.

Wo einst Arbeiter wohnten, hat sich heute eine junge, solvente Klientel angesiedelt. Foto: Boegly Graz

Als Unibail allerdings Anfang der 1990er-Jahre die Gestaltung eines Pariser Bürogebäudes bei Arte Charpentier Architects in Auftrag gab, war die Situation noch eine andere. Sowohl beim Bedarf an Büroarbeitsplätzen, als auch im Quartier Issy-les-Moulineaux insgesamt, in dem das Gebäude entstehen sollte. Renault unterhielt in der Nachbarschaft einen wichtigen Produktionsstandort. Und die Bewohnerschaft des Quartiers setzte sich vornehmlich aus Arbeitern zusammen.

Coworking Spaces für eine neue Generation von Arbeitern

Seitdem ist viel passiert. Die Fabrik ist geschlossen. Und in die Nachbarschaft sind neue, junge Menschen gezogen, mit ebenfalls neuen, moderneren Jobprofilen. Der Bedarf an Möglichkeiten zur Kollaboration mit anderen stieg. Sowie auch der Bedarf an flexiblen Büroräumen, die sich schnell und einfach an die Entwicklungen am Markt anpassen lassen.

Sowohl modern als auch chic: Blick in das Innere des umgebauten Bürogebäudes. Foto: Boegly Graz

Das alles hat Arte Charpentier nun bei seiner Überarbeitung des Ursprungsgebäudes berücksichtigt. Durch die Aufstockung um zwei weitere Etagen erhöhten die Planer die vermietbare Fläche von 30.000 auf 46.000 Quadratmeter. Erstens sind dabei offene Besprechungs- und begegnungsräume entstanden. Zweitens Coworking und Collaboration Spaces. Also Arbeitsplätze für das individuelle Arbeiten im Büro. Und Räume, um mit anderen gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Dieses offene Konzept unterstreichen die Planer, indem sie die alte Beton- durch eine Glasfassade ersetzten. Auch sind die Übergänge zwischen den Etagen teils fließend, Lichthöfe und Balustraden erzeugen eine Atmosphäre der Transparenz und des Austausches. Das Büro konkurriere heute mit der Arbeit im Café, von Zuhause oder einem beliebigen, öffentlichen Ort mit W-LAN-Anschluss, so die Architekten. Gerade deshalb sei es wichtig, dass eine attraktive Architektur den Aufenthaltswert von Gebäuden erhöhe. Bleibt nur die Frage, wann wir alle wieder in den Genuss kommen, uns von Angesicht zu Angesicht mit anderen zum Arbeiten zu treffen.

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