Schickes Wohnsilo in Kopenhagen

Bei dem Begriff Wohnsilo schwingt meist eine kleine Portion bedauern über lieblos gemachte Architektur mit. Doch wer eins der stylishen Apartments in diesem ehemaligen Kopenhagener Silo bezieht, darf seine Unterkunft künftig mit stolzer Brust so nennen. Denn was das ortsansässige Architekturbüro Cobe hier an die Wasserkante gestellt hat, ist alles andere konturlose Massenarchitektur.

Altes Silo im neuen Kleid: Siloumbau im Kopenhagener Nordhafen. Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST via Cobe

Siebzehn Stockwerke hoch türmte sich das Korn noch vor ein paar Jahren in diesem Gebäude. Nun sind hier 32 großzügige Wohneinheiten entstanden. Zwischen 106 und 401 Quadratmeter sind sie groß. Nur der rohe Beton im Inneren gemahnt weiter an die industrielle Geschichte des Ortes. Zusammen mit den bis zu sieben Meter hohen Decken und den nicht weniger imposanten bodentiefen Panoramafenstern stellt sich so ein echtes Loftgefühl ein, das man andernorts vergeblich zu imitieren sucht. Dazu trägt natürlich auch der spektakuläre Ausblick auf den Kopenhagener Nordhafen bei. Der hat in den vergangenen Jahren einen Generalüberholung bekommen. Heute präsentieren sich der ehemalige Industriestandort als beliebte Wohnlage.

Expressionistische Fassade für das Wohnsilo

Der eigentliche Clou der Architektur befindet sich jedoch auf der Außenhaut. Große, expressionistisch verwinkelte Stahlelemente sorgen dort für ein gutes Binnenklima. Und verwandeln die schlichte Betonfassade zugleich in eine dreidimensionale Plastik, die sich je nach Sonnenstand dramatisch vor dem Horizont abhebt. Die Architekten betonen einen weiteren Effekt der vorgehängten Fassade. Ihre dämmenden Eigenschaften ermögliche es ihnen, die Betonwände im Innern nahezu im Originalzustand zu belassen. So behielte das Gebäude innen wie außen seine, schlanke, hochaufragende Gestalt. Das Silo bleibt dem Kiez als städtebauliche Einheit erhalten. Allerdings ergänzt um eine ästhetisch äußerst aparte Silberhaut.

Bleibende Werte: Die rohen Betonwände im Innern wurden weitestgehend erhalten. Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST via Cobe

Obwohl das Projekt explizit als Wohnumbau ausgeführt wurde, hat auch die Öffentlichkeit Zugang zum Gebäude. Denn im Dachgeschoss befindet sich ein Restaurant. Von dessen Tischen aus genieße man einen 360-Grad Panoramablick über die dänische Hauptstadt und den Öresund, heißt es in der Pressemitteilung. Im Erdgeschoss zeigt derweil eine Ausstellung, wie der Entwicklungsplan für den Nordhafen voranschreitet. Bauherr Klaus Kastbjerg positioniert sich damit als Unterstützer einer verantwortungsvollen Stadtentwicklung. Cobe-Architekt Dan Stubbergaard sagt über das Projekt: „Bei der Revitalisierung unseres industriellen Erbes entdecken wir neue Potenziale und rücken die historischen Spuren unserer Städte in neues Licht. In dem wir das tun, transformieren wir industrielle Sünden zu neuen architektonischen Schätzen.“ Dem haben wir wenig hinzuzufügen. Deshalb ziehen wir einfach den Hut vor eine Architektur, die sich nicht nur den denkmalgeschützten Prachtbauten des Industriezeitalters annimmt. Sondern auch den schmucklosen Funktionsbauten neuen Glanz verleiht.

Neues Wohnviertel: Das Projekt ist Teil der Revitalisierung des Norfhafens. Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST via Cobe

Aufmacherbild: Rasmus Hjortshøj – COAST via Cobe

 

 

 

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