Ausstellung in Frankfurt: Frauen in der Architektur

Eine aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt zeigt anhand von 22 Lebensläufen und Werksbeispielen, wie sich Frauen in der Architektur ihren Platz erkämpft haben. Das Spektrum reicht vom Broterwerb im Exil über visionäre Zukunftsgestaltung bis hin zur Hybris der ersten deutschen Star-Architektin.

Plakat der Ausstellung Frau Architekt: Lino Salini, „Bildnis im Sitzen nach links der Grete Schütte-Lihotzky“. Erste Architektin am Hochbauamt der Stadt Frankfurt, Frankfurt am Main, 1927, Buntstift.

Baumeister – bis vor etwas mehr als hundert Jahren kannte die deutsche Sprache lediglich die männliche Form dieses Begriffs. Erst im Zuge der allgemeinen Emanzipationsbewegung bekamen Frauen auch hierzulande Zugang zu den Bauakademien. Die Berufsbezeichnung Architektin war geboren. Doch sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis sie ihre Visionen vom Arbeiten, Wohnen und Leben auch in gebaute Realität umsetzen konnten. Schließlich sollten die beiden großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht mehr lange auf sich warten lassen. Denn der Erste und der Zweite Weltkrieg zerstörten so vieles – darunter auch die aufkeimenden Errungenschaften der Emanzipationsbewegung. In der Architektur ebenso, wie in jedem anderen Lebensgebiet.

Das Deutsche Architekturmuseum zeichnet nun mit der Ausstellung „Frau Architekt“ den Lebensweg von 22 herausragenden Protagonistinnen dieser Entwicklung nach. Die Kriege, Flucht, Exil und Wiederaufbau haben sich, kaum verwunderlich, auch tief in die Biografien dieser Avantgarde eingeschrieben. Galt etwa Emilie Winkelmann bereits 1907 als erste selbständige Architektin mit eigenem Büro, kam Karola Bloch nur zur Architektur, weil sie ihre Familie während des Zweiten Weltkrieges durchbringen musste. Star-Architektin Sigrid Kressmann-Zsasch wiederum naschte ausgiebig von den fetten Subventionstöpfen des 70er-Jahre-Berlins. Und holte sich dabei, wie so viele ihrer männlichen Kollegen, schlimme Bauchschmerzen. Ihr 118,5 Meter hoher „Steglitzer Kreisel“ ist immer noch eines der höchsten Häuser der Hauptstadt – und ein Mahnmal für die Hybris der ehemaligen Frontstadt. Es wird übrigens gerade für rund 330 Millionen Euro generalüberholt.

Frauen in der Architektur auf dem Vormarsch

Frau im Beruf: Architektin Almut Grüntuch-Ernst bei der Arbeit.  Foto: Edgar Rodtmann

Visionen für die Städte der Zukunft, soziale Utopien, ästhetische Bilderstürmerei – Frauen reizt an der Architektur, was auch ihre männlichen Kollegen begeistert. Warum also diese Ausstellung? Weil sich, so die Ausstellungsmacher, eine Revolution in der Baukunst ankündigt. Bereits 2020, so heißt es in der Pressemitteilung zur Ausstellung, könnte mehr als die Hälfte der Zunft weiblich sein. Derzeit ist es bereits ein Drittel. Dieser Entwicklung trägt die Schau Rechnung, in dem auch aktuelle Architektinnen porträtiert werden. Etwa die Stuttgarterin Almut Grüntuch-Ernst, die heute mit ihrem Mann in Berlin lebt und wirkt. Oder Gesine Weinmiller, die unter anderem als Professorin an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg wirkt. Zeitgemäße Architektur, so lernen wir, ist keine Frage des Geschlechts. Sondern eine Frage des Talents – und unter welchen Umständen es sich entfalten darf. Auch hier ist die Baukunst nur eine von vielen Kulturellen Disziplinen, die wie jede von einem Mehr an Vielfalt profitiert.

Die Ausstellung „Frau Architekt“ ist noch bis zum 30. März 2018 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt zu sehen. Begleitend finden zahlreiche Veranstaltungen zum Thema statt.

Titelbild: Mitarbeiterinnen im Mannheimer Büro Ingeborg Kuhler, 1986. Alle Bilder via DAM Frankfurt.

 

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