Letzte Ausnahme: Der MOL-Tower in Budapest

Der MOL-Tower in Budapest. Foto: Foster&Partner

Budapest ist vor allem für eines bekannt: den Jugendstil in der Altstadt. Nun will Ungarns Regierung verhindern, dass Hochhäuser das Stadtbild zerstören. Eine geplante Höhenbegrenzung soll in Kürze in Kraft treten. Nicht davon betroffen allerdings ist der künftige Hauptsitz eines ungarischen Gas- und Ölkonzerns: der MOL-Tower in Budapest.

Kaum etwas verzückt die Touristen in Budapest mehr als der Gang durch die Altstadt. Unterhalb des Burgbergs liegend die prächtigen Bauten, die vom Aufbruch vor 120 Jahren zeugen: Das Hotel Gellért, das Kunstgewerbemuseum oder das Petöfi-Theater sind längst Ikonen der ungarischen Geschichte geworden.

Budapester Immobilienpreise steigen

Kein Wunder, dass die Regierung diese Ikonen schützen will – durch einen Hochhaus-Bann. Viele andere Städte haben die Zahl der Wolkenkratzer entweder streng begrenzt oder sie lange Zeit verboten. Ob Paris, München oder Wien: Oft soll verhindert werden, dass Größenwahn und Gigantismus die historische Silhouette in den Schatten stellen und zerstören.

Allerdings hat dieses Ansinnen auch eine Kehrseite. Die starke Anziehungskraft der Städte führt zu Platzmangel und Verdichtung. Die Bodenpreise explodieren. Lange Zeit waren sie in Budapest moderat im Vergleich zu den Großstädten in den Nachbarstaaten. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert: Budapest holt rasant auf. 2017 legten die Quadratmeterpreise in der ungarischen Hauptstadt um 14,6 Prozent zu. Im Jahr zuvor waren es gar 27 Prozent. Klar, dass es bei diesen Preisen verführerisch ist, in die Höhe zu bauen.

Gebäude mit Campus-Charakter

Der erfolgreichste Versuch, Ungarns Hauptstadt mit einem Hochhaus zu versehen, stammt aus der Feder von Foster&Partners. Das Architekturbüro plant den MOL-Tower in Budapest, einen 28-stückigen Turm, der durch seine Gestaltung und Ausstattung zum Modell für eine neue Arbeitswelt werden soll.

Eine verglaste Fassade verbindet den Turm mit dem Podium. Grünflächen und Skygardens ziehen sich vom Atrium im Erdgeschoss aus durch das ganze Gebäude und enden in einem öffentlichen Garten an der Gebäudespitze. Von hier aus steuert der ungarische Öl- und Gaskonzern MOL künftig seine 29.000 Mitarbeiter in 40 Ländern.

Vom Bann der Regierung bleibt der Turm unberührt. Sein Bau war beschlossen worden, bevor die neue Regelung in Kraft treten sollte. Künftig sollen Gebäude nicht mehr als 90 Meter in die Höhe wachsen dürfen. Stephansdom und ungarisches Parlament – die geistliche und die weltliche Seite Ungarns – sind beide 96 Meter hoch. Der MOL-Turm wird sie mit seinen 120 Metern jedoch überragen.

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