Wohnraum für Alle! Eine Ausstellung zur Neuen Heimat in München

Moloch über Aachen – das Universitätsklinikum von Weber, Brand und Partner aus dem Jahr 1971. Foto: Günter Claus, 1980Gebaute Hybris: Das Universitätsklinikum Aachen war eins der Großprojekte, an denen sich die Neue Heimat letztlich verhob. Planung: Weber, Brand und Partner aus dem Jahr 1971. Foto: Günter Claus, 1980

Bezahlbarer Wohnraum für viele Menschen – ist das machbar? Mit der Neuen Heimat wurden seit 1950 hunderttausende Wohnungen in Deutschland geschaffen. Eine Ausstellung in München zieht Bilanz.

Nach Bombenkrieg und Vertreibung herrschte in der Nachkriegszeit blanke Wohnungsnot in Deutschland. Dieses Elend wollte die „Neue Heimat” abschaffen. Das Wohnungsunternehmen aus Hamburg gehörte einst dem Deutschen Gewerkschaftsbund. In mehr als 30 Jahren hat das Unternehmen mehr als 400.000 Wohnungen geschaffen. Seit den sechziger Jahren hat die Neue Heimat auch viele Kommunal- und Gewerbebauten in Deutschland geplant und ausgeführt – die Mehrzahl davon steht noch heute.

Doch Misswirtschaft und ein veraltetes Geschäftsmodell trieben den größten und bedeutendsten nicht-staatlichen Wohnungsbaukonzern im Europa der Nachkriegszeit in den Ruin. 1986 wurde die Neue Heimat für den symbolischen Preis von einer Mark verkauft.

Neu-Perlach in München (1967–1992) von Egon Hartmann, Bernt Lauter, Max Guther, Thomas Sieverts, Ferdinand Stracke, Gottfried Hansjakob (Landschaftsarchitektur). © WSB Bayern, Bestand Neue Heimat/Kurt Otto
Neu-Perlach in München (1967–1992) von Egon Hartmann, Bernt Lauter, Max Guther, Thomas Sieverts, Ferdinand Stracke, Gottfried Hansjakob (Landschaftsarchitektur). © WSB Bayern, Bestand Neue Heimat/Kurt Otto

Auswirkungen bis in die Gegenwart

Die Spätfolgen der Neuen Heimat sind noch heute zu spüren. Zum einen war das gewerkschaftliche Modell des Sozialunternehmens für lange Zeit diskreditiert. Ihr Scheitern galt als Hauptargumente für die massive Privatisierung sozialen Wohnraums, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden hat.

Zum anderen ist das Modell der Großsiedlung aus der Mode gekommen. Trabantenstädte wie Neue Vahr in Bremen oder Neuperlach in München galten lange Zeit als gescheiterte Konzepte, in denen die Menschen weniger wohnten als verwaltet wurden. Heute ändert sich das wieder: Wir haben auf Senkrechtstarter bereits über einschlägige Vorhaben berichtet.

Großsiedlung in Bremen: Die Neue Vahr (1957-1962) von Max Säume, Günter Hafemann, Ernst May, Hans Bernhard Reichow, Alvar Aalto, Wolfgang Bilau, Hans Albrecht Schilling (Farbgestaltung), Karl-August Orf (Landschafts-Architektur). Foto: Franz Scheper
Großsiedlung in Bremen: Die Neue Vahr (1957-1962) von Max Säume, Günter Hafemann, Ernst May, Hans Bernhard Reichow, Alvar Aalto, Wolfgang Bilau, Hans Albrecht Schilling (Farbgestaltung), Karl-August Orf (Landschafts-Architektur). Foto: Franz Scheper

Eine sozialdemokratische Utopie scheitert

Das Architekturmuseum der TU München zeigt nun in seiner Ausstellung Bauten und Projekte der „Neuen Heimat“. Herausragende Beispiele, historische Fotografien und Filmproduktionen, Planmaterialien und Originalmodellen belegen die gesellschafliche Bedeutung des Vorhabens – und vollziehen das Scheitern des sozialen Wohnungsbaus der Nachkriegsära nach. „Die Neue Heimat (1950–1982) – Eine Sozialdemokratische Utopie und Ihre Bauten“ ist bis zum  19. Mai 2019 zu sehen.

Architekturmuseum der TU München

Barer Straße 40 (Pinakothek der Moderne), 80333 München.
Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, So 10–20 Uhr

Für die Ausstellung kooperiert das Architekturmuseum mit dem Hamburgischen Architekturarchiv und dem Museum für Hamburgische Geschichte.

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