Monat: April 2020

Lost Places: Allein sein mit der Architektur

Fahrstuhl-Prank, Fiktives, Reales und Banales – im Netz werden Aufzug und Fahrtreppe zum Star, und wir zeigen in unserer Reihe #liftclip die besten Szenen. In dieser Woche begleiten wir eine kleine, eingeschworene Gemeinde zu den größten Lost Places der Welt. Sie wissen nicht, was das ist? Wir erklären es Ihnen!

Es ist nicht immer ganz legal. Oder ungefährlich. Aber seit Jahren erfreuen sich Expeditionen zu sogenannten Lost Places wachsender Beliebtheit. Und in den sozialen Medien dokumentieren die „Lost Places Hunter“ ihre Abenteuer. Wie meinen? Ach ja, diesen Jargon müssen wir erklären. Verlorene Orte sind nichts anderes als Abrisshäuser und Geisterstädte. Dazu gehören auch verlassene Kliniken, Fabriken oder Vergnügungsparks.

Nicht immer sind die Eigentümer damit einverstanden, dass sich Fremde auf ihrem Privatbesitz herumtreiben. Und natürlich bergen baufällige Architekturen auch ein ziemliches Unfallrisiko. Deshalb sei an dieser Stelle gewarnt: Wer selbst auf Entdeckungstour gehen möchte, sollte sich unbedingt offiziellen Führungen anschließen. Die werden zum Beispiel für die Geisterstadt Kolmannskuppe in Namibia angeboten. Und in Berlin gehörte der Spreepark lange Zeit zu einem der erstaunlichsten verlorenen Orte in Deutschland, den man ab und an erkunden durfte. Doch nun soll er wieder zum Leben erweckt werden.

Videotour zu den größten Lost Places der Welt

Derzeit können wir ohnehin nur davon träumen, auf Reisen zu gehen. Oder Abenteuer in exotischen Ländern zu bestehen. Deshalb bieten wir heute eine Alternative. Eine filmische Reise zu den größten verlassenen Städten und Architekturen der Welt. Und da wir ohnehin nicht vor Ort sein können stört es auch sicher niemanden, dass dort alle Fahrstühle und Rolltreppen außer Betrieb sind. Sollen doch andere über brüchige Stiegen steigen – wir machen es uns weiterhin zu Hause gemütlich!

Neues Munch Museum für Oslo

Edvard Munch Museum Oslo. Illustration: Estudio Herreros

Der letzte Schrei – als solchen könnte man die gekrümmte Fassade des Gebäudes auch bezeichnen. Tatsächlich hört der Neubau aber auf den Namen Lambda. Das spanische Estudio Herreros hat ein neues Edvard Munch Museum für Oslo geplant. Und Schindler sorgt für den vertikalen Transport im Gebäude. Noch in diesem Jahr soll es seine Pforten öffnen.

Elf Ausstellungsflächen auf sieben Ebenen sollen künftig den rund 28 000 Kunstwerken des Norwegischen Meistermalers Edvard Munch eine neue Heimat bieten. Der gesamte Komplex verfügt sogar über zwölf Etagen, drei davon befinden sich im Sockelgeschoss. 58 Meter ragt es über den Oslofjord. In der Nachbarschaft befindet sich die vielgerühmte Oper des ansässigen Büros Snøhetta, vor dem sich Lambda städtebaulich verneigt. Oder gilt die Geste doch eher dem Malergenie Munch? Der hatte sein gesamtes Werk aus rund 28.000 Skizzen, Zeichnungen und Ölgemälden der Stadt Oslo vermacht. Unter der Auflage, dass diese sie angemessen ausstellt.

Ausstellungsräume im Edvard Munch Museum Oslo. Illustration: Estudio Herreros

Das war der Stadt bislang nur bedingt gelungen. 2004 verschwand sogar Munchs berühmtestes Werk „Der Schrei“ aus dem alten Museum. Glücklicherweise tauchte es zwei Jahre später, wenn auch arg ramponiert, wieder auf. Auch dieses Bild wird seine neue Heimat selbstverständlich im neuen Museum finden. Und so weitere Besucherscharen in das Kulturviertel Bjørvika ziehen, mit dem sich Oslo seit Anfang der 2000er-Jahre ein neues Image als Kulturhauptstadt Europas geben will.

Neues Munch Museum in Oslos Kulturviertel am Hafen

Rolltreppengallerie im Edvard Munch Museum Oslo. Illustration: Estudio Herreros

Federführender Architekt des spanischen Estudio Herreros bei diesem Projekt war übrigens ein Deutscher. Jens Richter entschied sich für eine vertikale Staffelung des Ausstellungsgebäudes, um so den öffentlichen Raum ringsum zu bewahren. Das steigert die Aufenthaltsqualität im Kulturviertel und schafft gleichzeitig einen neuen städtebaulichen Leuchtturm in der Osloer Skyline. Um die Besucher bequem durch die Ausstellungsräume führen zu können, brauchte es jedoch auch eines besonderen Konzepts für den vertikalen Transport. Und hier kommt Schindler ins Spiel. Eine Galerie von 16 Rolltreppen stapelt sich hinter der Glasfassade bis in die Gebäudespitze, in der eine Panoramabar beheimatet ist. Weitere acht Schindler Aufzüge sorgen für eine barrierefreie Erschließung des Gebäudes. Bleibt nur zu hoffen, dass bis zur geplanten Eröffnung im Herbst auch wieder Touristen aus dem Ausland in die norwegische Hauptstadt reisen dürfen.

Hier geht es zur Referenzwebsite des Projekts bei Schindler Worldwide.

Hier gibt es einen animierten Rundgang durch das neue Edvard Munch Museum.

Trondheim: Wenn der Bahnhof das Ziel ist

Bahnhof Trondheim. Illustration: Arkitema Architects

Für Reisen gilt ja bekanntlich: Der Weg ist das Ziel. Das soll sich nun ändern. Zumindest in der mittelnorwegischen Großstadt Trondheim. Denn der neue Bahnhof soll kein reines Funktionsgebäude werden wie so oft. Sondern ein Treffpunkt für alle Bürger. Und eine Verbindung zum Hafen soll er auch noch schaffen.

Die Trondheimer haben sich einiges vorgenommen. Bislang schoben sich die Gleisanlagen wie ein Keil zwischen Altstadt und Hafen. Zwei wichtige Attraktionen der Stadt sind daher von einander entkoppelt. Besucher der einen müssen lange Umwege in Kauf nehmen, um zur anderen zu gelangen. Angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens hielten die Verantwortlichen der Stadt das für nicht mehr hinnehmbar und lobten einen Masterplan aus, der beide Viertel näher zusammenbringt. Mit dem Neubau des Hauptbahnhofs hat das ansässige Büro Arkitema Architects nun die Realisation eines wichtigen Teilprojekts gewonnen.

Wichtiger Beitrag für Trondheim

Obwohl die Stadt Trondheim nicht sonderlich zentral in Europa gelegen ist, verfügt sie doch über eine sehr lebendige Architekturszene, die sich vor allem dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat. So hat zum Beispiel Voll Arkitekter Norwegens höchstes Wohn- und Geschäftsgebäude aus Holz realisiert. Und auch der Bahnhof, den Arkitema Architects nun geplant haben, soll ein Leuchtturm in puncto Nachhaltigkeit werden. Wie genau das Energiekonzept aussieht, ist allerdings noch nicht bekannt. Klar ist hingegen, dass wiederum der nachwachsende Rohstoff Holz eine zentrale Rolle spielen wird.

Masterplan für Trondheim: Die Brücke über den Kanal (unten) ist bereits fertiggestellt. Direkt oberhalb davon entsteht der Bahnhof. Die Verbindung zum Hafen ganz im Norden soll dann eine Art Fußgängerpark schaffen, der in eine Hafenpromenade mündet. Via: Arkitema Architects

Städtebaulich soll sich der „The Curve“ genannte Bahnhof als weitere Attraktion zwischen Hafen und Altstadt fügen. Dazu ist bereits eine Fußgängerbrücke über die Gleisanlagen gebaut worden, sodass Passanten ungehindert von der Altstadt zum Hafen gelangen. Im Zentrum dieses Brückenschlags entsteht nun der neue Zentralbahnhof, der Zugang zum Fernverkehr, aber auch Aufenthaltsangebot für die Bürger sein will. Dazu wird es neben einer großzügigen, doppelgeschossigen Ankunftshalle auch Büroräume sowie Flächen für Dienstleistungen, Cafés und Geschäfte geben. Letztere orientieren sich zum öffentlichen Raum, der so gerade im Sommer zur Erweiterung des Bahnhofsgebäudes wird. Der Baubeginn soll noch in diesem Jahr erfolgen. Ein Termin für die Fertigstellung ist bislang noch nicht bekannt.

Viel Holz, Grün und natürliche Materialien: Das Design der Ankunftshalle gibt bereits einen Einblick, wie das Thema Nachhaltigkeit bei dem Projekt umgesetzt werden soll. Illustration: Arkitema Architects

#liftclip: Der Soundtrack zur Krise

Fahrstuhlmusik: Der Soundtrack zur Krise

Fahrstuhl-Prank, Fiktives, Reales und Banales – im Netz werden Aufzug und Fahrtreppe zum Star, und wir zeigen in unserer Reihe #liftclip die besten Szenen. In dieser Woche haben wir uns gefragt, wie eigentlich der Soundtrack zur Krise klingt. Und darauf kann es natürlich nur eine Antwort geben…

Auch wenn gerade die ersten Lockerungen in Kraft getreten sind: Das Corona-Virus beschäftigt uns weiter. Und immer deutlicher wird, dass der gewohnte Alltag erst mit einem Impfstoff zurückkehren wird. Durchhalten heißt die Devise. Doch das fällt nicht allen leicht, spielt sich das eigentliche Drama doch für die meisten unsichtbar hinter geschlossenen Krankenhaustüren ab. Doch die Haltung „was ich nicht sehen kann, nehme ich nicht ernst“ ist gefährlich. Schon warnen die ersten Experten vor einer neuen Sorglosigkeit, welche die Kurve schnell wieder hochtreiben kann. Wer eine Auffrischung braucht, wie man sich in der Krise richtig verhält, wird hier fündig.

Der Soundtrack zur Krise als Langfassung

Und auch sonst können wir aushelfen. Mit Wartezeit vor geschlossenen Türen und wie man sie versüßt kennen wir uns schließlich aus. Jetzt können wir leider nicht alle Haushalte mit unserer höchst unterhaltsamen Doorshow beglücken. Dafür können wir aber das Internet auf der Suche nach dem Soundtrack zur Krise durchpflügen. Nervenberuhigend soll er sein. Leicht verdaulich, sodass die Zeit wie im Fluge vergeht. Ahnen Sie schon was? Natürlich, mit Fahrstuhlmusik pendelt man gleich ein wenig beschwingter zwischen Kühlschrank und Couch. Und bei diesem – sagenhafte zehn Stunden langen – Zusammenschnitt, können wir ganz entspannt die Füße hochlegen und in die Aprilsonne blinzeln, während die Kurve weiter runtergeht. Viel Spaß dabei!

#zusammenzuhause: Hochhaus aus Papier basteln

#architecturefromhome Illu: Foster & Partners

Auch nach den Osterferien dürfen noch nicht alle Kinder wieder in die Schule. Deshalb bleibt es für viele Eltern wichtig, nach den Lerneinheiten in Wohnzimmer und Küche für Ablenkung zu sorgen. Die gute Nachricht ist: Für die Herausforderung #zusammenzuhause erhalten sie oft prominente Unterstützung. Zum Beispiel vom Stararchitekten Sir Norman Foster. Der zeigt nun, wie man gemeinsam ein Hochhaus aus Papier basteln kann.

Im Grunde sind Architekten so etwas wie Bastelprofis. Denn: Bevor Hochhäuser und Türme in den Himmel wachsen, müssen sie erst einmal sorgfältig geplant werden. Zeichnungen per Hand und Computer sind dabei natürlich sehr hilfreich, aber Modelle sind weit mehr dazu geeignet, die Bauherren und -frauen von den eigenen Ideen zu überzeugen. Schließlich kann man sie anfassen und aus allen Richtungen ausgiebig betrachten. Weshalb in großen Architekturbüros nicht selten Spezialisten arbeiten, die sich hauptsächlich mit der Umsetzung der Entwürfe als Modell beschäftigen.

Eines dieser großen Architekturbüros ist das des Briten Norman Foster. Er ist schon seit vielen Jahren rund um den Erdball erfolgreich als Architekt tätig. Im Jahr 1990 schlug ihn sogar Queen Elizabeth, die Königin von England, zum Ritter. Seither darf er sich Sir Norman Foster nennen. In Deutschland ist er vor allem für den Bau der Reichstagskuppel in Berlin bekannt. Doch auch mit Hochhäusern kennt er sich aus. Berühmtestes Beispiel dafür ist Hauptverwaltung der Swiss Re in London, welche die Londoner aufgrund ihrer Form liebevoll Gurke (engl. Gherkin) getauft haben. Eigentlich wollte er die Londoner auch noch mit einen Turm in Form einer Tulpe beglücken. Doch das lehnte der Bürgermeister der Stadt letztlich ab. Vielleicht war dem Architekten doch ein bisschen die Fantasie durchgegangen.

Krönung: Die Glaskuppel des Berliner Reichstags stammt aus der Feder von Sir Norman Foster. Foto: Olga Ernst/ Wikimedia Commons

#zusammenzuhause trifft auf #architecturefromhome

Macht aber nix, irren gehört zum kreativen Prozess. Denn nur so entsteht Neues. Auch zur Coronakrise hat sich das Architekturbüro Foster & Partners etwas ganz besonderes ausgedacht. Unter dem #architecturefromhome (Architektur von Zuhause) möchte es zeigen, wie viel Spaß die Planung und der Bau eines Hochhausmodells machen kann. Oder sogar der Bau eines ganzen Stadtmodells. Denn auf der Website des Unternehmens findet man nicht nur die Vorlage für den Bau eines modernen Hochhauses, sondern auch für Wohnhäuser, Stadtmobiliar und Straßenbäume. In loser Folge kommen zudem weitere Vorlagen hinzu. Wer Zuhause keinen Drucker zur Verfügung hat, kann die Vordrucke auch mit Lineal und Geodreieck abzeichnen. So lernt man sogar noch ein bisschen mehr darüber, wie Architekturmodelle geplant werden – und der Spaß dauert auch noch etwas länger an. Hier geht’s zur Website #architecturefromhome.

Tirana: Natur erobert Stadt zurück

Mario Cucinella Architects Ekspozita Building Ekspozita Building Tirana

Rund um den Globus experimentieren Architekten mit grünen Hochhäusern. Nun bezieht ein Neubau in der albanischen Hauptstadt Tirana sogar die Topographie des Umlandes mit ein. Damit setzt Mario Cucinella Architects ein ökologisches und architektonisches Ausrufzeichen in die Stadtlandschaft der Metropole und zeigt: So erobert Natur Stadt zurück.

Kraxeln in der Hauptstadt: Das italienische Büro Mario Cucinella Architects (MC A)hat einen 93 Meter hohen Wohn- und Geschäftsturm für das Zentrum von Tirana entworfen. Dabei greift es nicht nur das inzwischen bewährte Vertical Forest-Konzept von Stefano Boeri auf. Sondern schafft auch eine Architektur, die sich an der Berglandschaft der Umgebung orientiert. Das sieht gut aus und dient einem Zweck: unterschiedliche Nutzungen auf 24 Stockwerken harmonisch zu vereinen.

Dieser Trick gelingt, indem die Architekten dem Bau zur Straßenfront eine klassische Bürofassade geben, hofseitig aber in einer bewaldeten, u-förmigen Terrassenlandschaft aufsteigen lassen. Und ganz so gewöhnlich ist auch die Frontseite nicht. Denn anstelle eines spitzen Winkels erhält das Eckgebäude ein pyramidenförmiges Atrium, das den Blick auf den Stadtwald im Hof freigibt. Auf diese Weise erklimmt und durchdringt die Vegetation die Fassade wie einen Berghang. So, wie sie es auch am nahegelegenen Berg Dajti tut. Und von dem haben sich die Architekten inspirieren lassen.

Architektur mit Durchblick: Das Atrium öffnet das Gebäude für die Bepflanzung im Hof. Illustration: MC A

Natur erobert Stadt zurück – mit Hightech-Unterstützung

Den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes überlassen die Architekten allerdings nicht nur den Bäumen und Büschen allein. Die hochdämmende Fassade soll dafür sorgen, dass es größtenteils ohne zusätzliche Klimatisierung auskommt. Durch seine U-Form bietet der Hof zudem viel Schatten, sodass die Wohnungen und Büros auch bei den üblichen Sommertemperaturen jenseits der 30-Grad-Marke schön kühl bleiben. Diese und weitere Maßnahmen senken den Energiebedarf um rund ein Drittel gegenüber vergleichbaren Projekten, so die Architekten. Und auch optisch ist so ein Stadtwald natürlich immer ein Gewinn.

Berglandschaft in der Stadt: Die Bepflanzung erklimmt über Terrassen das 24-stöckige Gebäude. Illustration: MC A