Vantone Center: Neuen Stadtraum definieren

Auf gute Nachbarschaft: Vantone Center in Hangzhou. Foto: Qingshan Wu via V2comAuf gute Nachbarschaft: Vantone Center in Hangzhou. Foto: Qingshan Wu via V2com

Wie fügt sich ein Neubaukomplex in einen Stadtraum, der gerade erst noch geschaffen wird? Vor dieser Frage standen die Clou-Architekten am Wissenschaftsstandort Yuhang Future Science and Technology City im chinesischen Hangzhou. Ihre Lösung: eine Insel der Identität in einem Meer von gleichförmigen Bauten.

Die rasante Expansion von Chinas Städten ist ja beinahe schon sprichwörtlich. Manchmal entsteht dabei ein Hochhauswald, manchmal gleich eine ganze Stadt en miniature. Von diesem explosiven Wachstum sind vor allem die Provinzhauptstädte betroffen, die sich zu regionalen und internationalen Motoren der Wirtschaft entwickeln. So auch die Metropolenregion Hangzhou, unter anderem der Sitz von Alibaba. Im Westen noch ziemlich unbekannt, zählt die Onlinehandels-Plattform international zu den finanzstärksten Konzernen der Welt. Und ist der unmittelbare Nachbar des neuen Vantone Centers. Doch der Reihe nach.

Vision der Clou-Architekten: Ort der Identität in einem Meer von gleichförmigen Bauten. Foto: Qingshan Wu via V2com

Als die Architekten von Clou den Baugrund vor fünf Jahren das erste Mal in Augenschein nahmen, befand er sich noch an der Nahtstelle zwischen den Ausläufern der Stadt Hangzou und den angrenzenden Dörfern und Äckern. Da hier jedoch die Yuhang Future Science and Technology City entstehen sollte war den Architekten schnell klar, dass sie den Bezug zu einem Stadtraum mitdenken mussten, der noch gar nicht vorhanden war. Eine ganz besondere Aufgabe, die schnell nach hinten losgehen kann. Denn oft entstehen dann Solitäre, zu deren Füßen sich undefinierter Stadtraum ausbreitet. Wie soll man auch eine Verbindung zu Orten schaffen, deren Gestalt man noch nicht kennt?

Sichtbar im Stadtraum, aber nicht dominant

Clou Architekten griffen genau diese Gedanken auf und schufen einen Komplex aus drei je 100 Meter hohen Türmen, die sich einen gemeinsamen Sockel teilen. So schaffen sie sich quasi gegenseitig einen Bezugsraum, der mit einem innenliegenden, frei zugänglichen Hof sowie mit einer über drei Stockwerke ansteigenden Terrassenlandschaft aufgelockert wird. Trapezförmig angelegt, wendet sich die Fassade des Bürohochhauses einer belebten Kreuzung zu. Dagegen flankieren die beiden Wohngebäude rückwärtig die Öffnung zum ruhigeren, begrünten Straßenland.

Abwechslungsreiche Fassade: Vorsprünge und Balkons lockern die strenge Geometrie dezent auf. Foto: Qingshan Wu via V2com

Durch die ungewöhnliche Anordnung der Baukörper in Kombination mit der dezent rhythmisierten Fassade entsteht ein identitätsstiftender Ort in einer gleichförmigen Nachbarschaft. Dennoch gelingt es den Architekten geschickt, den Eindruck eines dominanten Solitärs zu vermeiden. Ein geglücktes Beispiel dafür, wie auch am Reißbrett eine lebendige Nachbarschaft entstehen kann.

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