Luft nach oben: Ein Hochhauswald für China

Stefano Boeris Mailänder Bosco Verticale von 2014 (vertikaler Wald)  war der erst der Auftakt – nun plant der Meister bewaldeter Vertikalarchitektur einen ganzen Hochhauswald für China. Genauer, für die südchinesische Milionenmetropole Liuzhou. Die will so nicht nur ihre CO2-Bilanz verbessern, sondern auch das lokale Klima herunterkühlen.

Aus der Luft sieht die Liuzhou Forest City aus wie eine Stadt unter der Tarnkappe. Vereinzelt brechen weiße Fassaden durch das Grün, es könnte aber ebenso gut von weißem Kalkgestein rühren, wie man es von chinesischen Tuschezeichnungen kennt. Keine Frage: Das Mimikry ist gelungen, die Stadt Teil der Landschaft, die Landschaft Teil der Stadt. Das geht soweit, dass sogar die Silhouetten der Wohn- und Geschäftsbauten zusammen eine sanft-hügelige Landschaft ergeben. Zumindest in den Illustrationen, die das italienische Architekturbüro von Stefano Boeri nun der Öffentlichkeit präsentiert hat. Der Spatenstich ist gerade erst erfolgt.

Begrünte Wohnfelsen: Rund 40.000 Bäume sollen an den Fassaden der Hochhäuser wachsen.

Hochhauswald für 30.000 Menschen

Die Fertigstellung des Hochhauswaldes ist allerdings bereits terminiert: Im Jahr 2020, nach nur drei Jahren Bauzeit, soll das Megaprojekt bereits fertiggestellt werden. Rund 30.000  Menschen sollen dann hier leben und arbeiten. Und das im Schatten von 40.000 neugepflanzten Bäumen, die Halt an den Fassaden des Hochhauskomplexes finden sollen. Das ist schon aus ästhetischer Sicht  spektakulär. Richtig interessant ist das Projekt jedoch vor allem unter klimatischen Gesichtspunkten. 900 Tonnen Sauerstoff soll der neuangelegte Wald jährlich produzieren, 10.000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre absorbieren. Zusätzlich 57 Tonnen an weiteren Schadstoffen sollen ebenfalls im Blattwerk hängenbleiben und bereinigt werden. Insgesamt erhoffen sich die Projektbeteiligten so, das örtliche Mikroklima um einige Grad abzukühlen. Was wiederum den Energieverbrauch für Klimaanlagen senkt.

Beitrag zur Biodiversität der Region

Das Projekt überzeugt indes nicht nur bei den großen Zahlen. Auch, dass statt Monokulturen Bäume von rund 100 Arten zum Einsatz kommen, wird von Fachleuten gelobt. Bietet das neue Quartier doch auf diese Weise zahlreichen Insekten und Vogelarten einen Unterschlupf, was nicht zuletzt auch der Vielfalt der Arten vor Ort zugute kommt. Das Konzept hat sich bereits beim Bosco Verticale in Mailand bewährt. Solarpanele auf den Dächern und geothermisch betriebene Klimaanlagen runden das ökologische Konzept der Forest City ab. Und damit der Verkehr die Klimabilanz nicht wieder ruiniert, hält eine Schnellbahn vor der Haustür der Waldbewohner. Mag China derzeit auch noch ein großer Klimasünder sein – die Zeichen für die Zukunft stehen immer häufiger auf Grün. Solch innovativen Konzepte würden jedenfalls auch anderen großen Nationen ganz gut zu Gesicht stehen.

Waldsiedlung mit Highspeed-Anbindung: Ein Hochgeschwindigkeitszug sorgt für die notwendige Mobilität.

 

 

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