Over the Top: Holzhochhaus auf dem Dach

Lagos ist mit rund 18 Millionen Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Und sie wächst weiter. Da sie jedoch zum Teil auf Inseln errichtet ist, gestaltet sich das Flächenwachstum schwierig. Ein Architektenbüro schlägt nun vor, bestehende Gebäude einfach mit einem Holzhochhaus aufzustocken. Und heimst mit seinem Entwurf zahlreiche Preise ein.

Einen Plan B wollten Hermann Kamte & Associates entwickeln. Für eine Stadt, die wächst und wächst. Und die schon lange aus allen Nähten platzt. Lagos, das ist ein riesiger Moloch. Bis zu 18 Millionen Einwohner sollen hier leben. Wie so oft bei Städten dieser Größe, weiß das aber eigentlich keiner so genau. Viele Einwohner Leben in Slums. Die Superreichen in Villen auf riesigen Grundstücken. Der eigentlichen Stadt aber fehlt eine angemessene Struktur. Weder reicht die Kapazität der Straßen, noch die der Grünflächen. Die städtische Textur ist ungeordnet, Smog plagt die nigerianische Metropole. Die Stromversorgung ist prekär.

Mit Sonnenschutzfassade, Grün und Gemeinschaftsflächen ist der Entwurf auf der Höhe der Zeit. Illustration: Hermann Kampf Associates via v2com (3X)

So wundert es kaum, dass das Büro um Hermann Kamte zu den Annehmlichkeiten des Bestandsgebäudes, das es aufstocken will, den hauseigenen Stromgenerator zählt. Einen Pool, einen Gymnastikraum, Tennis- und Parkplätze gibt es zwar auch. Doch auch die funktionierende Brauch- und Abwasserversorgung ist den Architekten erwähnenswert. Man sieht, womit man in Lagos zu tun hat, wenn man Wohnraum schaffen will. Und damit vielleicht sogar noch etwas bewegen möchte. Selbst in einer luxuriösen Wohngegend.

Holzhochhaus aus heimischen Anbau

Die leichte Holzkonstruktion könnte auf das Bestandsgebäude (grau) aufgesetzt werden.

Bei Hermann Kamte & Associates sieht das so aus: Von der Fassade, die als Sonnenschutz fungiert, über großzügige Gemeinschaftsräume bis hin zur Gebäudebegrünung bietet der Entwurf alle Annehmlichkeiten, die man heute von einem Wohnhochhaus der gehobenen Kategorie erwartet. Sogar das obligatorische Restaurant auf dem Dach wurde nicht vergessen. Der Clou ist aber das Baumaterial. Die leichte Holzkonstruktion erlaubt eine Aufstockung um 22 Etagen. Dass Lagos selbst über Wälder zur Holzgewinnung verfügt, verbessert den CO2-Abdruck der Konstruktion noch einmal dank kurzer Wege.

Die Architekten bezeichnen ihren Entwurf selbst als experimentellen Bau. Lage und Preissegment sind natürlich nicht dazu angetan, die drückende Situation der Slumbewohner zu verbessern. Als Debattenbeitrag aber, wie sich Lagos künftig von einem wuchernden Gebilde zu einer geordneten Stadt entwickeln könnte, ist er dennoch interessant. Das fanden auch die Juroren des WAFX Preises, der vergangene Woche anlässlich des zehnten World Architecture Festivals in Berlin vergeben wurde. Der Spezialpreis wurde für Projekte ausgelobt, die sich den Schlüsselaufgaben der Architektur in den kommenden zehn Jahren gewidmet haben. Städtische Nachverdichtung wird ganz sicher eines davon sein. Darüber hinaus gewann der Entwurf auch den American Architecture Prize 2017—Green Architecture, sowie die Rethinking The Future Awards 2017 und erhielt weitere Auszeichnungen und Nennungen. Schon jetzt also ein Leuchtturm mit Strahlkraft.

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