Entwurf für Krisengebiete: Hochhaus zum Falten

eVolo Skycraper Competition 2018 skyshelter.zip

Die Skyscraper Competition 2018 des Magazins eVolo ist entschieden. Der Siegerentwurf zeigt eindrucksvoll, wie Hochhäuser auch in Krisengebieten ihre Vorteile ausspielen können. Und mal ehrlich: Ein Hochhaus zum Falten ist auch jenseits von Katastrophenszenarien eine ziemlich coole Kiste. Zumal, wenn sie so nachhaltig designt wurden, wie diese hier …

eVolo Skyscraper Competition 2018 skyshelter.zip

Höhengewinn durch Heliumballon: Zusammengefaltet äußerst transportabel, bietet das skyshelter.zip ausgeklappt viel Platz für Menschen in Not. Illu: eVolo Skyscraper Competition 2018

Was hoch hinaus will, das braucht tiefe Wurzeln. Und ist deshalb per se nicht sonderlich mobil. Das galt zumindest bislang. Doch nun haben die drei polnischen Architekten Damian Granosik, Jakub Kulisa und Piotr Pańczyk gezeigt, wie leicht sich alte Gewissheiten auf den Kopf stellen lassen. Denn ihr Vorschlag für eine Notunterkunft in Kriesengebieten ist alles andere als niedrig. Hochflexibel, leicht und praktisch ist er dennoch. Und dank dieser Vorzüge konnten die drei die Skyscraper Competition 2018 des Architekturmagazins eVolo für sich entscheiden. Wie in den Jahren zuvor, mangelte es den Teilnehmern nicht an fantastischen Visionen. Der Siegerentwurf zeichnet sich darüber hinaus jedoch auch durch seine praktische Umsetzbarkeit aus. Weniger spektakulär ist er deshalb nicht.

Hoch hinaus nach dem Ziehharmonika-Prinzip

Leicht zu montieren, leicht zu transportieren, leicht zu installieren: das skyshelter.zip, so der Projektname, verfügt über Eigenschaften, die man sonst kaum einem Hochhaus nachsagt. Möglich wird dieser Dreiklang durch eine leichte, zusammenfaltbare Konstruktion nach dem Ziehharmonika-Prinziep, die sich einfach mithilfe von LKWs oder Helikoptern in Krisengebiete liefern lässt. Vor Ort wird die Konstruktion innerhalb kürzester Zeit mit Stahlankern fixiert. Ein Heliumballon in der Mitte des Bauwerks zieht und hält die Ebenenplatten in die Höhe. Ein technisches Gewebe bildet die Außenhaut und bietet effektiven Witterungsschutz.

Ein weit sichbares Zeichen für Hilfe

Faszinierend an dem Entwurf ist jedoch vor allem, wie die Architekten mit ihm die Vorteile eine vertikalen Bauweise in Katastrophengebiete bringen. Dank der kleinen Grundfläche ist der Ressourceneinsatz gering. Hilfbedürftige werden auf den Bau dank seiner Höhe bereits von weitem aufmerksam. Also auch dann, wenn moderne Kommunikationsmittel ausgefallen sind. Die klassiche Landmark-Eigenschaft des Hochhauses wird so zum Leuchtturm der Hoffnung. Und auch für die Helfer bietet diese Bauweise Vorteile. Denn, wo sich viele Hilfebedürftige in einem Gebäude zusammenfinden, reduziert sich auch der logistische Aufwand immens. Man denke nur an die Bilder ausufernder Flüchtlingscamps, bei denen die Versorgung mit Strom und Wasser sowie die Verteilung von Nahrungsmitteln immer wieder eine Herausforderung ist.

eVolo Skycraper Competition 2018 skyshelter.zip

Grüner Kern: Selbst eine Verical Farm findet in der Konstruktion platz. Illu: eVolo Skycraper Competition 2018

Autarkes System auf kleinster Fläche

Mehr noch: die Konstruktion unterstützt die Versorgung mit dem wichtigsten Überlebensmitteln aktiv. Integrierte Solarzellen auf der Außenhaut versorgen die Schutzsuchenden mit Strom. Ein Trichter an der Spitze des Gebäudes sammelt Niederschläge und stellt so sauberes Trinkwasser bereit. Oder Gießwasser. Denn in den oberen Etagen ist genügend Raum für eine vertikale Farm, welche frisches Gemüse und Früchte zur Versorgung der Bewohner produziert. Bei so vielen Vorzügen muss man nur noch fragen: Bis wann ist so ein Gebäude serienreif? Aber das hängt leider – wie immer bei solchen Projekten – vom Willen und der Finanzkraft poetenzieller Investoren ab.

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