Wohnhochhäuser: Gemeinsam mehr Raum genießen

Der Markt für Wohnhochhäuser kommt in Bewegung. In Berlin sucht man nach neuen, günstigen Standardlösungen, in München sucht man dagegen die Wohnqualität durch großzügige Gemeinschaftsflächen zu erhöhen. Gerade Letzteres könnte ein deutliches Zeichen für die Zukunft des deutschen Wohnungsbaus sein.

Foto: Brigida González für Allmann Sattler Wappner Architekten

Etablierte Genossenschaften tun es, und auch alternative Wohnungsbauprojekte planen selten ohne. Gemeinschaftsflächen sind seit langer Zeit die Lösung, wenn es um günstigen und sozialen Wohnraum geht. Denn Luxus wie Partyräume, Hobbykeller, Gästewohnungen oder Dachterrassen werden plötzlich bezahlbar, wenn sich viele Parteien die Kosten dafür teilen. Nun kommt das Thema auch bei Investoren an. Die LBBW Immobilien Capital GmbH hat unweit des Münchner Hauptbahnhofs gebaut. Entstanden sind dabei zwei Wohntürme mit 15 Geschossen und je 53 Meter Höhe. Für München, das ebenso wie Berlin die Höhe von Neubauten streng reguliert, ein stattliches Maß. Die 130 entstandenen Einheiten, mit Grundflächen zwischen 41 und 120 Quadratmetern vermarktete das Unternehmen unter dem Slogan „Sharing Friends“. Denn neben exklusivem Wohnraum sind bei diesem Projekt auch – luxuriöse – Gemeinschaftsflächen geschaffen worden.

Luxus ist das, was uns zusammenhält

Foto: Brigida González für Allmann Sattler Wappner Architekten

Kitchenlounge für Partys, Dachterrasse und Fitnesscenter dürfen alle nutzen. Annehmlichkeiten, die sich auf dem überhitzten Immobilienmarkt der bayerischen Landeshauptstadt sonst selbst wohlhabende Käufer kaum noch leisten können. Die 130 Einheiten am Hirschgarten waren hingegen im Nu ausverkauft. Das dürfte neben den gemeinsam genutzten Flächen auch an dem überzeugenden architektonischen Konzept liegen. Dafür zeichnet das Münchner Büro Allmann Sattler Wappner verantwortlich. Der Clou im Innern sind die sogenannten Cubes, die zentralen Funktionsräume in den Wohneinheiten. Darin sind Bad, Gäste-WC, Küche und Hauswirtschaftsraum in einem Block zusammengefasst. Drumherum spielt sich das Leben in großzügig gestalteten, fließend ineinander übergehenden Wohnräumen ab.

Fassade mit Tiefenwirkung

Foto: Brigida González für Allmann Sattler Wappner Architekten.

Von außen gefallen die Gebäude mit einer dynamischen Erker-Struktur. Dreieckige Glaselemente sind in der Fassade so angeordnet, dass sie den Bewohnern großzügige Panoramen bieten, den Nachbarn aber keine Einblicke. Unter den scharf kalkulierten Investorenprojekten, die derzeit landauf landab eher durchschnittliche Architektur schaffen, setzt sich das Projekt damit auch ästhetisch positiv ab. Grünflächen um die Gebäude integrieren sie zudem gut in den Stadtraum. Der ist vor allem durch anderen Neubauten geprägt, denn bei dem Gelände handelt sich um ehemalige Gleis- und Gewerbeflächen. Erst 2007 wurde der neue Bebauungsplan für das Areal bindend.

 

Titelfoto: Brigida González für Allmann Sattler Wappner Architekten.

 

 

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