Lego für Erwachsene: Norwegens neuer Höhenrekord in Holz

Richtfest im September 2018: Der Rohbau des Mjøsa-Turms steht. Foto: Anti/Jens Edgar Haugen

Klimawandel und Nachhaltigkeit beeinflussen auch die Bauindustrie. Vor allem das Thema nachhaltiger Ressourcen treibt Architekten und Stadtplaner um. Holz gilt vielen als wirklich nachhaltiges Baumaterial, dessen Einsatz im Hochbau allerdings noch beschränkt ist. Nun verschieben die norwegischen Architekten Voll Arkitekter und der Holzkonzern Moelven Limtre erneut die Grenzen. Mehr als 85 Meter hoch ist das Mjøstårnet genannte Gebäude im Süden Norwegens.

Direkt am Ufer von Norwegens größtem See, dem Mjøsa, entsteht der neue Rekordhalter. Daher der Name: Mjøstårnet – Mjøsa-Turm. Brumunddal ist eine beschauliche Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern, knapp anderthalb Stunden nördlich Oslo. Seit Anfang des Jahres herrscht auf der Baustelle Hochbetrieb. Das ausführende Unternehmen Moelven setzt auf ganz besondere, bislang nicht erprobte Verfahren und lässt die Balken just in Time anliefern. Sie treffen fertig bearbeitet auf der Baustelle ein. Dann werden sie ohne Außengerüst mithilfe eines großen Krans montiert. „Lego für Erwachsene“, nennen die Moelven-Leute das.

Schnelleres Bauen

Der Turm ist doppelt nachhaltig. Zum einen ist der Baustoff klimafreundlich, weill er im im Wachstum CO2 gebunden hat. Die Produktion von Beton setzt hingegen CO2 frei. Zum anderen sind durch die effiziente Holzbauweise schnellere Baufortschritte zu erreichen. Nach Fertigstellung im März 2019 hat Moelven innerhalb von nur 10 Monaten hunderte Brettschichtholzbalken in die Struktur eingebracht. Anfang September feierte das Gebäude Richtfest. Ein Kran hievte den letzten Balken auf das Gebäudedach.

Für den Entwurf zeichnet das norwegische Architekturbüro Voll Arkitekter mit Sitz in Trondheim verantwortlich, das schon andere Holzbauten realisiert hat. In den 18 Stockwerken entstehen auf rund 15.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche 33 Wohnungen, ein Hallenbad, ein Hotel mit 72 Zimmern, Büros, ein Restaurant und Gemeinschaftsräume.

Weltrekordhalter: Bauarbeiter blicken von der Turmspitze über Norwegens größten Binnensee, dem Mjøsa. Foto: Anti/Jens Edgar Haugen

Weltrekordhalter: Bauarbeiter blicken von der Turmspitze über Norwegens größten Binnensee, dem Mjøsa. Foto: Anti/Jens Edgar Haugen

Anderthalb Meter enthronen den Weltrekordhalter

Dabei kann der Turm zugleich einen Weltrekord brechen: Weil die Architekten dem ursprünglichen Entwurf eine Dachpergola hinzugefügt haben, ist das Gebäude knapp anderthalb Meter höher als der bisherige Weltrekordhalter in Holzbauweise, das „HoHo“ genannte Holzhoch in Wien.

Auch in Deutschland entsteht derzeit ein Holzhochaus, aus Brandschutzgründen müssen hier Sockel und Treppenhaus aus Stahlbeton bestehen. Künftig könnten aber noch andere, ehrgeizigere Holzprojekte gebaut werden, über die wir zum Teil schon berichtet haben. Der Baobab-Turms in Paris mit 120 Metern Höhe, der Abbe-Court-Turm in Lagos in Afrika oder der Haute-Turm in Amsterdam. Am spektakulärsten sind derzeit jedoch die Pläne für den Oakwood Tower. Der könnte mit 300 Metern das zweithöchste Gebäude Londons werden – wenn er realisiert wird. Gut möglich, dass dann auch neue Bauverfahren zum Einsatz kommen, die in Norwegen solch eine rasch Fertigstellung des Mjøstårnet möglich gemacht haben.

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