Interview zur Digitalisierung der Aufzugbranche

Digitalisierung der Aufzugbranche

Sarah Wittke arbeit als Trainee im Modernisierungsbetrieb bei Schindler. Zuvor hatte sie an der Leuphana Universität Lüneburg Management & Engineering studiert. Ihre Masterarbeit schloss sie Anfang des Jahres ab. Darin beschäftigt sie sich mit der Digitalisierung der Aufzugbranche. Dem Senkrechtstarter verrät sie, was sie herausgefunden hat.

Senkrechtstarter: Frau Wittke, wie verändert die Digitalisierung die Aufzugbranche?

Die Aufzugsbranche ist wie die gesamte Maschinenbaubranche im Wandel. Herkömmliche Produkte werden zunehmend mit dem Internet verbunden, der Software-Anteil steigt, auch bei Aufzügen. Damit wird diese Branche eng mit der IT-Branche verknüpft. Aufgrund dieses neuen Bereichs, der sich aus der Schnittstelle zwischen IT und Anlagen- und Maschinenbau ergibt, können komplett neue Geschäftsfelder entstehen. Dadurch können neue disruptive Geschäftsmodelle entwickelt werden. Daher besteht die Notwendigkeit, mit IT-Firmen zu kooperieren, um die benötigten IT-Kompetenzen zu erweitern, um im Wettbewerb standzuhalten.

Vorteile für die Kunden

Senkrechtstarter: Wie profitieren die Kunden von dieser Entwicklung?

Das Informationsverhalten von Kunden der kommenden Generationen Y und X verschiebt sich zunehmend in Richtung Online. Kunden möchten sich selbstbestimmt online informieren, bevor sie mit einem oder einer MitarbeiterIn persönlich sprechen. Vielleicht wird in Zukunft sogar vollkommen auf die direkte, persönliche Kommunikation verzichtet. Daher müssen relevante Informationen über Produkte und Services transparent online auf den richtigen Kommunikationskanälen zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus ergibt sich aus der Digitalisierung eine zunehmende Informationstransparenz. Unternehmen müssen sich offen präsentieren (z. B. über soziale Medien) und ihre Kunden in ihre Produktgestaltung einbeziehen, um glaubwürdig zu bleiben. Dies ist für Kunden aller Branchen von Vorteil. Durch das Internet der Dinge und die damit ständige Vernetzung von Gegenständen und Personen, sind Kunden in der Lage, erbrachte Dienstleistungen und Services besser nachzuvollziehen.

Senkrechtstarter: Wird die früher anonyme Fahrt im Aufzug zu einer individuellen, bei der Nutzer und Aufzug in eine Art Dialog treten?

Damit habe ich mich im Rahmen meiner Forschungsarbeit zwar nicht explizit befasst, aber das ist anzunehmen. Verkehrsmanagementsysteme wie Schindler PORT ermöglichen die individuelle Nutzung von Aufzügen schon seit einiger Zeit. Jetzt machen digitale Services wie Schindler Ahead den Aufzug zum Kommunikationsmedium und stellen audiovisuelle Inhalte auf den Aufzugstüren und integrierte Displays zur Verfügung.

Digitalisierung der Aufzugbranche verändert die Arbeit

Schindler Ahead

In Wohn- oder Geschäftshäusern werden Nutzer und Hausbewohner mit dem Ahead BlackBoard, einem digitalen schwarzen Brett, gezielt über objektrelevante Vorgänge informiert. Fotos: Schindler

Senkrechtstarter: Welche Anforderungen stellt die Digitalisierung an Mitarbeiter von Aufzugunternehmen?

Durch häufigere Aufgabenwechsel, die die Arbeitswelt der Zukunft mit sich bringt, sind Anpassungsfähigkeit, Offenheit für Veränderungen, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität gefragt. Flexibilität ist selbstverständlicher Teil des Berufsalltags. Mitarbeiter werden weniger an Ort und Stelle arbeiten, sondern dezentral (z.B. im Homeoffice, von unterwegs, über Ferndiagnose etc.). Darüber hinaus müssen sie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen mitbringen. Problemlösungsorientiertes Arbeiten rückt in den Vordergrund.

Senkrechtstarter: Welche Kompetenzen werden in Zukunft vor allem benötigt?

Sarah Wittke

Sarah Wittke arbeit als Trainee im Modernisierungsbetrieb bei Schindler in Hamburg. Foto: Schindler

In einer digitalen Welt sind vor allem sogenannte weiche Kompetenzen gefragt. Ausgeprägte digitale Kompetenzen befähigen dazu, digitale Technologien anzuwenden und sicher ins Tagesgeschäft einzubinden. Dazu zählt beispielsweise die „digitale Fitness“, welche ein grundsätzliches Wissen der technologischen Einsatzmöglichkeiten beschriebt. Relevant ist auch die Vernetzungskompetenz oder die Informations- und Datenkompetenz. Auch Führungskräfte benötigen im digitalen Wandel unter anderem eine starke Medienkompetenz, um beispielhaft voran zu gehen. Ebenfalls als wichtig eingeschätzt werden soziale Kompetenzen sowie Eigenverantwortlichkeit und bereichsübergreifende Kompetenzen, um Schnittstellen zwischen Abteilungen oder Ländergrenzen hinweg zu harmonisieren.

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