Otto Beckmann: Aus Daten Architektur schaffen

Building Information Modeling, kurz BIM, ist derzeit das große Ding in der Architektur. Rechner helfen, Kosten zu sparen und aufwendige Modelle in Rekordzeit zu planen. Doch ist das schon alles? Eine Ausstellung im Foyer der UdK in Berlin zeigt, wie Otto Beckmann, früher Pionier der Computerkunst, aus Datensätze fantastische Architekturen schuf.

Am Anfang stand der Gedanke, dass Computerdesign immer nur so gut ist, wie die Daten, auf denen es basiert. Derzeit geht es vor allem um Kosteneffizienz und strukturelle Sensationen. „Es ist ein bisschen so, wie bei den Anfängen von Photoshop“, sagt Norbert Palz, Professor für Digitales und Experimentelles Entwerfen an der Universität der Künste in Berlin. „Alle spielen mit den immer gleichen Filtern herum. Da überrascht es kaum, dass sich auch die Ergebnisse sehr ähneln.“ Wie es anders geht, das hätten jedoch bereits die frühen Pioniere der Computerkunst gezeigt. Wie etwa der russisch-österreichische Künstler Otto Beckmann. Unter anderem hat der sich in den 1960er- bis frühen 1980er Jahren mit fantastischen Architekturen beschäftigt, die vollständig am Computer entstanden sind.

Melange der Vorstellungen und Eindrücke

„Gemeinsam mit seinem Sohn hat Beckmann einen Computer gebaut und mit eigenen Algorithmen gefüttert“, berichtet Palz, der die jetzige Ausstellung zusammen mit dem Beckmann-Archiv kuratiert hat. „Dabei sind Entwürfe entstanden, die weit über das einfach strukturelle hinausgehen. Wahre Kunstwerke.“ Warum man sich heute als Architekt wieder den Anfängen des Computerdesigns zuwenden solle? „Aktuell besteht die Gefahr, die Autorenschaft über den Entwurf zu verlieren“, sagt Norbert Palz. Je stärker der  Computer in den Entwurfsprozess integriert wird, desto stärker bestimmt er das Ergebnis. Architekten müssten heute mehr denn je darauf achten, mit welchen Daten sie die Elektronengehirne füttern. „Die unbewussten Prozesse, die beim Entwurf mit Bleistift und Papier dafür sorgen, dass eine künstlerische Melange der eigenen Vorstellungen, Eindrücke und Gedanken entstehen, ist beim Entwurf am PC außer Kraft gesetzt.“ Umso wichtiger sei es sich bewusst zu machen, mit welchen Datensätzen die Rechner gefüttert werden.

Otto Beckmanns „Imaginäre Architekturen“ sind derzeit in der UdK Berlin zu sehen. Bilder: Otto Beckmann Stiftung (2x)

„Eine Architektur muss auch ohne die Superlative bestehen, zu denen die Computer Architekten befähigen“, sagt Norbert Palz. Dafür sei eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Entwursprozess hilfreich. Bei Otto Beckmann mischten sich surrealistische Einflüsse, etwa von Max Ernst, mit Nachkriegsentwicklungen. So habe er etwa auch mit deuschen Sprachwissenschaftlern zusammengerbeitet, um Autopoeme zu erzeugen. Und mit dem Informatiker Frieder Nake entwickelte er ein System, dass aus Datensätzen grafische Kurven erzeugt. „Wir zeigen in der UdK nun vor allem seine imaginären Architekturen“, sagt Palz. Dazu wurden eigens Zeichnungen mit historischen Systemen nachgedruckt. Einen Großteil der Ausstellung bilden jedoch Projektionen der Entwürfe. Das nachgebaute Modell eines Originalentwurfs rundet die multimediale Schau ab. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 17. November und der Eintritt ist frei.

Otto Beckmann – Imaginäre Architekturen

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