Monat: März 2019

Ewiges Werden: Der Stream-Tower in Berlin

Blick nach Westen auf den Fernsehturm vom Stream-Tower in Berlin. Quelle: Signa

Berlin – eine Stadt im ewigen Werden? Das schrieb 1910 der Kunstkritiker Karl Scheffler. Im Viertel Mediaspree scheint sich das zu bewahrheiten: Dort war gerade Grundsteinlegung für den Stream-Tower. In dem Bürohochhaus soll unter anderem der Modehändler Zalando Unterkunft finden.

Das Viertel Mediaspree zwischen Warschauer Straße und dem alten Postbahnhof ist mittlerweile ein gefragter Bürostandort in Berlin. Heute finden sich dort Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen. Universal Music ist dort ansässig. Und Zalando hat tausende Arbeitsplätze zu einem Campus zusammengeballt.

Hochgefaltete Stadtraumskulptur

2017 hatte das österreichische Immobilien- und Handelsunternehmen Signa eines der letzten Grundstücke in dem Quartier erworben: Hier an der Ecke Tamara-Danz-Straße/ Wanda-Kallenbach-Straße soll nun eine Büroimmobilie mit etwa 50.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche für 2.500 Menschen entstehen. Die Planung hat das Architekturbüro Gewers Pudewill übernommen.

Verschobene Klötzchen sind Trend: So soll der Stream-Tower aussehen. Quelle: Signa
Verschobene Klötzchen sind Trend: So soll der Stream-Tower aussehen. Quelle: Signa

Das Gebäude mit seinen 24 Geschossen wird über den Mercedes-Benz-Platz zugänglich sein. Ab dem siebten Obergeschoss staffelt sich der Baukörper in die Tiefe – eine Reaktion auf die Bebbauung in der Nachbarschaft „Hochfalten zu einer interessanten stadträumlichen Skulptur“, nennen es die Architekten. Bis Ende 2021 soll der Stream genannte Tower in 90 Meter Höhe wachsen.

Der Turm liegt mitten in einer Art Vergnügungsviertel: Am Mercedes-Platz befinden sich die Mercedes-Benz Arena und die Verti Music Hall, beide betreibt die Anschutz Entertainment Group. In Spitzenzeiten flanieren hier mehrere tausend Menschen: In der nach dem Autobauer benannten Multifunktionsarena finden bis zu 17.000 Zuschauer Platz. Die Verti-Music-Hall fasst bis zu 4.500 Zuschauer.

Der East Side Tower steht noch aus

Damit hat die Bautätigkeit in diesem Teil Berlins noch lange kein Ende. An der Warschauer Brücke, unweit des Stream-Towers, soll in Bälde ein ausgewachsener Wolkenkratzer aus dem Boden sprießen. Das East Side Tower genannte Hochhaus wird mit 36 Stockwerken rund 140 Meter in den Himmel ragen. 50.000 Quadratmeter Bürofläche für 5.000 Arbeitsplätze sind vorgesehen.

Bauherr ist die Edge Technologies, ein Tochterunternehmen der OVG Real Estate. Die Bjarne Ingels Group zeichnet für die Planung verantwortlich. Zuletzt sorgt sie mit ihrem Entwurf für das Tirana-Theater-Projekt für Aufsehen.

Kompletter Wandel

So verändert sich das Antlitz Berlins auch in diesem Teil rapide. Ob das Viertel jedoch jemals zu dem lebendigen Standort wird, den sich die Planer heute wünschen? Wir wissen es doch längst: Was heute nicht wird, das kann ja Morgen noch werden. Zumindest im stetig werdenden Berlin.

Das Buch „Berlin – ein Stadtschicksal“ ist auch heute noch lesenswert. Suhrkamp hat es 2015 neu aufgelegt.

#liftclip: Was ist dran am Aufzug ins All?

Ein Raumgleiter auf dem Weg zur Fahrstuhlstation im All. Die Idee des Aufzugs ins All fasziniert. Quelle: Youtube

Fahrstuhl-Prank, Fiktives, Reales und Banales – im Netz werden Aufzug und Fahrtreppe zum Star, und wir zeigen in unserer Reihe #liftclip die besten Szenen. In dieser Woche begeben wir uns auf eine lange Reise ins All …  

Was ist dran am Space-Elevator? Es ist nicht so, dass das Thema zum ersten Mal auf die Titelseiten der weltweiten Medien gelangt: Der Aufzug ins Weltall ist ein alter Traum der Menschheit, den auch wir schon aufgegriffen haben. Doch wir haben einmal die neuesten Clips durchforstet und sind fündig geworden.

Wem nutzt ein solcher Aufzug?

In den vergangenen Jahren fand sich immer wieder jemand, der zum Aufzug ins All aufrief. Strittig ist, ob das Projekt irgendeinen wirtschaftlichen Nutzen bringen kann – wie Raumfahrtexperte Martin Tajmar vor geraumer Zeit in unserem Blog erklärte. Zu teuer der Bau, zu komplex die nötigen Technologien – und am Ende des Kabels steht eine Plattform im Nirgendwo. Doch die Idee ist wohl einfach zu faszinierend, als dass sie sich von der Realität beeindrucken lassen würde, wie dieser Clip zeigt:

1895 schrieb der Russe Konstantin Ziolkowski als erster über einen Aufzug ins All. Ihn inspirierte damals der sechs Jahre zuvor erbaute Eiffelturm. Der russische Ingenieur Juri Arzutanow ersann in den 1960er Jahren einen Aufzug, der an einem Seil ins All fuhr. Den Gedanken griff Arthur C. Clarke 1979 in seinem Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ auf.

Heute können wir dank des Internets den Schwindel erahnen, der Reisende möglicherweise bei einer rasanten Fahrt ins All in einer Aufzugkabine befallen würde.

Doch der wahre Grund für die All-Aufzugs-Euphorie ist vermutlich ein ästhetischer. Wie sehr die Raumfahrt unsere Sinne ansprechen kann, das verdeutlicht dieses Video, an dem der Space Art-Künstler Pat Rawlings mitgearbeitet hat.

#fahrstuhl: Die besten Aufzug-Tweets im Februar

Twitter Fahrstuhl

Twitter strotzt nur so vor kuriosen Fundstücken, witzigen Einfällen und absurden Alltagsbeobachtungen – leider rutschen sie schnell durch. Wir graben uns daher einmal im Monat durch die Timeline unter #fahrstuhl. Und wir erkennen: Die besten Fahrstuhl-Tweets im Februar weisen den Weg ins Männer-Ich!

Der Februar war wieder mal kurz, aber oho! Diese Werbung an einer Aufzugstür steht exemplarisch für den Versuch des Schrumpfmonats, Eindruck zu schinden.

Das Barber Motorsport Museum im US-Bundesstaat Alabama hat das auf jeden Fall geschafft. Hier fahren sogar Formel 1 Wagen mit dem Aufzug!

Auch das Forbes Magazin setzt seine eigene Marke. Pünktlich zum gänzlich unrunden, 166. Geburtstag der Fahrstuhlbremse von Elisha Graves Otis bringt das Magazin eine Story über vertikale Mobilität. Der vertikale Städtebau hat durch die Erfindung des Aufzugs einen gewaltigen Aufschwung erfahren – aber mit diesem Thema beschäftigen wir uns ja seit langem im Senkrechtstarter-blog.

Das Männer-Ich

Doch davon abgesehen ist der Februar twittertechnisch ganz klar der Monat der Männerselfies. Kaum ein Vertikaltransport vergeht, ohne dass sich „Mann“ in Positur bringt und knippst. Wir haben die schönsten Selbstporträts herausgesucht.

Shadi Casper zum Beispiel wirkt super aktuell und karnevalistisch mit seinem Hütchen.

ManfredNS kommt ein bisschen sanfter daher, …

… während Eibrajam Tineich smarte Grimassen schneidet.

Ein Blinken, ein schneller Blitz, ein Sonnenstrahl… oh, die lassen den Körper gut zur Geltung kommen. Der Songtext von Izal ist gut gewählt für ein Fahrstuhlselfie, lieber Abraham!

Das Grundrezept für ein gelungenes Selfie ist jedoch eine gesunde Mischung aus Selbstbewusstsein und Eitelkeit – EDLesh gelingt das ziemlich gut, …

So ist es richtig: Statt die State of the Union des Selbstdartsellers Donald Trump im TV zu glotzen, lieber selbst etwas darstellen und auf die Piste gehen. Apropos Selbstdarsteller: Da haben wir noch den lieben Nokkyx, …

… und den absolut coolen Labelizer_v4:

Das kann Ansiacl nicht toppen. Ihm bleibt nur noch der Abschied von der klaren Linie und der Verzicht auf Farbe.

Wie „kool“ wird Kiel?

Hotel- und Büroturm im Entwurf von MVRDV. Quelle: MVRDV

Lange Zeit wirkte es so, als habe Kiels Ruf als coole Hafenstadt den Zenit überschritten. Doch die Kieler können auch anders. Das zeigt ihre Begeisterung für das KoolKiel-Projekt der niederländischen Architekten MVRDV.

Die Projektgesellschaft Kap Horn planen die Bebauung eines 4600 Quadratmeter großen Industriegebiets, das sich an der Südspitze der Kieler Förde befindet. Teil des Vorhabens im Stadtteil Gaarden ist auch eine Lösung für das Kreativ- und Medienzentrum W8: Hier wurden in den 1990er-Jahren die legendären Werner-Comics für den „Semmel Verlach“ gedruckt. Heute befinden sich eine ganze Reihe von Unternehmen in den flachen Gebäuden. 

Das bestehende Medienzentrum W8 soll durch ein Wohngebäude überbaut werden. Quelle: MVRDV
Das bestehende Medienzentrum W8 soll durch ein Wohngebäude überbaut werden. Quelle: MVRDV

Sehr dichte Mischnutzung

Die Architekten von MVRDV haben sich nun bei einem Wettbewerb unter fünf Architekturbüros mit ihrem Entwurf durchgesetzt. Der sieht auf einer Brutto-Grundfläche von 65.000 Quadratmeter eine sehr dichte Mischnutzung vor. Neben einem 250 Zimmer-Hotel und  Büros sind Wohnungen, Läden und ein Veranstaltungszentrum vorgesehen. Die Gebäudeblöcke wirken wie auf- und nebeneinandergestapelt.

Das W8-Medienzentrum wird mit Wohnungen im Zickzack-Grundriss überbaut. Daneben entstehen fünf große Neubauten: Drei vier- bis fünfgeschossige Würfel sowie zwei Türme für Büros und ein Hotel. Eine Art Klötzchenbauweise verleiht ihnen ein besonders markantes Gepräge. Das ähnelt dem Projekt in Taipeh, das wir an dieser Stelle kürzlich vorgestellt haben. Der Büroturm erhält 12 Geschosse. Für das Hotel sind 17 Etagen geplant.

Prägendes Element: Die Kieler Fassade mit Piktogrammen aus Faserbeton. Quelle: MVRDV
Prägendes Element: Die Kieler Fassade mit Piktogrammen aus Faserbeton. Quelle: MVRDV

Merkmal Kieler Fassade

Ein wichtiges Gestaltungselement ist die so genannte Kieler Fassade an den Türmen. Vorgehängte Piktogramme aus Faserbeton nehmen Bezug auf die maritime Geschichte der Stadt: Anker, Wellen, Schiffe, das Stadtwappen oder der Schriftzug „Kiel“. 

Die Kieler sind begeistert. Noch allerdings fehlt der Bebauungsplan, bevor die Bauerarbeiter frühestens 2020 loslegen können. Die Stadt bleibt also noch ein Weilchen ohne „KoolKiel“.