BDA-Preis Berlin 2018: Ausgezeichnet für die Großstadt

Schuppige Aussenhaut: Die Kinderbotschaft von SOS-Kinderdorf in Berlin. Quelle: Ludloff Ludloff

Der Immobilienboom in Deutschlands Großstädten hat Folgen: Verdichtung der Innenstädte und Verdrängung in die Randbezirke, Erschließung bislang ungenutzter Flächen verbunden mit der Aufwertung von bisherigen Randlagen. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) Berlin hat nun acht Projekte in der Hauptstadt ausgezeichnet, die eine gestalterische und gesellschaftliche Vorbildfunktion erfüllen. Wir stellen drei von ihnen vor.

Alle drei Jahre prämiert der BDA Berlin Projekte, die für besondere baukünstlerische Leistungen stehen. Das hehre Ziel: Die Auszeichnungen sollen die Qualität des Planens und Bauens mit Rücksicht auf Gesellschaft und Umwelt steigern. Außerdem will der Zusammenschluss von rund 5.000 freischaffenden Architekten und Stadtplanern das „öffentliche Bewusstsein für qualitätvolle Gestaltung schärfen sowie alle maßgeblich daran Beteiligten zum persönlichen Engagement aufrufen.” Wir schauen uns drei ausgezeichnete Projekte in einer Rand-, einer Top-Citylage und in einem neuen Stadtquartier an.

Leben in der Großstadt: Sichtbeton, große Fenster, Blick ins Grün. Quelle. AFF

Leben in der Großstadt: Sichtbeton, große Fenster, Blick ins Grün. Quelle. AFF

Individualität und Standardisierung

Der Wohnkomplex „Elf Freunde“ von AFF Architekten ist in einem Wohngebiet an der Rummelsburger Bucht entstanden. Das Areal in Randlage wird bereits seit Jahren entwickelt. Das Projekt selbst besteht aus elf schmalen, privaten Stadthäusern mit jeweils vier Geschossen. Großflächige Verglasungen auf der Gartenseite, Dachterrassen, innen liegende Wohnhöfe und unterschiedliche Grundrisskonstellationen machen die jeweiligen Häuser unterscheidbar. Die Jury überzeugte hier vor allem die bauliche Umsetzung von Privatheit und Gemeinschaft. Sowie eine gelungene Einliederung in den öffentlichen Raum. Letztlich der Nachweis, dass individualsiertes Wohnen auch im Reihenhaus – also, eines typischen Bautyps der Verdichtung – möglich ist.

Elf Stadthäuser in einem Ensemble. Quelle. AFF

Elf Stadthäuser in einem Ensemble, “Elf Freunde” genannt. Quelle. AFF

Ein weiteres preisgekröntes Projekt steht in Friedrichshain. Geplant wurde das Mehrfamilienhaus von Orange Architekten auf einem schwierig zu bebauenden Grundstück: Nahe des Frankfurter Tores liegt das Projekt etwas versteckt hinter einem großen Torbogen. Die Wohnungen verfügen über unterschiedlichste Größen und Zuschnitte, Dachterrassen und große Glasflächen prägen das Gebäude. Reizvoll ist der Kontrast zwischen offenen Treppen und umlaufenden Balkonen. Eine selbst entwickelte, textile Fassade ersetzt die konventionelle Wärmedämmung. “Einfach gebaut”, so der Name des Projekts, steht für eine Klientel, die Stadt aktiv mitgestaltet und nicht auf einen Investor wartet, der Lösungen von der Stange präsentiert. Gerade bei der Erschließung von Restflächen in der Innenstadt sind Projekte wie dieses unverzichtbar.

Forum der Begegnung

Und schließlich die „Botschaft für Kinder“ des Vereins SOS-Kinderdorf. Das Gebäude, das Ludloff Ludloff Architekten entworfen haben, steht in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Es vereint auf sechs Geschossen verschiedene Nutzungen: ein Beratungs- und Ausbildungszentrum für Kinder und Jugendliche, Tagungsräume, Hotelzimmer und ein Restaurant. Mit seiner geschuppten Fassade ist das Gebäude ein besonderes architektonisches Highlight in Berlins Mitte. Und ein sozialer Leuchtturm inmitten eines neuen Stadtviertels, das derzeit rund um den Berliner Hauptbahnhof entsteht.

Über die Auszeichnungen entschied eine international besetzte Jury unter dem Vorsitz der norwegischen Architektin Jette Cathrin Hopp. Insgesamt wurden 95 Projekte eingereicht. Sämtliche Preisträger 2018 finden Sie hier.

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