Auf mehreren Ebenen: der Aufzug als Kunstobjekt

Aufzugfilmer filmen gewöhnlich in der Kabine. Die Künstlerin Christine Wassermann filmt aus der Kabine heraus. In ihrer Ausstellung „auf zu [G]“, die am 20. September in Kassel eröffnet wird, setzt sie sich mit dem gläsernen Aufzug als Kunstobjekt im Verwaltungsgerichtshof (VGH) Kassel auseinander. Wir haben mit ihr über die Faszination Aufzug gesprochen.

Frau Wassermann, für Ihre Ausstellung „auf zu [G]“ haben Sie einen gläsernen Aufzug beim Hoch- und Runterfahren gefilmt. Was hat Sie daran gereizt?

Entscheidend war, dass der Aufzug gläsern ist, das heißt, man sieht die ganze Technik, wie er aufgebaut ist und funktioniert, man kann aber auch das Umfeld, den Kontext, in dem der Aufzug steht oder fährt, wahrnehmen. Darüber hinaus gewährt die Transparenz des Aufzugs Einblicke in das Treppenhaus und in die einzelnen Stockwerke, die der Aufzug vertikal miteinander verbindet. Mich haben auch die unterschiedlichen Perspektiven interessiert – wie es ist einerseits „im“ Aufzug zu filmen und andererseits den Aufzug in seiner Bewegung „von außen“ aufzunehmen. Außerdem habe ich die Fahrten in Zeitlupe gedreht.

Was wollen Sie beim Betrachter erreichen?

Der Betrachter soll die Möglichkeit haben, den Aufzug an sich, aber auch die Fahrten mit ihm anders wahrzunehmen, als er es bisher kennt. Normalerweise geht es beim Aufzug darum möglichst schnell von A nach B zu kommen oder schwere, große Sachen zu transportieren. Dieser Fokus wird verschoben und dadurch entsteht die Option, dass der Betrachter auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen sensibilisiert wird (visuell, auditiv, Raum- und Zeitgefühl) und die Sichtweise, die er bis jetzt gewinnen konnte reflektieren, verändern bzw. erweitern kann.

Wie haben Sie den Aufzug ausgewählt?

Dieser Aufzug ist mir begegnet, als ich die Ausstellung einer Kollegin im VGH angeschaut habe. Danach hat er mich nicht mehr losgelassen und mir war klar, dass ich mich filmerisch intensiv mit ihm auseinandersetzen möchte. Dabei war maßgebend, dass der Aufzug durchsichtig ist und sich dadurch Innen und Außen im Wechselspiel durchdringen. Darüber hinaus fand ich das Gebäude des VGHs, in seiner Funktion als öffentliches Gebäude, interessant.

Viele Künstler, vor allem Filmemacher, fasziniert der Aufzug. Warum?

Ich kann da ja nur für mich persönlich als Künstlerin sprechen: Mich interessiert schwerpunktmäßig die Spannung zwischen vertikaler und horizontaler Bewegung – die Box in der Box – in diesem Fall sogar gläsern transparent sowie die Interaktion zwischen mir als Filmende und den Aufzugs-Benutzern. Ich vermute, dass klassischerweise die Faszination des Aufzugs auch darin besteht, dass sich dort Menschen treffen, die in diesem begrenzten Raum für einen kurzen Zeitraum zusammen sind und diese zufällige Begegnung höchst unterschiedlich gestalten. Bei meinen Filmergebnissen spielt dieser Aspekt keine Rolle. Ganz im Gegenteil. Ich habe den Aufzug als eigenständiges Objekt in den Mittelpunkt gestellt und bei der Auswertung der Filmergebnisse bewusst entschieden, Sequenzen, in denen Aufzugs- oder Treppenhaus-Benutzer vorkommen, außen vor zu lassen.

Die Ausstellung „auf zu [G]“ findet vom 20.9. bis zum 1.12.2017 im Lichthof des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, Brüder-Grimm-Platz 1 in Kassel statt. Geöffnet ist montags bis donnerstags 9 bis 15.30 Uhr und freitags 9 bis 13.30 Uhr.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier.

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