Luftiger Luxus: Neuer Super Tall Tower für Wuxi

Hoch, höher, am höchsten: Wenn es um Hochhäuser geht, ist Größe auch eine Frage der Perspektive. In Wuxi soll nun ein 200-Meter-Turm entstehen, der für sich das Prädikat „Super Tall“ in Anspruch nimmt. Ob dem so ist, mag umstritten sein. Klar ist, dass er in der Skyline der Handelsmetropole im Nord-Osten des Landes einen prominenten Platz einnehmen wird – als erstaunlich zugängige Luxusadresse.

Sensationelle Nachrichten aus dem Reich der Mitte sind wir gewohnt. Mal sollen glanzvolle Städte über den Wolken entstehen, dann gleich ein ganzer Hochhauswald. Da nimmt sich die Nachricht, dass das als „Klein-Shanghai“ bekannte Wuxi einen neuen „Super Tall“ plant, vergleichsweise harmlos aus. Zumal er dafür – zumindest nach den Kriterien des CTBUH – ein wenig kurz geraten sein dürfte. Dass wir das Projekt dennoch aufgreifen, hat zwei Gründe. Zum einen sollen auf einem Teil der Grundfläche Sky Villen entstehen. Ein Phänomen, dem wir uns noch nicht gewidmet haben. Zum anderen bietet das Gebäude verschiedene Annehmlichkeiten, die in diesem Preissegment nicht unbedingt zu erwarten wären. Und die zeigen, dass auch bei Luxusbauten langsam ein umdenken in Richtung Stadtgesellschaft und urbanem Grün einsetzt.

Spezialist für Hotelbauten gewinnt Wettbewerb

Neue Landmarke für Wuxi: Super Tall Tower für den gehobenen Anspruch. Visualisierung: John Portman & Associates

Der Immobilienentwickler Greenland Hong Kong Wuxi hatte den Designwettbewerb für das Landmarken-Projekt ausgelobt, den das Architekturbüro John Portman & Associates nun für sich entscheiden konnte. Portman selbst ist kein Unbekannter, er hat sich zuvor als Erfinder und Entwickler von sogenannten Atrium-Hotels hervorgetan. Bei dieser Bauweise werden die Etagen von einem gebäudehohen Lichthof durchbrochen, der für eine besonders offene, urbane Atmosphäre sorgt. Das von Portman als Atrium-Hotel gestaltete Renaissance Center ist eins der Wahrzeichen Detroits.

Nun also Villen im Himmel über Wuxi. Bei den sogenannten Sky Villas handelt es sich um einen Immobilientyp, der die Vorzüge von Villen mit denen von Hochhausapartments vereinen will. Also die, zweier äußerst exklusiver Wohnformen. Ein bisschen ist das so, als ob man Beluga Kaviar mit Schwarzem Wintertrüffel verfeinern würde. Meist erstrecken sich diese Unterkünfte über die gesamte Etage eines Hochhauses oder sind sogar mehrstöckig angelegt. Wie groß sie in Wuxi ausfallen werden, ist leider nicht bekannt. Insgesamt entstehen mehr als 88.000 Quadratmeter Nutzfläche, allerdings für die Mischnutzung.

Eine Gated Community öffnet sich der Stadt

Luxus-Wohnen mit Erdung: Im Sockelgeschoss sollen Einzelhändler Laufkundschaft anlocken. Visualisierung: John Portman & Associates

Und das ist das eigentlich Interessante an dem Projekt. Denn Portman bleibt sich selbst, trotz der klaren Ausrichtung zum Luxussegment, treu und will hier einen relativ offenen Gebäudetyp schaffen. So wird viergeschossige Sockel unter anderem auch Einzelhändlern Platz bieten. Diese sollen über einen Fußweg an das umliegende Stadtgebiet angeschlossen werden. Eine Art Shoppingzone. Sicherlich exklusiv, aber nicht ohne Strahlkraft für den Bezirk. Denn, für gewöhnlich würde sich ein Immobilienprojekt dieser Preisklasse wohl eher vom Rest der Welt abschotten – Privatheit gilt unter Superreichen als das Luxusgut schlechthin. Mit ein Grund, warum Wohnhochhäusern gemeinhin der Ruch des antisozialen Raumaneignung im Stadtgewebe anhängt. Dass Hochhausprojekte nicht mehr nur in die Höhe, sondern auch nach sozialer Anerkennung streben ist ein Trend, der sich zunehmend um den Globus ausbreitet.

Dass in Wuxi zudem drei umlaufende, bepflanzte Terrassen ein grünes Zeichen in den Stahl-und-Beton-Wald des Viertels setzen sollen, ist begrüßenswert. Wenn die Aussichtsplattform an der Spitze des Gebäudes sogar noch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde – dann könnte es mit der offenen Stadtgesellschaft vielleicht wirklich was werden. Wie es aussieht, werden Normalsterbliche aber nur in den Genuss kommen, wenn sie ein Zimmer im geplanten Hotel buchen.

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