Aufbruch in die Vertikale: Palais de la Justice in Paris

Paris ist um eine Sensation reicher: Die französische Hauptstadt verfügt neben dem Eifelturm mit 324 Metern und dem Tour Montparnasse mit 210 Metern nun über ein drittes Hochhaus: den neuen Justizpalast. Mit 160 Metern ist der Palais de la Justice vorerst das dritthöchste Gebäude der Metropole. Auf seinen 100.000 Quadratmetern Fläche befinden sich nun Einrichtungen der Justiz, die zuvor an 25 unterschiedlichen Stellen in der Stadt zu finden waren. 90 Gerichtssäle und 600 Büros sollen für Gerechtigkeit sorgen.

Für die Pariser kommt das einer doppelten Revolution gleich. So waren seit dem Mittelalter die wichtigsten Gerichte Frankreichs auf der Ile de la Cité im Herzen von Paris zu finden. Das hat sich mit dem neuen Justizpalast geändert. Allein die symbolträchtigen Revisionsgerichte und Kriminalgerichte verbleiben am traditionellen Standort.

Helles Holz und geschickte Lichtführung sorgen auch in den Sitzungssälen für eine ansprechende Atmosphäre. Foto: Michel Denancé.

Der Justizpalast prägt den Nordwesten der Stadt

Gleichzeitig hat der Bau das Stadtbild von Paris massiv verändert. Bislang hatte die Stadt den Architekten auferlegt, dass Wohn- und Bürobauten höchsten 37 Meter hoch sein dürften. Nur im Geschäftsviertel La Défense vor der Stadt durfte höher gebaut werden. Doch in den vergangenen Jahren ist der Widerstand gebröckelt. Steigende Immobilienpreise, akuter Wohnungsmangel und knapper Baugrund haben bei den Stadtplanern ein Umdenken bewirkt. So planen beispielsweise Herzog & de Meuron oder Skidmore Owings and Merrill spektakuläre Türme in der Stadt.

Für den neuen Justizpalast ist Renzo Piano verantwortlich, der sich Ende der 1970er Jahre mit dem Centre Pompidou in die Herzen der Pariser gebaut hat.

Verschieden große Kuben

Das Architektenteam hat drei unterschiedlich große Kuben auf einen bis zu acht Stockwerke hohen Sockel gesetzt. 40-Stockwerke ragt der Neubau auf und bewahrt doch eine große Leichtigkeit. Die Besucher kommen über ein 28 Meter hohes Atrium mit schlanken Stahlstützen in die Gerichtssäle, die Büros, die Bibliothek und die Cafeteria. Helles Buchenholz, cremefarbene Akzente und viel Licht schaffen eine ausgeglichene Atmosphäre. 51 Aufzüge und 8 Rolltreppen sorgen dafür, dass rund 8.000 Menschen Tag für Tag ein und aus gehen können.

Dank Verschattung und Phtovoltaik ist der neue Palais de la Justice auch in energetischer Hinsicht ein Vorbild. Foto: RPBW/ Sergio Grazia.

Auch ökologisch will der Justizpalast ein Vorbild sein: Auf der 7.000 Quadratmeter großen Terrasse in der achten Etage und auf Hochgärten im 19. und 29. Stock verlängern 323 Bäume  optisch den angrenzenden Park. Photovoltaikmodule an Ost- und Westfassade und kleine Markisen vor den Fenstern senken den Energieverbrauch des Gebäudes. Rund 75 Kilowatt je Quadratmeter und Jahr soll es verbrauchen. Das wäre halb so viel wie die modernen Hochhäuser im Büroviertel La Défense. Auch das ist im Land des billigen Stroms eine kleine Revolution.

 

Titelbild: RPBW/ Sergio Grazia

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