Ein Times Square für Taipeh

Nächtliche Straßenszene am künftigen Bahnhof in Taipeh. Quelle: MVRDVNächtliche Straßenszene am künftigen Bahnhof in Taipeh. Quelle: MVRDV

Taipeh ist ein kleines Wunder. In seiner dreihundertjährigen Geschichte hat sich Taiwans heutige Hauptstadt von einem Dorf zu einer modernen Metropole entwickelt. Mit den Twin Towers von MVRDV könnte eine weitere architektonische Ikone hinzukommen.

Taiwans Wahrzeichen ist der Tower Taipei 101, der bis vor wenigen Jahren das höchste Gebäude der Welt war. 508 Meter ragt der Turm in den Himmel. Doch derlei Höhenrekorde sind vergänglich, aktuell hält ihn der Burj Khalifa mit 828 Metern. Der Jeddah Tower, der derzeit in Saudi-Arabien in die Höhe wächst, soll sogar fast doppelt so hoch wie der 101 werden. Stattliche 1007 Meter sind geplant.

Doch mit seinem neuen Projekt könnte Taiwans Hauptstadt nun erneut einen architektonischen Meilenstein setzen. Allerdings einen nicht rein vertikalen. Die Taipei Twin Towers sollen das bislang eher öd-betriebsame Bahnhofsviertel neu beleben. Und in eine quirlige Geschäfts- und Einkaufszone verwandeln. Nach der Vision der Architekten soll hier ein zweiter Times Square entstehen.

Spielzeug eines Riesen: Die Klötze der Taipei Twin Towers. Quelle: MVRDV
Spielzeug eines Riesen: Die Klötze der Taipei Twin Towers. Quelle: MVRDV

Verkastelte Strukturen

Noch befindet sich der Hauptbahnhof der Stadt an dieser Stelle. Eisenbahn-, Flughafenlinien und U-Bahn-Netze laufen hier zusammen. Parks, Plätze und eher niedrige Wohn- und Bürogebäude prägen das Viertel. Auf den bestehenden Bahnhof satteln die Twin Towers auf. Sie bieten Platz für Einzelhandel, Büros, Kinos und Hotels. Auftraggeber des Vorhabens ist ein Konsortium, das vom Investmentkonzern Nan Hai Development geleitet wird.

Das Design der beiden Türme stammt vom Architekturbüro MVRDV mit Sitz in Rotterdam. Sie haben zuletzt mit einer Großsiedlung in Indien von sich reden gemacht. Für Taipei stapeln sie nun quadratische Baukörper übereinander, die als Ganzes eine vertikale Nachbarschaft ergeben. Ihre bunt-leuchtenden, teils interaktiven Fassaden, sollen untereinander im künstlerischen Dialog stehen.

Zwei verkastelte Türme erheben sich 337 und 280 Meter in die Höhe. Im Ostturm soll ein Hotel junge, trendige Touristen anlocken. Ein weiteres Hotel im Westturm bietet luxusorientierten Reisenden eine Unterkunft.

Kommunikation über Rolltreppen, Brücken und aussen gelegene Stege. Quelle: MVRDV
Kommunikation zwischen den Etagen über Rolltreppen, Brücken und Stege. Quelle: MVRDV

Rolltreppen und Laufstege

Die Sockel der Türme bestehen aus miteinander verbundenen Kuben, die Einzelhändlern Verkaufsflächen bieten. Sie sind so gestapelt, dass in ihren Zentren Atrien entstehen, die für eine natürliche Belüftung sorgen. Im Erdgeschoss schließlich soll ein tiefergelegter Platz auf überdachten, bühnenartigen Flächen die Geschichte des Ortes aufgreifen. Außen gelegene Rolltreppen und Laufstege verbinden zudem die Terrassen der unteren 20 Etagen miteinander.

Als vertikales Dorf beschreiben MVRDV diesen besonderen Hochhaustypus. Traditionelle Wolkenkratzertypologien trennen räumlich zwischen einem öffentlichen Bereich im Erdgeschoss und geschlossenen Bereichen in den höheren Etagen des Gebäudes. Die Taipei Twin Towers sollen diese strikte Trennung überwinden und beide Nutzungsarten miteinander verbinden.

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