Toronto: Verlängerte Outdoor-Saison

Schutz vor kühlen Winden: Das neue Bürgerzentrum in Etobicoke. Quelle: Henning Larsen ArchitectsSchutz vor kühlen Winden: Das neue Bürgerzentrum in Etobicoke. Quelle: Henning Larsen Architects

Nachhaltigkeit einmal anders: Durch ausgeklügelte Architektur haben es die Gestalter von Henning Larsen Architects geschafft, kalte und zugige Flächen im kanadischen Toronto einen Monat länger nutzbar zu machen.

Und das will etwas heißen in Toronto. Dort liegt zwar die Jahresdurchschnittstemperatur bei 8,3° Celsius. Zum Vergleich: In Berlin sind es 9,1°. Doch lange und kalte Winter sowie heiße Sommer und ganzjährig viel Regen verringern die Neigung der Torontoer, zu Fuß durch die Straßen zu flanieren.

Ein großzügiges Foyer und helle Räume machen das Bürgerzentrum zu einer Begegnungsstätte. Quelle: Henning Larsen Architects

Ein großzügiges Foyer und helle Räume machen das Bürgerzentrum zu einer Begegnungsstätte. Quelle: Henning Larsen Architects

Kürzlich hat die Stadt zusammen mit der eigenen Immobiliengesellschaft Build Toronto die Neugestaltung des Etobicoke-Bürgerzentrums ausgeschrieben. Etobicoke ist heute der westlichste Bezirk von Toronto. Und der jüngste. Das bestehende Gebäude wurde 1958 eröffnet und diente als Sitz des Stadtrats. Seit die Stadt 1998 mit Toronto verschmolz, befinden sich hier der Kommunalrat und eine Reihe von lokalen Behörden. Den internationalen Wettbewerb zur Neugestaltung des 46.500 Quadratmeter großen Ensembles gewann ein Team, dem Henning Larsen, Adamson Accociates Architects und PMA Landscape Architects angehört.

Bürgerzentrum für jedes Wetter

Bäume und die richtige Ausrichtung sorgen für ein angenehmes Mikroklima auf dem Platz. Quelle: Henning Larsen Architects

Bäume und die richtige Ausrichtung sorgen für ein angenehmes Mikroklima auf dem Platz. Quelle: Henning Larsen Architects

Henning Larsen Architects hat schon bei vielen anderen Projekten hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllt. Zum Beispiel beim neuen Rathaus in Kiruna, das wir kürzlich vorgestellt haben. Aber durch eine besonders intelligente Gestaltung konnten die Stadtplaner und Architekten dafür sorgen, dass die Bewohner des Stadtteils die Plätze vor und am Bürgerzentrum um bis zu fünf Wochen pro Jahr länger nutzen.

Die Bewohner von Etobicoke empfanden die Temperaturen in Toronto an fast 220 Tagen des Jahres als zu kalt, um sich draußen zu bewegen. Daher haben die Architekten das Klima vor Ort ausgiebig untersucht. Und die gewonnenen Daten zu Windrichtung und -stärke, zu Sonnenstunden und anderen Faktoren, die das Mikroklima vor Ort beeinträchtigen, sind in die Analyse eingeflossen.

Verbessertes Mikroklima

Der Entwurf für das neue Bürgerzentrum setzt nun Erkenntnisse aus dieser Analyse um: Neue und unterschiedlich hohe Gebäude blockieren die kalten Nord- und Westwinde oder leiten sie um. Öffentliche Dachterrassen auf den Gebäuden erweitern den darunter liegenden Platz in die Höhe. Alle Plätze und Dachterrassen sind zudem nach Süden ausgerichtet.

Außerdem nutzen die Architekten die Fassaden- und Gebäudegestaltung um den Wind abzuhalten und den Lichteinfall zu optimieren. Dass solche Verfahren effektiv sind, haben bereits die Architekten des King Abdullah Financial District in Saudi Arabien belegt. Dort reduzierten sie die Durchschnittstemperaturen um 6° bis 8° Celsius.

Die Neugestaltung des Bürgerzentrums aus der Luft. Quelle: Henning Larsen Architects

Die Neugestaltung des Bürgerzentrums aus der Luft. Quelle: Henning Larsen Architects

In Etobicoke entstehen öffentliche Räume mit einem besseren Mikroklima, die das ganze Jahr über für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Festivals, Freilichtkino-Vorführungen, ein Wochenmarkt und Konzerte sollen künftig am und im Bürgerzentrum stattfinden. Daneben werden städtische Büros, ein Erholungszentrum und eine Bibliothek Platz finden. Der Umbau findet viel Anerkennung: Kürzlich ist das Etobicoke Civic Center mit dem Rethinking The Future 2017 Sustainability Award in der Kategorie Public Building Concept ausgezeichnet worden.

Titelbild: Henning Larsen Architects

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