Gefilmte Fahrt: ADDEs Transporting Adventures

Gefilmte Fahrt: YouTuber Andreas im Interview.

In unserer Reihe „Gefilmte Fahrt“ stellt sich dieses Mal Andreas Ulvebring alias „ADDSe Transporting Adventures“ vor. Der 22-jährige Schwede arbeitet in Stockholm im Kundenservice eines großen Telekommunikationskonzerns. Seinen Channel zu Aufzügen und Zügen betreibt der YouTuber rein als Hobby. Seit vergangenem Jahr ist er aber auch Aufzug-Techniker. Bevor er als solcher arbeiten kann, muss er jedoch zunächst seinen Führerschein machen.

Andreas, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen YouTube-Channel zu Fahrstühlen anzulegen?
Ich habe mich bereits als Kind sehr für Aufzüge interessiert. Es gab allerdings auch eine Phase, etwa von 2007 bis 2009, in der ich Angst hatte, in einen Fahrstuhl zu steigen. Ich war nämlich mehrfach steckengeblieben. Doch als ich 2009 auf YouTube Aufzug-Videos entdeckte, änderte sich das wieder. Hissen12 (heißt heute Elevators from Sweden) überzeugte mich bei einem Treffen ein Jahr später, selbst Aufzüge zu filmen. Meine erste Kamera, mit der ordentliche Videos gelangen, kaufte ich im August 2011.

Ihr Channel hat inzwischen mehr als 2.700 Abonnenten. Ab welchem Punkt ging es aufwärts?

Im Technikmuseum Stockholm hielt Andreas 2011 einen Vortrag. Daran erinnert noch heute ein gerahmtes Foto im Museum. Foto: Andreas Ulvebring

Im Technikmuseum Stockholm hielt Andreas 2011 einen Vortrag. Daran erinnert noch heute ein gerahmtes Foto im Museum. Foto: Andreas Ulvebring

Der größte Moment meines Lebens war im November 2011: Ich durfte im Tekniska Muséet (Technisches Museum Stockholm) einen Vortrag halten. Es gibt dort eine wöchentliche Reihe zu etwas abseitigen Technik-Themen. Durch den Vortrag wurden verschiedene schwedische Zeitungen auf mich aufmerksam, die mich interviewt haben. Das hat die Abonenntenzahlen in die Höhe getrieben.

Wer sind Ihre Follower, kennen Sie einige von ihnen persönlich?
Die Mehrzahl meiner Zuschauer besteht aus anderen Aufzug-Filmern, die meine Videos mögen. Sie kommen aus Schweden, Deutschland, den USA, Russland und Australien. Ich kenne einige von ihnen mittlerweile persönlich und schaue mir auch gern ihre Filme an. Ich habe aber auch Follower, die mir wegen meiner Videos zu Zügen folgen.

Die Aufzug-Community ist groß, die Zahl der Filmer ebenso. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
„Groß“ ist übertrieben. Es gibt viele „Trainspotter“ und „Plainspotter“. Auf YouTube gibt es zahlreiche Videos zu Katzen und anderen Tieren, zu Minecraft. Verglichen damit ist unsere Community klein. Sie wächst jedoch mithilfe vieler kleiner Kanäle. Ein für mich wichtiges Thema, Erhaltung von alten Aufzügen, ist bislang noch unterrepräsentiert. Doch zusammen mit ein paar anderen Filmern arbeite ich daran, das zu ändern.

Tipps für die gefilmte Fahrt 

Was macht für Sie persönlich den Reiz eines guten Aufzug-Videos aus?
Das Video sollte in hoher Qualität, mit einer ruhigen Hand gedreht sein. Der Filmer sollte wenig bis gar nicht reden. Die gefilmte Fahrt sollte im Detail den Aufzug zeigen und seine Geräusche einfangen.

Wie entdecken Sie interessante Aufzüge?
Ich suche nicht gezielt, sondern stolpere immer wieder über interessante. Ich weiß von vielen alten und bekannten Aufzügen in Stockholm und habe bereits verschiedene gefilmt. Doch es gibt noch genug da draußen zu filmen und auf YouTube zu zeigen.

Und wie schaffen Sie es, die Aufzüge benutzen zu können, die Sie filmen?
In Stockholm sind die Haustüren meist mit einem vierstelligen Code gesichert. Dank guter Beziehungen zu Mitarbeitern von Botendiensten, mit denen ich gegenseitig die Codes austausche, komme ich in viele Gebäude. Einfach zu klingeln, funktioniert meist leider nicht, weil die meisten Stockholmer Fremde nicht ins Haus lassen.

Rekord für längstes Aufzug-Video

Welches Ihrer Videos gefällt Ihnen selbst am besten?
Es fällt mir nicht leicht, da eine Auswahl zu treffen. Danderyd Hospital fällt zum Beispiel dadurch auf, dass es sich um die längste gefilmte Fahrt handelte, die zum Zeitpunkt des Hochladens veröffentlicht wurde. Zumindest laut Fandom’s Elevation Wikia sind die 82 Minuten Rekord. Ich habe dort allerdings alle Aufzüge gefilmt.

Das Werk welches Aufzug-Filmers würden Sie weiterempfehlen?
Die Liste ist lang: Uplifting Post Tower, der erwähnte Elevators From Sweden, Elevators from Finland by FinnishLiftFilmer1993, Fintranz and Lifttours, Heritage Elevators and Old Lift Modern Lifts. Außerdem schaue ich mir gern FIlme von MrmattandMrChay an, von Dieselducy, The Elevator Channel and thewildeeper. Auch BENO ist unterhaltsam. Er bricht allerdings einige Sicherheitsregeln beim Filmen, auch um den Rest der Community zu ärgern. Schließlich möchte ich meine wichtigsten Kommentarschreiber erwähnen: The French Elevator Channel, Russian Elevators, Gutteboy and KONE 2001.

Gibt es Aufzüge, die Sie noch nicht gefilmt haben, aber gern mal vorstellen würden?
Das wären vor allem besondere Aufzüge wie der im One World Trade Center, Burj Khalifa, Taipei 101, Tokyo Tower und ich bin gespannt auf den ersten verbauten ThyssenKrupp MULTI. Reizen würden mich auch ältere Aufzüge, etwa von Schindler in der Schweiz oder der ursprünglich mit Dampf angetriebene Elevador de Santa Justa in Lissabon.

Die weiteren Interviews der Reihe „Gefilmte Fahrt“ auf dem Senkrechtstarter

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