Senkrechtstarter in Serien: Der Big Bang vor dem Big Bang

Hoch und runter, immer wieder: Aufzüge transportieren Menschen quasi in Serie. Da wundert es kaum, dass der Aufzug auch in TV-Serien oftmals eine große Rolle spielt. Wir schauen hinter den Kulissen und zeigen Euch mit unserer neuen Reihe, warum Fahrstühle die heimlichen Senkrechtstarter des Fernsehens sind. In dieser Folge erfahrt ihr, warum der kaputte Fahrstuhl aus „Big Bang Theory“ bereits das ganze Drama der Serie enthält…

Mühsam schleppen sie sich die Treppe rauf. Palavernd, streitend, entnervt. Wann immer Leonard, Howard, Raj und Sheldon eine neue Niederlage einstecken müssen, wanken sie als geschlagene Ritter von der traurigen Gestalt durchs Treppenhaus zurück zu ihrer Trutzburg. Die mit Computerspielen, Comics, Fanartikeln und allem möglichen wissentschaftlichen Equipment vollgepackte Wohnung von Sheldon und Leonard. Doch warum eigentlich dieser mühsame Aufstieg? Verfügt das Gebäude doch über einen Lift. Allerdings ist der bereits seit der ersten Serienfolge außer Betrieb. Und schwarz-gelbes Absperrband auf jeder Etage deutet darauf hin, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.

Der Zuschauer wird lange Zeit darüber im Unklaren gelassen, warum genau der Fahrstuhl nicht funktioniert. Und warum sich keiner der Protagonisten ernsthaft darüber beschwert. Außer Penny, Leonards ewige On-/ Off-Freundin, inzwischen Frau, welche die Welt mit wesentlich pragmatischeren Augen sieht als die vier Wissenschaftler aus ihrem Elfenbeinturm. Und sie ist es dann auch, die in der 22. Folge der 3. Staffel Leonard dazu zwingt, endlich das Geheimnis um den kaputten Fahrstuhl zu lüften.

Praktische Physik mit theoretischen Schwächen

Die Geschichte, die Leonard daraufhin zum Besten gibt, enthält alle Zutaten, mit der die Serie ihre Fans nun schon seit zehn Jahren bei der Stange hält (Gestern lief in den USA übrigens die elfte Staffel an.). Kurz zusammengefasst: Geniale Wissenschaftler versuchen, das weibliche Geschlecht mit ihren Experimenten zu beeindrucken. Scheitern. Treiben ihr Nerdtum auf die Spitze – und müssen sich schließlich endgültig der Realität geschlagen geben. So auch bei der „The Staircase Implementation“, eben jener Folge, in welcher der Fahrstuhl endgültig sein Leben aushauchen muss. Und die symbolische Katharsis im Treppenhaus zum festen Bestandteil der Show macht. Der Titel der Folge ist mit „Die Einführung der Treppe“ leider nur höchst unzulänglich übersetzt. Die Treppe als vertikalen Verkehrsweg Nummer eins zu nutzen ist eben gerade keine bewusste Entscheidung, sondern ergibt sich zwangsläufig aus der endgültigen Zerstörung des Lifts. Das allzu menschenliche Versagen der hochfliegenden Geister zwingt sie zum Treppenlauf. Der defekte Fahrstuhl ist somit ein Mahnmal ihres Scheiterns. Doch der Reihe nach…

Boom – da war der Fahrstuhl hin

Alles begann damit, dass sich eine äußerst hübsche, asiatische Arbeitskollegin plötzlich auffällig für Leonard interessierte. Und für seine Arbeit. Die bestand damals nämlich darin, einen hochpotenten Raketentreibstoff zu entwickeln. Geschmeichelt von ihrem Interesse nimmt Leonard eine Probe mit nach Hause, um vor seiner „Freundin“ damit anzugeben. Noch bevor diese jedoch die Rezeptur stehlen kann – es handelte sich natürlich um eine chinesische Spionin – wird sie von einem Sondereinsatzkommando verhaftet. Zurück bleibt der konsternierte Leonard. Ihm bleiben nur verletzte Gefühle und ein Behälter voll Raketentreibstoff.

Raketentreibstoff für den Senkrechtstarter

Szenenwechsel: Leonards Freund Howard hat eine Modellrakete gebaut und die Jungs wollen sie gemeinsam in den Himmel schießen. Allerdings fehlt noch der passende Treibstoff für den Senkrechtstarter. Leonard erinnert sich an die Probe in seinem Apartment, und so kommt es, wie es kommen muss. Leonard verrechnet sich beim Anpassen der Rezeptur auf den Modellmaßstab, was dem Genie Sheldon bereits nach einem flüchtigen Blick auf die Formel auffällt. Die Zeit reicht gerade noch, den Behälter in den Fahrstuhl zu verfrachten und nach unten zu schicken – boom! Da war der Fahrstuhl hin.

Und die Moral von der Geschichte: Die vier Nerds finden immer einen Weg, ein Fiasko in ein totales Desaster zu verwandeln. Besonders, wenn es um Frauen oder ihren wissentschaftlichen Ehrgeiz geht. Da bleibt ihnen nur, die Konsequenzen mit stoischer Gelassenheit zu tragen. Und von da an nehmen sie so selbstverständlich die Treppe, als hätte es nie einen Fahrstuhl gegeben. Man muss sich den Nerd eben als einen glücklichen Menschen vorstellen. Aber schaut es Euch doch einfach selbst an…

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