Der Berg ruft: Seilbahnen in den Städten

So könnte die Seilbahn in München aussehen. Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr/BauchplanSo könnte die Seilbahn in München aussehen. Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr/Bauchplan

Seilbahnen sind cool. Statt Skifahrer, Ausflügler und Wanderer von der Talstation zum Berggipfel zu bringen und umgekehrt, werden sie heute zum modernen Verkehrsmittel in den Städten. So ergänzen sie den öffentlichen Nahverkehr, bekämpfen den Verkehrskollaps und erschließen eine neue, vertikale Stadtebene. 

Die leistungsfähigste Seilbahn der Welt ist im Dezember 2018 in Bogota in Betrieb genommen worden. Seitdem verbindet sie das Viertel „Ciudad Bolívar“ im Süden der Stadt mit dem öffentlichen Busnetz. 163 Kabinen hängen an den Seilen. Sie können bei Tempo 20 rund 7.200 Personen pro Stunde transportieren.

Seit Dezember 2018 im Betrieb: Die Seilbahn in Bogota. Quelle: Doppelmayr

Seit Dezember 2018 im Betrieb: Die Seilbahn in Bogota. Quelle: Doppelmayr

Nun könnte auch in Göteborg eine Seilbahn zum Zuge kommen: Hier planen Henning Larsen Architects aus Dänemark im nördlich gelegenen Stadtviertel Lindholmen eine Seilbahn zur besseren Verkehrsanbindung der Bewohner.

Seilbahnen in Deutschland

Auch in Deutschland sind Seilbahnen bereits im Flachland im Einsatz. Seit Langem in Köln zum Beispiel, seit Kurzem in Berlin. Beide sind im Rahmen einer Gartenschau entstanden. Und in Koblenz hielt die Bahn, die zur Bundesgartenschau 2011 errichtet wurde, lange Zeit den Rekord für die weltweit größte Leistungsfähigkeit. Nun diskutieren die Stadträte und -planer in München und anderen Städten über Seilbahnen, um ihre Straßen zu entlasten.

So geräumig können Seilbahnkabinen sein. Die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner mit Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Quelle: Markus Hannich im Auftrag StMB

So geräumig können Seilbahnkabinen sein. Die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner mit Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Quelle: Markus Hannich im Auftrag StMB

Der Vorteil: Seilbahnen gelten als relativ sicher, kostengünstig und schnell zu bauen. Ihre Leistungsfähigkeit und Beförderungsgeschwindigkeit ist mit der von Straßenbahnen und Bussen vergleichbar. Die Kosten betragen jedoch etwa die Hälfte einer Straßenbahn und ein Zehntel einer U-Bahn.

Gondeln über der Stadt

Am bekanntesten sind derzeit die Planungen in München. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat dafür sogleich einen Leitfaden für die Entwicklung von Seilbahnen an urbanen Standorten herausgegeben. In der Landeshauptstadt könnte die Seilbahn Osten und Westen über 4,5 Kilometern Länge verbinden. Über dem Frankfurter Ring, einer der verkehrsreichsten Straßen der Stadt, würden rund 4.000 Menschen pro Stunde und Richtung zum Ziel schweben.

Spektakuläre Blicke an der Zugspitze. Quelle: Zugspitzseilbahn

Spektakuläre Blicke an der Zugspitze. Quelle: Zugspitzseilbahn

Für diese Anzahl von Passagieren müssten die Münchner Verkehrsgesellschaft alle vier Minuten einen fünfteiligen Tram-Zug fahren lassen. Ein weiterer Vorteil der Seilbahn: Nebenbei eignet sie sich wunderbar dazu, einmal innezuhalten und die Stadt kontemplativ von oben zu betrachten. Vielleicht auch ein Vorbild, für andere, stress- und abgasgeplagte Städte in Deutschland.

 

Titelillustration: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr/ bauchplan ).(

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