Klärturm mit klarem Blick

Manchmal haben Architekten gute Ideen – aber keinen Auftraggeber. Dann entwickeln sie detaillierte Vorschläge und hoffen, dass irgendjemand darauf anspringt. So hat es nun auch das New Yorker Architekturbüro DFA gehalten. Sie entwarfen einen spektakulären Holzturm, der im Central Park das Teichwasser filtern und gleichzeitig tolle Ausblicke liefern soll. 

Das Jacqueline Kennedy Onassis Reservoir macht ein Achtel der Fläche des Central Parks aus. Allerdings ist er nur zum anschauen da. Ein Eisengitter rund um den Teich verwehrt Schwimmern und Seglern den Zugang. Der Grund: sein Wasser gilt als belastet. Das möchte das New Yorker Architekturbüro DFA nun ändern. Sie schlagen eine temporäre, rund 217 Meter hohe Holzkonstruktion vor, in der einer Filteranlage die trübe Brühe klärt. So könnte das Reservoir einerseits für eine künftige Freizeitnutzung fit gemacht werden, und andereseits stünde den New Yorkern für die Zeit des Klärprozesses eine neue Landmarke zur Verfügung.

Holzkunstruktion mit Durchblick: Schon beim Aufstieg sollen die Besucher den Ausblick auf die Skyline genießen können.

Windturbine im Inneren des Turms

Bauwerk mit Strahlkraft: DFA will touristische Attraktion und ökologischen Mehwert verbinden.

Die Idee ist verführerisch. Gerade weil sich hier ökologische, touristische und wirtschaftliche Aspekte auf spielerische Art verbinden. Schon die Ausführung als Turm ist kein Selbstzweck. Eine Windturbine im Inneren soll die Filteranlage mit Strom versorgen. Gleichzeitig produziert sie soviel Überschuss, dass auch die beiden Fahrstühle sowie die Nachtbeleuchtung der Fackel an der Spitze daraus gespeist werden können. Um den Co2-Abdruck des Bauwerks weiter zu senken, sollen mit Ausnahme des technischen Kerns und der Besucherrampen alle konstsruktiven Teile aus laminierten Leimhölzern gefertigt werden. Die Architekten rechnen vor, dass für deren Herstellung nur ein Drittel der Energie nötig sei, die für vergleichbare Stahlelemente anfallen würde. Überhaupt: Dank Vorfertigung der Elemente im Werk, sei mit einer Fertigstellung des Turms in weniger als sechs Monaten zu rechnen.

Klärturm mit Aussicht mitten im Teich

Der für New York Besucher wohl interessanteste Teil des Bauwerks befindet sich aber an der Spitze. Doch bevor sie da ankommen, müssen sie erst in den Fahrstuhl, hoch zur Fackel des Turms. Die erstreckt sich über das obere Drittel, ihre Fassade besteht aus durchsichtigem PVC. Durch das können sie bereits beim 675 Meter langen Aufstieg zur Aussichtplattform über eine Helixrampe die Aussicht genießen. Und sind doch windgeschützt. Die Länge des Wegs ist übrigens erneut kein Zufall. Sie ergänzt den Joggingweg rund um den Teich zur vollen Doppelmeile, so die Architekten.  Bürogründer Laith Sayigh sieht in dem Central Park Tower gar das Potenzial, ein „Vorbild für andere Städte zu liefern, die bestehende Infrastruktur reparieren … und den öffentlichen Raum erheben möchten“. Ein Senkrechtstarter ist der Klärturm mit Ausblick und Turbine allemal…

 

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