Holzhochhaus Carl – ein Kind der Region

Carl-Turm in Pforzheim. Quelle: Peter W. Schmidt ArchitektenEin regionales Produkt: Der Carl-Turm in Pforzheim. Quelle: Peter W. Schmidt Architekten

Nachhaltigkeit und klimafreundliches Wirtschaften sind mit die größten Herausforderungen der Bauwirtschaft. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von besonders nachhaltigen Baustoffen. Das Pforzheimer Hochhausprojekt Carl könnte wegweisend sein.

Pforzheim galt lange als Goldstadt, vor allem wegen der wichtigen Schmuckindustrie. Nun könnte Pforzheim zur Holzstadt werden: Das Projekt Carl könnte in der Baubranche wegweisend sein. Die Baugenossenschaft Arlinger plant ein schlankes Hochhaus, das in seinen wesentlichen Bestandteilen aus Holz besteht. Das Gebäudeensemble soll in der Carl-Hölzle-Straße entstehen, benannt nach einem der Gründerväter der Baugenossenschaft. Daher auch der Name des Vorhabens: Carl.

Der 14-stöckige Turm und die benachbarten Gebäude sollen in 73 Einheiten qualitativ hochwertigen Wohnraum bieten. Ein fünfgeschossiges Gebäude auf dem Gelände beheimatet eine Kindertagesstätte für rund 100 Kinder.

Nachhaltiger Baustoff

Peter W. Schmidt Architekten haben das Gebäude als Holz-Hybrid-Haus geplant. Zwar wirkt es nach außen wie ein hölzernes Hochhaus. Doch nicht alles wird aus dem Baustoff gebaut. Wo es gesetzlich gefordert ist, werden Stahl und Beton genutzt. Auch wenn Holz in puncto Brandschutz mit Stahl und Beton mithalten kann.

Mit der Kita und den 73 Wohnungen könnte der Turm künftig das Viertel aufwerten. Quelle: Peter W. Schmidt Architekten
Eine Kita und 73 Wohnungen sollen das Viertel künftig aufwerten. Quelle: Peter W. Schmidt Architekten

Das bietet drei große Vorteile. Zum einen bleiben der Umwelt rund 2.000 Tonnen Kohlendioxid erspart, die sonst bei der Produktion von Stahl und Zement angefallen wären. Die für das Arlinger-Projekt benötigte Holzmenge wächst deutschlandweit in weniger als fünf Minuten nach, haben die Planer ausgerechnet. Vor allem Brettschichtholz und Vollholzbalken mit hoher Dichte kommen zum Einsatz. Sie stammen aus dem nahen Schwarzwald. Das Holzhochhaus Carl wird also ein regionales Produkt.

Effiziente Flächennutzung bei Carl

Zum anderen begünstigt die hohe Festigkeit des Materials eine schlanke Bauweise. Auch die statische Belastbarkeit von Holz entspricht der von Beton. Bei niedrigem Eigengewicht bietet es enorme Tragkraft. Weil Pforzheim mehr Wohnraum und Kitas benötigt, aber kaum Bauland zur Verfügung steht, muss das vorhandene so effizient wie möglich genutzt werden. Die Kombination aus Hochhaus und Holzbau ist da durchaus vorteilhaft.

Und schließlich erlaubt die Holzbauweise vorgefertigte Module. Wände und Decken werden mit allen Aussparungen und Öffnungen, teils sogar mit Fenstern und Türen in der Holzbaufirma vorbereitet. Das verkürzt die Bauzeit und vereinfacht die Baulogistik vor Ort. Baubeginn soll im Frühjahr 2020 sein. Schon im Jahr darauf könnte Holzhochhaus Carl fertig gestellt sein.

Baugenossenschaft als Modell

Das Prestigeprojekt folgt einer langen Tradition. Die Pforzheimer Baugenossenschaft Arlinger wurde 1914 von 30 Bürgern gegründet, um sozial schwächere Menschen mit qualitativ gutem Wohnraum zu versorgen. Aus aus den bescheidenen Anfängen in den Wirren des Ersten Weltkriegs ist eine der größten Wohnungsbaugenossenschaften Baden-Württembergs geworden. Heute zählt sie rund 6.700 Mitglieder.

Das Modell hat Vorbildcharakter. Gerade in Städten mit großer Wohnungsnot könnten Baugenossenschaft für günstigen Wohnraum sorgen. Nicht umsonst hat die UNESCO die „Idee und Praxis der Organisation gemeinsamer Interessen in Genossenschaften“ 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.

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