Hochhäuser: Neue Typen für den Block

Man liest es derzeit auf allen Kanälen: Deutschland braucht mehr neuen, und vor allem günstigen Wohnraum. Ein Schlüssel dazu ist die Standardisierung des Wohnraums. Moment mal, hatten wir das nicht schon? Doch Platte Ost und Großwohnsiedlung West passten nie gut in das Stadtgefüge. LIN Architekten aus Berlin nehmen nun einen neuen Anlauf und entwerfen ein Hochhaus, das in vielen Varianten realisierbar ist. Werden diese neuen Typen für den Block zur Bereicherung?

Typisch Berlin? Hochhausentwurf aus der Feder des Büros LIN. Illustration: Ponnie Images via LIN.

Fertig, fertig und fertig: Liest man das Konzept von LIN-Architekten für ihr Typenhochhaus stößt man auf viele Elemente, die bereits vor dem eigentlichen Bau in Sack und Tüten sind. Die Nasszellen zum Beispiel, oder der Treppenlauf, oder die Betonstützen. Auf der anderen Seite sind die modular aufgebauten Grundrisse äußerst flexibel und lassen bis zu zehn unterschiedliche Wohnungstypen zu. Das bedeutet konkret, dass trotz der Typisierung Wohnraum für eine sehr heterogene Bewohnerschaft entstehen kann. Die Einraumwohnung für alleinstehende Rentner, Studenten oder Singles findet so auf der gleichen Etage Platz wie die Vier-Zimmer-Familienwohnung.

Flexible Typen für den Block

Möglich wird dies vor allem durch eine gekonnte Erschließung der einzelnen Stockwerke. Sechs, acht, neu oder gar zehn Parteien erreichen ihre Wohnung über den gleichen Treppenabsatz. Anders als die typische Platte, die weit länger als tief ist, setzt das Typenhochhaus auf eine nahezu quadratische Kubatur. Der mittig angelegte Aufgang ist dann auch eine der wesentlichen Konstanten dieses Entwurfs. Der, und der zweigeschossige Sockel, der zum Beispiel für Ladengeschäfte oder Kitas genutzt werden kann. Ebenfalls standardmäßig vorgesehen sind Gemeinschaftsflächen. Die dienen dem sozialen Kitt, den gerade Großbausiedlungen sonst offen missen lassen.

Lösungsansätze für die Hauptstadt gesucht

Baukastensystem: Flexible Grundrisse ermöglichen sechs bis zehn Parteien je Etage.Grafik: LIN.

Dass die Pläne nun auf den Tisch kommen, ist indes kein Zufall. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE hatte bereits im Vorjahr zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Der Wunsch nach bezahlbaren Wohnraum für die Hauptstadt sollt künftig zumindest teilweise durch einen neuen Typus Hochhaus gedeckt werden. Der Anspruch: Kosten senken durch Standardisierung, Wohnkomfort erhöhen durch maximal flexible Grundrisse. Gemessen an der Auslobung ist es kaum Wunder, das sich LIN mit ihrem Entwurf durchgesetzt haben und den ersten Preis gewannen. Ob, wo und wie ein Hochhaus diesen Typs tatsächlich entstehen wird, ist derzeit noch offen. Die Jury empfahl, im nächsten Schritt eine Bauvoranfrage zu stellen. Das heißt, behördlicherseits zu klären, ob der Entwurf den Anforderungen des Baurechts entspricht. Als neuer Debattenbeitrag ist das Typenhochhaus allerdings schon jetzt eine Bereicherung. Verleiht er doch der Diskussion um bezahlbaren, individuellen Wohnraum neuen Schwung. Und da selbst in der flächenreichen Hauptstadt angemessener Baugrund längst knapp wird, ist der Himmel über Berlin eine äußerst plausible neue Adresse.

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