Future Towers in Indien: Großsiedlung mit Profil

Das Bergmassiv der Future Towers in Pune. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Ein Land im Aufbruch: Mehr als 1,3 Milliarden Menschen leben in Indien. Und immer mehr  strömen in die Städte. Das schafft vor allem beim Wohnen enorme Probleme. Großsiedlungen wie die Future Towers in Pune könnten Abhilfe schaffen.

Wie ein gigantischer Berg erheben sich die Future Towers über Pune. Mit dem Vorhaben will die Stadt Wohnraum schaffen, der traditionelle indische Werte mit modernen Annehmlichkeiten verbindet.

Pune liegt im indischen Bundesstaat Maharashtra. Drei Millionen Menschen leben hier, der Altersdurchschnitt der Bevölkerung liegt bei unter 25 Jahren. In Deutschland ist Pune als „Detroit of India“ bekannt. Von hier stammen viele Komponenten für die deutsche Automobilindustrie. Insgesamt sind mehr als 250 deutsche Unternehmen in Pune ansässig. Auch Schindler hat hier ein Werk gebaut, um den indischen Markt zu bedienen. Die Arbeitsplätze bei den Zulieferern und in anderen Industrien zieht Menschen an. Die achtgrößte Stadt Indiens gilt als eine der am schnellsten wachsenden Städte.

Ausblick in den Innenhof der Anlage. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Ausblick in den Innenhof der Anlage. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Future Towers mit Wohnraum für 5000 Menschen

2005 hatte daher die Regierung des Bundesstaats begonnen, Großwohnsiedlungen in der Nähe der Städte zu fördern. Allerdings sind viele der neuen Gebäude architektonisch eher reizlose Wohntürme, die nur wenig Abwechslung bieten.

Anders soll es nun mit den Future Towers in Amanora Park Town werden. Die Township wurde 2007 gegründet. Heute leben in den Hochhäusern und kleineren Bauten der Siedlung mehr als 25.000 Bewohner. Allein das erste Gebäudeensemble der Future Towers bietet in 1.068 Apartments Platz für rund 5.000 Menschen. Dahinter steckt das niederländische Architekturbüro MVRDV. Es ist 1993 von Winy Maas, Jacob van Rijs and Nathalie de Fries in Rotterdam gegründet worden.

Die Architektur des Gebäudes ermöglicht interessante Grundrisse. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Die Architektur des Gebäudes ermöglicht interessante Grundrisse. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Tradition des Vastu Shastra

In Pune sind die Architekten auf regionale Besonderheiten eingegangen. Weil zum Beispiel Baukosten in Indien niedrig und technische Anlagen vergleichsweise teuer sind, haben die Architekten neun Gebäudeflügel mit 17 bis 30 Stockwerken um nur vier Umlaufkerne mit Aufzügen angeordnet. Ein natürliches Belüftungssystem kühlt die Wohnungen und leitet Abluft aus den Küchen ab. Gleichzeitig stehen die Grundrisse mit den Prinzipien von Vastu Shastra, dem traditionellen Architektursystem der Hindus, in Einklang. Dies hat Bedeutung für die Ausrichtung von Wohnungen, aber auch für die Farben und die Lichtplanung.

Die traditionelle Lehre Vastu Shastra beeinflusst Farbwahl und Ausrichtung des Ensembles. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Die traditionelle Lehre Vastu Shastra beeinflusst Farbwahl und Ausrichtung des Ensembles. © Ossip van Duivenbode/MVRDV

Gebirge mit Tälern und Gipfeln

Waren im Masterplan ursprünglich 16 sich stark ähnelnde Hochhaustürme vorgesehen, entwarf MVRDV eine großzügige Gebirgsstruktur mit Gipfeln und Tälern. Das macht viele verschiedene Grundrisse möglich. Zwischen 45 und 450 Quadratmetern große Wohnungen sollen Mieter mit unterschiedlichen Einkommensniveaus anziehen – von vielköpfigen Großfamilien bis zu jungen Singles und Berufsanfängern.

Ein wahres vertikales Dorf, nennen die Architekten von MVRDV das Projekt. Doch künftig wird aus dem Dorf eine vertikale Stadt: In den nächsten Jahren schon sollen die Future Towers 3.500 Wohnungen umfassen.

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