Saudi-Arabien: Großer Bahnhof für den heiligen Zug

Endstation Medina: Das Grüne der Station verweist auf die Moschee des Propheten. Quelle: Nigel Young / Foster + PartnersEndstation Medina: Das Grüne der Station verweist auf die Moschee des Propheten. Quelle: Nigel Young / Foster + Partners

Das Projekt ist eines der Superlative: Hochgeschwindigkeitszüge, die mit Tempo 320 durch Saudi-Arabien rauschen und die beiden heiligsten Stätten des Islam miteinander verbinden. Die nagelneue „Al-Haramain“-Hochgeschwindigkeitstrecke bietet eine schnelle, komfortable und zuverlässige Verbindung zwischen den Pilgerstätten Mekka, Dschidda und Medina. Nun hat Foster + Partners die vier wichtigsten Bahnhöfe fertiggestellt.

Mekka ist ein heiliger Ort im westlichen Saudi-Arabien. Sie ist der Geburtsort des Propheten Mohammed und die Wiege des Islam. Das Betreten der Stadt ist nur Muslimen erlaubt. Und die strömen jedes Jahr zur Pilgerfahrt Haddsch in die Stadt. Viele Mekka-Pilger besuchen im Anschluss noch Medina, die zweitheiligste Stadt des Islam. Hier befindet sich das Grab des Propheten. Medina ist wie Mekka für Nichtmuslime gesperrt. Dschidda wiederum ist die wichtigste Hafenstadt des Landes. Zudem entsteht hier der höchste Wolkenkratzer der Welt, der Jeddah Tower.

Große Dächer schützen die Passagiere vor dem erbarmungslosen Klima. Quelle: Nigel Young / Foster + Partners
Große Dächer schützen die Passagiere vor dem erbarmungslosen Klima in Saudi-Arabien. Quelle: Nigel Young / Foster + Partners

Für die rund 450 Kilometer lange Strecke durch die Wüste benötigt der nun in Betrieb genommene „Al-Haramain“-Hochgeschwindigkeitszug etwa zwei Stunden. Künftig sollen bis zu 60 Millionen Passagiere jährlich den Zug nehmen. Die Pilger verzichten damit auf die mühevolle Anreise mit dem Auto. Die Strecke ist außerdem das größte Infrastrukturvorhaben der Region. Das Königreich will seine Wirtschaft unabhängiger vom Öl machen. Weil jedes Jahr mehr als zwei Millionen Pilger nach Saudi-Arabien strömen, ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle der Landes geworden.

Extremes Klima in Saudi-Arabien

Bevor der erste Zug im Oktober 2018 zur Jungfernfahrt antreten konnte, mussten die Konstrukteure viele Schwierigkeiten meistern. Denn die klimatischen Bedingungen, durch die die Strecke führt, ist extrem: Temperaturschwankungen zwischen + 55 Celsius am Tag und – 5 Celsius in der Nacht sind nicht ungewöhnlich. Weil die Strecke hunderte Kilometer durch Sandwüste führt, drohen Dünen und Sandstürme den Betrieb lahm zu legen.

Kleine Öffnungen im Dach lassen Licht und Luft in den Bahnhof – hier die Station in Jeddah. Quelle: Nigel Young / Foster + Partners
Kleine Öffnungen im Dach lassen Licht und Luft in den Bahnhof – hier die Station in Jeddah. Quelle: Nigel Young / Foster + Partners

Für die Bahnhöfe hat Foster + Partners den Zuschlag erhalten: Mekka, Jeddah, King Abdullah Economic City und Medina. Wir haben zuletzt die Foster + Partners-Vorhaben Tulip-Tower in London und den MOL-Tower in Budapest vorgestellt.

Bei den Bahnhöfen haben die Architekten einen besonderen Weg eingeschlagen. Die Stationsgebäude sind zum einen in der Lage, durch intuitive Wegeführungen bis zu 20.000 Menschen pro Stunde hindurch zu schleusen.

Modulare Konstruktion zur Erweiterung

Zum anderen wurden sie nach einem Baukastensystem entworfen und gebaut. Grundlage der Konstruktion sind 27-Quadratmeter-Module mit Dach, Halle und Plattform, die für Durchgangsverkehr und als Endstation konfiguriert werden können. So sind die Bahnhöfe erweiterbar, wenn künftig die Passagierzahlen steigen sollten. Davon ist auszugehen. Saudi-Arabien rechnet mit einem enormen Zuwachs an Pilgern in den kommenden Jahren.

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