Bauwelt Kongress 2018: Digitale Stadt – digitale Architektur?

Die digitale Entwicklung bietet zahlreiche technische Innovationen. Doch was bedeutet dieser Wandel für die Städte, für Quartiere und letztlich für die Architektur? Und wie können Architekten und Planer dadurch Städte nicht nur verändern, sondern auch verbessern? Diesen Fragen ging der diesjährige Bauwelt Kongress in der Akademie der Künste in Berlin nach.

Vom Großen ins Kleine, von der Stadt zur Architektur tasteten sich unter anderem namhafte Redner wie Jan Musikowski, Werner Sobek und Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au an das wohl größte aktuelle Thema der Baubranche heran.

Daten sammeln für die Stadtplanung von morgen

Im Hinblick auf die Stadtentwicklung und -planung der Zukunft bieten digitale Tools verschiedene Möglichkeiten, um Daten für Forschungszwecke zu sammeln. Ein Großteil der Redner warnte jedoch vor einer Missbrauchsgefahr der Daten. Werden aber die Bürger der digitalen Städte in die Verwendung ihrer Daten einbezogen, ließe sich diese Kriminalität eindämmen. Francesca Bria, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Barcelona, berichtete hierzu über das europaweite Projekt Decode.

Wie digital ist ein Zollstock? Der Architekt Wolf D. Prix stellt die entscheidende Frage.

Analog versus digital

„The result can only be built.“ So lautete das Fazit des norwegischen Architekten Kjetil Trædal Thorsen vom Architekturbüro Snøhetta. In seinem Vortrag betonte er, wie wichtig nach wie vor das Analoge und der damit verbundene Handabdruck des Architekten für ein Gebäude sind – trotz des digitalen Wandels. Dem schlossen sich weitere Speaker, u.a. Dorte Mandrup, an. Die dänische Architektin warnte vor physischen und psychischen Krankheiten, die immer häufiger auftreten, da zwischenmenschlicher Kontakt durch die digitalen Assistenten im Alltag nicht mehr notwendig sei. Mit den von ihr geplanten Communities will sie einer Vereinsamung der Bewohner entgegen wirken.

Kjetil Trædal Thorsen von Snøhetta zeigte den Zusammenhang von Analogem und Digitalem auf dem Bauwelt Kongress 2018.

Future Living als Positivbeispiel

Doch es gab auch positive Ansätze: Mit der Digitalisierung wird das Wohnen von morgen erleichtert. Sven Schmittbüttner von der Unternehmensgruppe Krebs veranschaulichte dies anhand von Technologiebausteinen, die im Objekt Future Living Berlin eingebaut werden. Präsenzmelder können Bewegungen über Sensoren wahrnehmen und schalten nachts das Licht automatisch an oder leiten Notfälle sowie Einbrüche weiter. Die myPORT-Technologie stellt Aufzüge schnell bereit und sorgt für die Sicherheit der zukünftigen Anwohner, indem sie zum Beispiel die Zutritte regelt.

Sven Schmittbüttner von der Unternehmensgruppe Krebs gab einen kurzen Einblick in das digitale Stadtquartier Future Living Berlin.

Während der Podiumsdiskussion wurden weitere vielversprechende Tendenzen und Produktlösungen durch die Premium Partner vorgestellt. Das angeregte Gespräch wurde im Foyer des denkmalgeschützten 50er-Jahre-Baus fortgesetzt. Hier standen die Sponsoren an gut besuchten Thementischen Rede und Antwort und gaben einen Einblick in den aktuellen Stand der Digitalisierung.

Fazit

Nach zwei sehr spannenden Tagen schlossen sich die Türen des Hörsaals und sowohl mitreißende Speaker als auch interessierte Zuhörer gingen nach Hause. Es gab viele Ideen und viele Antworten. Die Technik ist schon längst so weit, unsere Städte zu digitalisieren. Greifbar wurde dies im Hinblick auf das Wohnen von morgen allerdings nicht ganz, sodass eine Frage blieb: Was genau wird sich in der Architektur verändern und wie werden die Gebäude von morgen aussehen? Eine konkrete Antwort konnten oder wollten die namhaften Redner darauf nicht geben.

Ein Gastbeitrag von Julia Hückinghaus, die für den Senkrechtstarter-Blog den Bauwelt-Kongress besuchte.

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