Gericht in Douai: Erweiterung der Epochen

Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand. Menschen im neuen Anbau des Justizpalasts in Douai betrachten den Fluss vor dem Fenster. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji ShimmuraVor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand. Menschen im neuen Anbau des Justizpalasts in Douai betrachten den Fluss vor dem Fenster. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji Shimmura

Es gibt für Architekten dankbarere Projekte als Gerichtsgebäude. Die Anforderungen an die Sicherheit sind hoch, Ästhetik und Funktionalität sind oft nur schwer in Einklang zu bringen. Besonders, wenn Bestandsgebäude zu berücksichtigen sind. Im französischen Douai ist den Architekten von Hamonic + Masson diese Aufgabe jedoch gut gelungen. 

Die Architektur von Gerichtsgebäuden soll zumeist staatliche Autorität und die Unabhängigkeit der Justiz unterstreichen. Gleichzeitig sollen sich Kläger und Beklagte, Richter, Anwälte und Staatsdiener in einer sicheren und funktionalen Umgebung auf ihre jeweilige Rolle konzentrieren können. Für architektonische Spielereien ist da wenig Platz. Umso mehr sind handwerkliche Präzision und eine subtile Gestaltung gefragt, die einen reinen Funktionsbau in eine Institution mit Strahlkraft verwandeln.

Historische Erweiterung des Gerichts

Wenn die Architekten bei Null beginnen dürfen, wie beim Neubau des Justizpalastes in Paris, kann dabei durchaus Spektakuläres entstehen. Oft müssen die Planer jedoch Rücksicht auf Bestandsgebäude verschiedener Epochen nehmen, die unterschiedlich gelungen sind. So auch bei der Erweiterung des Justizpalastes von Douai. In der kleinen Kommune zwischen Brüssel und Paris im südlichen Teil Flanderns fanden die Architekten von Hamonic + Masson einen gotischen Klinkerbau von 1714 und einen Erweiterungsbau von 1978 vor, die ziemlich unverwandt nebeneinander im Stadtraum standen. Ihre Aufgabe: Aus dem Ensemble mit einem Verbindungsbau ein überzeugendes Ganzes schaffen.

Heller Sockel: Der Erweiterungsbau des Gerichts in Douai. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji Shimmura
Heller Sockel: Der Erweiterungsbau des Gerichts in Douai. Quelle: Hamonic + Masson/Takuji Shimmura

Transparenz und Helligkeit im Gericht in Douai

Bei dem Neubau, der sich an den Würfel von 1978 schmiegt, haben die Architekten vor allem für Licht und Transparenz gesorgt. Direkt am Ufer des Flusses Scarpe gelegen, öffnet sich das Erdgeschoss nach Süden. Ein heller, verglaster Sockel setzt das Gericht und den Stadtraum zueinander in Bezug. Optisch fluchtet die Straße in die Wandelhalle des Gebäudes.

Aufstieg vor Gericht. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji Shimmura
Aufstieg vor Gericht. Quelle: Hamonic + Masson/Takuji Shimmura

Über der Wandelhalle befinden sich die beiden Gerichtssäle. Statt gläserner Transparenz sorgen hier vorgehängte Fassadenelemente aus durchbrochenem Stahl für Diskretion während der Verhandlungen. Vor allem die Brücke zwischen 1970er-Jahre Bau und der aktuellen Ergänzung ist gelungen, als Ensemble kontrastieren sie nun sehr gut mit der historischen Substanz im Umfeld. Manchmal ist die richtige Antwort auf einen Widerspruch eben dessen gekonnte Inszenierung.

Bauen während des laufenden Betriebs

So klar der Entwurf auch ist, so komplex die Bauarbeiten. Einerseits musste bei laufendem Betrieb gebaut werden. Während der Verhandlungen durften die Arbeiter möglichst keinen Lärm machen. Ein Ding der Unmöglichkeit eigentlich.  Außerdem kam es zum Baustopp, als die Bauarbeiter eine tragende Säule entdeckten, die auf keinem Plan eingetragen war. 

Blick in den Gerichtssaal. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji Shimmura
Blick in den Gerichtssaal. Quelle: Hamonic-Masson/Takuji Shimmura

Zwölf Millionen Euro hat der Umbau nach einem Zeitungsbericht gekostet. Bereits Ende vergangenen Jahres kam das Projekt zum Abschluss. Inzwischen hat es sich schon im Alltag bewährt: Anwälte, Richter, Justizbeamte – alle sind zufrieden.  

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