Vertical Village für Birmingham

Ein  Dorf in der Senkrechten – ein Vertical Village, wie es im Marketingsprech heißt – soll jetzt in Birmingham entstehen. Der Entwickler Moda setzt dabei auf eine Generation, die Paketdienste ebenso zu schätzen weiß, wie eine Rennstrecke auf dem Dach.

Delirant isti britanni, das wussten schon die alten Gallier. Während man in Deutschland Talente mit der Aussicht auf Wohneigentum in entlegene Regionen ködert, läuft es auf der Insel genau umgekehrt. Dort ist mieten Luxus. Die allermeisten Objekte gibt es nur zum Kauf. Und so überschulden sich ganze Generationen, weil es oft der einzige Weg ist, ein Dach über dem Kopf zu haben. Ebenso schnell werden die Häuser aber auch wieder veräußert. Sei es, weil die Familie wächst. Oder sei es, weil die Karriere den Umzug in eine andere Stadt notwendig werden lässt. Für das Klientel der Young Professionals, die beim “war for talents” als heiß begehrte Ressource gehandelt werden, ist diese Praxis natürlich äußerst unbequem. Wer will sich schon alle paar Jahre auf dem Häusermarkt umtun, nur weil man eine Weile in einem anderen Betrieb in einer anderen Stadt arbeiten möchte? Eben.

Mit Concierge und Showküche

Dort setzt nun der britische Immobilienentwickler Moda an. Dessen neuestes Projekt soll das Mieten von der temporären Notlösung in einen bewussten Lebensstil verwandeln. Dafür hat sich der Entwickler zahlreiche Annehmlichkeiten überlegt, mit denen er die Digital Natives dort abholen will, wo sie sich am liebsten aufhalten – im halböffentlichen Raum. So soll das Gebäude künftig nicht nur 481 Apartments in Single- bis Familiengröße beherbergen, sondern auch zahlreiche Gemeinschaftsflächen. Knapp 2.800 Quadratmeter sind dafür vorgesehen.  Das entspricht in etwas der Fläche von zehn Tennisfeldern. Darauf werden eine Lounge, Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen sowie ein Dinnerclub untergebracht. Letzterer besitzt auch eine Showküche, in der die Bewohner gemeinsam neue Rezepte ausprobieren können. Unumstrittenes Prunkstück ist jedoch die 200 Meter Laufbahn auf dem Dach. Sämtliche 42 Stockwerke stammen aus der Feder des ortsansässigen Architekturbüros Glenn Howells Architects.

Shoppen gehen und bügeln lassen

Die untersten drei Etagen im Sockelgeschoss sind indes öffentlichen Freizeiteinrichtungen und Geschäften vorbehalten. Das hilft natürlich sehr, die Kosten für die Gemeinschaftsflächen querzufinanzieren. Und auch die anderen Services. So soll es zum Beispiel einen rund-um-die-Uhr Concierge-Service geben. Der nimmt auch die Amazon-Pakete (sic!) in Empfang, damit die jungen Enterpreneure ihre kostbare Freizeit nicht auf dem Postamt vertrödeln müssen. Eine spezielle App soll es zudem ermöglichen, Funktionen wie Licht und Heizung aus der Ferne zu bedienen. Gleichzeitig soll sie bei Beschwerden den direkten Draht zur Hausverwaltung herstellen. Und was uns als Senkrechtstarter besonders freut: Die Aufzüge bemerken, wenn sich ein Bewohner dem Gebäude nähert. Wenn er es dann betritt, wartet der Lift bereits am Ende der Lobby auf ihn und bringt ihn ohnen weiteren Befehl auf seine Etage.

Rund 183 Millionen Pfund oder 206 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Ein Termin für die Fertigstellung des 132 Meter hohen Wohnturms ist noch nicht bekannt. Dafür hat das Projekt aber schon einen Namen: 2one2 Broad Street. Abgeleitet von der Adresse, an der sich früher der Nachtclub Clicks befand. Projektentwickler und die Offiziellen der Stadt hoffen gleichermaßen, dass von dem Projekt ein Impuls für die Stadtentwicklung ausgeht. War Birmingham einst ein Zentrum der Industriellen Revolution, wendet es sich nun verstärkt dem Dienstleistungssektor zu. Hier könnte ein Angebot an hochwertigem Mietraum künftig ein entscheidender Standortvorteil sein.

 

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